Was tun bei Wespen-, Bienen-, Schnaken oder auch Hornissenstich?

Allgäu, 14. August 2019

Insektenstiche sind nicht nur lästig, sondern können mitunter zu starkem Juckreiz, schmerzhaften Entzündungen bis hin zu lebensbedrohlichen allergischen Schocks führen. Wir haben Markus Adler, Notfallsanitäter und Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter im Allgäu, gefragt, was zu tun ist, wenn es einen erwischt hat.

„Bei Insektenstichen gibt es große Unterschiede, je nachdem, um welches Tier es sich gehandelt hat“, so Markus Adler. „Während Schnakenstiche meist lediglich einen lästigen Juckreiz auslösen, kann es bei Wespen und Bienen manchmal lebensgefährlich werden.“

Mücken- oder Schnakenstiche
Mücken bzw. Schnaken wählen ihre Opfer nach deren Körperwärme und dem Körper- bzw. Schweißgeruch aus. Wissenschaftler fanden heraus, dass Menschen mit Blutgruppe 0 besonders häufig gestochen werden. Auch Schwangere werden von den kleinen Blutsaugern bevorzugt, da ihre Körpertemperatur meist höher ist. Wenn Mücken zustechen, spritzen sie einen gerinnungshemmenden Stoff in die Einstichstelle. So bleibt das Blut flüssig und kann leichter von den Tieren aufgenommen werden. Dieser Stoff aber sorgt beim Menschen für die Ausschüttung von körpereigenem Histamin und löst den charakteristischen Juckreiz aus. „Mückenstiche sollten sofort gekühlt werden, beispielsweise mit einem kalten, feuchten Tuch, einem speziellen Roll-On, einem Coolpack oder einem umwickelten Kühlakku oder umwickelten Beutel mit tiefgefrorenen Erbsen. Das sorgt dafür, dass das Gift sich langsamer ausbreitet“, so Markus Adler. „Danach die Einstichstelle desinfizieren und mit einem antihistaminikumhaltigen Gel oder einer hydrocortisonhaltigen Creme aus der Apotheke eincremen – bei Kindern bitte Altersbeschränkungen beachten. Schwer einzuhalten, aber wichtig wäre, nicht zu kratzen, da dadurch Bakterien in die Wunde gelangen und zu einer Infektion führen können.“ Nachts Baumwollhandschuhe zu tragen, kann unbewusstes Kratzen verhindern. „Wenn ein Stich schnell richtig dick und heiß wird, sollte man einen Arzt draufschauen lassen“, rät der Experte. Ein neuer Trend sind stiftförmige Geräte, die sich punktförmig aufheizen und die man auf die Einstichstelle drückt. Adler: „Wenn man dies sofort nach dem Stich anwendet, hilft die Hitze, das Gift zu ersetzen und kann somit tatsächlich den Juckreiz lindern. Alternativ kann man auch einen Teelöffel erwärmen und auf die Stelle drücken. Danach kühlen.“
Verhindern kann man Mückenstiche, indem man sich von deren Brutstätten (z.B. Regentonnen, Tümpel, Gießkannen) fernhält bzw. diese abdeckt. Auch lange Kleidung in den Abendstunden erschwert das Stechen. Innenräume kann man durch Insektengitter und Klimaanlagen (Schnaken mögen keine Kälte) schützen. „Zur Vorbeugung helfen auch spezielle Mückenschutzmittel oder pflanzliche Öle wie Kokos-, Eukalyptus- oder Zedernöl.“

Bienen- und Wespenstiche
Bienen greifen normalerweise nicht von selbst an, sondern stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Sie sterben nach einem einzigen Stich. Oftmals erkennt man einen Bienenstich, weil noch der Stachel mit der Giftblase in der Haut steckt. „Den Stechapparat muss man sofort und ganz vorsichtig herausziehen, ohne ihn zu quetschen, sonst gelangt noch mehr Bienengift in die Einstichstelle“, so Markus Adler. Bei Wespen bleibt der Stachel hingegen in der Regel nicht stecken. „Der Stich sollte keinesfalls mit dem Mund ausgesaugt werden, sonst gelangt das Gift über die Zunge und die Schleimhäute in den Körper“, warnt er.

