Mobile Gesundheit und sauberes Wasser für Kabul

Die afghanische Hauptstadt Kabul ist Ziel hunderttausender Binnenflüchtlinge und Rückkehrer, die vor der Gewalt im eigenen Land fliehen. In wenigen Jahren hat sich die Einwohnerzahl der Stadt verdoppelt, doch der Ausbau der Infrastruktur hält nicht annähernd Schritt. Tausende Familien leben in äußerst prekären Unterkünften in informellen Siedlungen. Krankheiten grassieren und die Hygienebedingungen sind oft katastrophal. Drei Projekte der Johanniter schaffen Abhilfe.

Lange Wege, gefährliche Straßen: für viele Afghanen in den informellen Siedlungen Kabuls sind Gesundheitszentren oft nur schwer erreichbar. Vor allem Frauen und Kinder sind in der Vergangenheit Opfer von Unfällen geworden. Darum unterstützen die Johanniter mit finanzieller Hilfe der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz) eine mobile Basisgesundheitsklinik, die ihre Dienste an sechs Tagen in der Woche an sieben verschiedenen Punkten des Bezirks Green Village anbietet. Neben Gesundheit fördert die Maßnahme ein besseres Zusammenleben, denn oft befinden sich informelle Flüchtlingssiedlungen in etablierten Stadtvierteln. Spannungen und fehlende Akzeptanz lassen sich durch zusätzliche Leistungen wie diese abbauen.

20 hand- und solarbetriebene Brunnen werden in den Siedlungen für eine bessere Wasserversorgung gebaut. Foto: Johanniter

Das Projekt, das noch bis April 2020 durchgeführt wird, läuft parallel zu einem weiteren umfangreichen Gesundheitsprojekt. Zusammen mit der lokalen Partnerorganisation Organization of Humanitarian Welfare (OHW) wird die medizinische Grundversorgung in 21 informellen Siedlungen in Kabul sichergestellt. Zwei stationäre und drei mobile Kliniken erreichen 5.451 Haushalte mit insgesamt rund 38.000 Personen. Das Projekt wird bis Mitte 2020 vom Auswärtigen Amt und durch Spenden finanziert.

Tiefbrunnen und Wasserleitungen für 16.000 Menschen

Um Krankheiten aber nicht nur zu behandeln, sondern vor allem zu vermeiden, müssen die Ursachen angegangen werden. Noch bis März 2020 hat ein drittes Projekt die Verbesserung der Hygienesituation und den Zugang zu sauberem Wasser zum Ziel. 11 Handpumpen und  8 Tiefbrunnen mit solarbetriebenen Wasserpumpen samt Rohrleitungssystem stellen zukünftig die Wasserversorgung für rund 16.000 Menschen, denn sauberes Wasser war bisher Mangelware. Zur Instandhaltung der Pumpen und Systeme werden Ausschüsse innerhalb der Bewohner gebildet, um die Funktion in Zukunft zu gewährleisten.

In unserer Multimedia-Reportage erfahren Sie mehr über die Situation der Flüchtlinge in Kabul.

Klicken Sie sich hier durch Bilder und Videos aus Afghanistan.

Hilfe für Menschen mit Behinderung

Auch auf individueller Ebene wird die Hygiene verbessert. So erhalten Frauen Dignity-Kits mit Hygieneutensilien und eine Nähmaschine zur Herstellung von eigenen Hygienebinden. Menschen mit Behinderungen, die bis zu ein Viertel der Bevölkerung in den informellen Siedlungen ausmachen, werden mit physiotherapeutischen Leistungen und Hilfsmitteln versorgt. Wer Orthesen oder Prothesen benötigt, wird an das Rote Kreuz oder an Handicap International unterstützend weitergeleitet. Durch diese Zusammenarbeit und den Ansatz auf mehreren Ebenen kann die Lage tausender Flüchtlinge Schritt für Schritt verbessert werden.

Wenn Sie mehr über Afghanistan, seine Facetten und unsere Projekte kennenlernen möchten, lesen Sie den Reisebericht unseres Kollegen Jens Schwalb.

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Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

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