Eine Hand voll Mensch

Nürnberg, 02. August 2019

Stolz präsentieren die Nürnberger Johanniter im Mai 1979 den ersten Baby-Notarztwagen in Nordbayern und den dritten in der Bundesrepublik.

Während ein gesundes Baby im Durchschnitt rund 3.500 g bei der Geburt wiegt, liegt das Geburtsgewicht bei Frühchen teilweise unter 500 g - kaum mehr als eine Hand voll Mensch. Seit 1979 ist der Babynotarztwagen (BNAW) der Johanniter-Unfall-Hilfe in der gesamten Region Mittelfranken speziell für solche Früh- und Neugeborenen im Einsatz. Meist wird er dann gerufen, wenn ein Baby in Not ist und eine entsprechend dringende Behandlung braucht. Zum 40. Jubiläum dieses besonderen Einsatzfahrzeuges fand am Donnerstag, den 18.07.2019 ein bewegender Festakt statt.

Um das zu feiern, kamen die Pioniere der Zeit: ehemalige und aktuelle Rettungsdienstmitarbeiter, Freunde, Förderer sowie viele Vertreter aus Politik, anderer Hilfsorganisationen, Kooperationspartner und Unterstützer. In der Regionalgeschäftsstelle der Johanniter in Nürnberg ließen sie sich die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Babynotarztwagens noch einmal lebhaft aus erster Hand erzählen. Der große Saal in der Geschäftsstelle war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Die Grußworte des zweiten Bürgermeisters der Stadt Nürnberg Christian Vogel, der Chefärzte Prof. Dr. med. Christoph Fusch (Klinik für Neugeborene, Kinder und Jugendliche am Städtischen Klinikum Nürnberg) und Prof. Dr. med. Michael Schroth (Cnopfsche Kinderklinik, Neonatologie und Kinder-Intensivmedizin) sowie Jürgen Wanat (Mitglied des Landesvorstandes der Johanniter Bayern) drückten Dankbarkeit und Wertschätzung aus. „Der Babynotarztwagen hat vielen Familien in der Region viel Glück gebracht.“, hob Bürgermeister Vogel bei seiner Ansprache hervor. Die Einsatzzahlen der letzten 40 Jahre zeigen dies deutlich. Über 22.500 Früh- und Neugeborene wurden transportiert und viele hätten die ersten Lebenstage ohne den BNAW wahrscheinlich nicht überlebt.

Wie alles begann – 1979

Wenn vor über 40 Jahren ein Neugeborenes von einer Klinik ohne Neugeborenenintensivstation in eine Spezialklinik verlegt werden musste, gab es im Großraum Nürnberg keine geeignete Möglichkeit, diese Kinder sicher und adäquat versorgt und überwacht zu transportieren. Die Rettungswägen waren allein auf die Versorgung von Erwachsenen ausgelegt. Da kam es schon einmal vor, dass ein Kind nur in eine Decke gewickelt dem Sanitäter für den Transport in die Arme gedrückt wurde. Die Überwachung bestand darin zu sehen und zu hören. Später gab es dann immerhin zum Warmhalten einen Inkubator (Brutkasten), der jeweils vom nächsten freien Rettungswagen aufgenommen wurde. Mobile Beatmungsmöglichkeiten für Säuglinge gab es noch nicht.

Auf Initiative engagierter Johanniter gegen diese Missstände wurde 1979 der erste Babynotarztwagen mit Standort Nürnberg etabliert. Lorand Szüszner und Dr. Heinz Giering, bis heute, bzw. bis vor kurzem bei den Johannitern aktiv, sowie eine Handvoll weiterer engagierter Johanniter bewiesen Mut und Pioniergeist. Ein Fall der Verlegung eines wiederbelebten, beatmungspflichtigen Säuglings war die Initialzündung.

Mit eigenen Geldern, der Zuwendung einer Geldbuße und Spenden wurde ein Wagen angeschafft und ausgerüstet. Vorgaben, Erfahrungen, oder gar DIN-Vorschriften gab es damals dafür nicht. Trotz vieler Widerstände zu Beginn wurde der Wagen etabliert und ehrenamtlich besetzt. Erst später gelang es, den Babynotarztwagen in das gegenfinanzierte Rettungsdienstsystem einzubringen.

Der Babynotarztwagen heute

Die Besatzung des Babynotarztwagens ist heute speziell geschult. Die Rettungs- und Notfallsanitäter machen für den Einsatz Praktika auf Neugeborenenintensivstationen und spezielle Schulungen. Das unterscheidet den Nürnberger BNAW auch von anderen Konzepten, bei denen die regulären Rettungswägen lediglich einen Inkubator zuladen. Hohe Fachkompetenz der Besatzung und spezielle Ausrüstung, weit über nur einen Inkubator hinaus, machen den Babynotarztwagen der Johanniter zu einem ganz besonderen Rettungsmittel. „Wir hoffen, dass dieses besondere Fahrzeug mit seiner kompetenten und engagierten Besatzung auch weiterhin in der Region wirken kann.“, so Dr. Johannes Frhr. von Erffa, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter in Mittelfranken, während des Festaktes. Neben einem Weiteren in München, ist das Nürnberger Einsatzfahrzeug der Einzige seiner Art in Bayern.

Den Abschluss der Feierlichkeiten zum 40. Jubiläum macht am 12.10.2019 der Tag der offenen Tür der Stadt Nürnberg. An diesem Tag zeigen sich die Johanniter in ihrer Regionalgeschäftsstelle in der Johanniterstraße 3 von 10:00 bis 16:00 Uhr und öffnen auch die Türen des Babynotarztwagens.