Allergien oder Stiche im Mund, Hals und Rachen bedeuten Lebensgefahr

„Bei Allergikern oder bei einem Stich im Mund, Rachen oder Hals (Erstickungsgefahr!) muss sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden. Allergiesymptome sind beispielsweise Übelkeit, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall, großflächige Hautreaktionen bis hin zu Atemnot und einem allergischen Schock. Bis zum Eintreffen des Notarztes Ruhe bewahren und dem Betroffenen Eiswürfel zum Lutschen geben.“ Adler appelliert: „Allergiker sollten immer ihr vom Arzt zusammengestelltes Notfallset dabeihaben, sonst kann es schnell lebensbedrohlich werden.“

Wenn keine Allergie vorliegt und der Stich nicht im Mundbereich liegt, ist keine Eile geboten. Gegen Schmerz, Juckreiz und Schwellung hilft Kühlen als Sofortmaßnahme (Coolpack, ein umwickelter Beutel gefrorener Erbsen, feuchtkalte Lappen o.Ä.), danach die Einstichstelle desinfizieren und mit einem Gel aus der Apotheke eincremen. Bei Wespenstichen ist die Schwellung der Einstichstelle oft erst zwei oder drei Tage nach dem Stich am stärksten. „Entzündet sich die Stelle und wird heiß und rot, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Unter Umständen kann der Einsatz von Antibiotika nötig werden.“

Bremsenstiche
Bremsen (oder Brämen) werden von Schweißgeruch angelockt und wählen am liebsten schwach behaarte Körperstellen aus, um Blut zu saugen. Wie die meisten Blutsauger spritzen auch sie ein gerinnungshemmendes Sekret unter die Haut. Manchmal blutet der Stich deshalb ein wenig nach. „Bremsenstiche sind zwar schmerzhaft und können theoretisch verschiedene Krankheiten übertragen, sind aber normalerweise ungefährlich“, beruhigt Markus Adler. „Hilfreich ist eine schnelle Behandlung mit Hitze, z.B. einem erwärmten Teelöffel, denn ab 40 Grad Celsius wird das Protein zerstört, das die Bremsen unter die Haut spritzen. Wie immer gilt: Nicht kratzen, um Infektionen zu vermeiden. Gels mit dem Wirkstoff Dimetindenmaleat oder hydrocortisonhaltige Cremes lindern den Juckreiz. Wenn der Stich stark anschwillt oder schmerzt, sollte ein Arzt aufgesucht werden.“

Hornissenstiche
Hornissen sind normalerweise friedfertige und scheue Insekten. Anders als viele aufgrund der Größe der Tiere vermuten, ist ihr Gift harmloser als das von Wespen und Bienen, allerdings verursacht es durch den längeren Stachel meist ein stärkeres Schmerzempfinden. „Die juckenden Rötungen und Schwellungen sind bis zu 10 cm groß und in der Regel nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Die Behandlung entspricht der bei einem Bienen- oder Wespenstich“ (siehe oben). Markus Adler: „Bei Stichen im Mund-/Hals- oder Rachenraum (hier besteht aufgrund der Schwellung Erstickungsgefahr –> Eiswürfel lutschen, bis der Notarzt kommt) oder bei vorliegender Allergie muss sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden.“

Hausmittel gegen den Juckreiz
Es gibt einige Hausmittel, mit denen man den Juckreiz bekämpfen kann. „Vor deren Anwendung muss individuell auf eventuelle Allergien oder Unverträglichkeiten geachtet werden“; mahnt er. „Beliebt ist beispielsweise, eine halbe Zwiebel auf den Stich zu legen. Der Saft wirkt antibakteriell, lindert den Juckreiz und die Schwellung. Eine Scheibe Aloe Vera auf dem Stich lindert ebenfalls den Juckreiz, ebenso wie ein warmer - nicht zu heißer - Löffel. Dieser Trick wirkt aber nur sofort nach dem Stich.“