Unschuldig mitbestraft

Kempten, 25. November 2019

Foto: Johanniter Medienarchiv

Wenn der Papa ins Gefängnis muss, steht die ganze Familie vor einer Zerreißprobe. Kinder leiden hierbei besonders. Viele von ihnen stellen sich das Gefängnis als ein dunkles Loch unter der Erde vor, in dem es nur Wasser und Brot gibt oder haben eine diffuse Angst davor. Diese Scheu möchten die Johanniter den Kindern nehmen. Seit 2014 führen sie an der Kemptener Justizvollzugsanstalt das mehrfach preisgekrönte Angebot „LaVista“ durch. Dabei dürfen die Kinder unter der Obhut einer Sozialpädagogin regelmäßig mit ihrem Papa spielen, basteln oder kuscheln. Nun bitten die Johanniter um Unterstützung für die Weiterführung der Gruppenstunden.

„Mit `LaVista´ kümmern wir uns um die Bedürfnisse der betroffenen Kinder. Meist sind sie mit der Situation völlig überfordert und können nicht verstehen, was passiert. Viele schämen sich vor der Reaktion der Verwandten, Freunde und Bekannten“, weiß Annette Zuck-Rzymann, die das Angebot federführend bei den Johannitern leitet.

„Bei den regulären Besuchsterminen im Gefängnis, die in der Regel dreimal im Monat für eine dreiviertel Stunde möglich sind, ist für die Bedürfnisse der Kinder oft nur wenig Raum. Hier setzen wir mit `LaVista´ an.“ Die in Frage kommenden Väter - seitens der JVA wird eine sorgfältige Vorauswahl getroffen - treffen sich dabei alle zwei Wochen in einer sozialpädagogisch und seelsorgerisch betreuten Vater-Kind-Gruppe mit ihren Kindern. Der Gruppe, die aus Vätern und ihren Kindern im Alter zwischen 3 und 15 Jahren besteht, steht dafür ein freundlich gestalteter Raum in der JVA zur Verfügung.

„Bei den Treffen wird das für die Familien extrem belastende Tabuthema Haft kindgerecht vermittelt. Zugleich werden die Kinder gegen Hänseleien und Ausgrenzung gestärkt“, so die Sozialpädagogin. Das Angebot von `LaVista´ umfasst zudem eine betreute Reflexionsgruppe für die Väter, Beratungsgespräche für die betroffenen Familien sowie einen Müttertreff als zwanglose Austauschmöglichkeit für Mütter während der Gruppenstunden.

„Die Kinder profitieren sehr, wenn der Kontakt zum Vater während der Haft erhalten bleibt. Zugleich gibt die Vater-Kind-Gruppe den teilnehmenden Vätern Halt und ermöglicht allen Betroffenen einen positiven Ausblick auf die Zukunft“, erklärt sie. „Um die Gruppe, die für die Betroffenen kostenlos ist, dauerhaft anbieten zu können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele Menschen dieses besondere Angebot unterstützen würden.“

Wer `LaVista´ in Kempten mit seiner Weihnachtsspende unterstützen möchte, kann dies auf folgendem Spendenkonto tun: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE50 3702 0500 0004 3038 01, BIC BFS WDE 33X XX, Betreff: „LaVista Kempten“. Weitere Informationen erhalten Sie unter der Telefonnummer 0831 52157-601 oder per Mail unter spenden.allgaeu@johanniter.de (Spendenbescheinigungen werden unter Angabe der Anschrift ausgestellt)