Berufsausbildung für Flüchtlinge

Der Libanon hat die UN-Flüchtlingskonvention nicht unterzeichnet. Flüchtlinge werden deshalb offiziell nicht als solche anerkannt. Dies macht es den über 1,5 Millionen Flüchtlingen im Land sehr schwer, ein neues Leben aufzubauen. Vor allem Menschen aus Palästina, die teilweise bereits seit 1948 ohne Staatsangehörigkeit im Land sind, haben es schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Johanniter unterstützen seit 2015 Jugendliche dabei, diesen Sprung zu schaffen. Vor allem Menschen mit einer Behinderung werden berücksichtigt.

In drei palästinensischen Flüchtlingscamps ermöglichten die Johanniter und ihr lokaler Projektpartner Naba´a 120 Jugendlichen über knapp drei Jahre eine Berufsausbildung. In Berufsschulen erhielten die Jugendlichen eine Ausbildung zum Friseur, Buchhalter, Koch oder Kellner. In einer Marktstudie hatten die Johanniter und Naba’a vorher untersucht, in welchen Bereichen im Libanon Arbeitsplätze vorhanden und vor allem Menschen mit Behinderung eine Jobperspektive haben. Die Hälfte der 120 Jugendlichen lebten mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung. Für sie sind die Hürden in den Berufseinstieg fast unüberwindbar. 

Wir wollen verhindern, dass sich die Jugendlichen aus Frust extremistischen Gruppen anschließen oder in die Kriminalität und den Drogenkonsum abrutschen“, erklärt Annette Müller, zuständige Projektkkoordinatorin der Johanniter, das Ziel des Projekts.

Das Ergebnis einer Untersuchung, die im Anschluss an das Projekt stattgefunden hatte, war positiv. Alle Jugendlichen hatten nicht nur die Ausbildung abgeschlossen, sondern vier von zehn haben eine Anstellung gefunden. Neben der Berufsausbildung werden den Studenten auch Trainings in den Bereichen Gruppendynamik, Kommunikation und Konfliktlösung angeboten. Zusätzlich erhielten sie Starterkits und Trainings, um Begabungen und Talente zu nutzen. Untereinander organisierten sie sich in Kleingruppen. 80 Prozent gaben an, ein gutes soziales Verhältnis zu pflegen, was die Vernetzung innerhalb der Jugendlichen fördert.

Aufstockung in zweiter Phase

2018 weiteten die Johanniter zusammen mit Naba´a und der finanziellen Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Maßnahmen aus. 540 Jugendliche mit und ohne Behinderungen werden in einer zweiten Phase sozio-ökonomisch gestärkt. Die Jugendlichen mit vor allem syrischer oder palästinensischer Abstammung nehmen an einer Berufsausbildung teil und organisieren sich in kleinen Gruppen. Darüber hinaus finden in sechs Flüchtlingscamps Sensibilisierungsmaßnahmen statt, um auf die generellen Bedarfe von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen und den Arbeitsmarkt inklusiver zu gestalten. Knapp 2900 Menschen werden daran beteiligt sein.   

Jeder Vierte im Libanon hat einen Fluchthintergrund

Kein Land der Welt hat in den vergangenen Jahren - gemessen an seiner Einwohnerzahl - mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. In dem Staat mit rund 4,5 Millionen Einwohnern leben laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) rund 1,5 Millionen Flüchtlinge, die meisten davon aus Syrien. Zudem leben rund 450.000 Palästinenser teilweise in der 2. oder 3. Generation im Libanon, da die ersten palästinensischen Flüchtlinge bereits 1948 mit der Gründung Israels ankamen. Die große Mehrheit der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon besitzt nicht die libanesische Staatsangehörigkeit und ist somit staatenlos. Rund jeder zehnte Einwohner im Libanon ist von einer physischen, sensorischen oder geistigen Einschränkung betroffen.

Auf unserer Multimediaseite 120xHOFFNUNG erhalten Sie einen besonderen Einblick in das Ausbildungsprojekt für Jugendliche im Libanon

Bündnispartner der Johanniter: Aktion Deutschland hilft, Gemeinsam für Afrika, VENRO und DZI

Ihr Ansprechpartner Sandra Lorenz - Fachbereichsleiterin Kommunikation Auslandshilfe

Lützowstr. 94
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