Vorsicht beim Pilze sammeln!

Mittelfranken, 22. Oktober 2018

Johanniter geben Tipps für einen sicheren Pilzgenuss

Mittelfranken ■ Passionierte Pilzsammler können in den nächsten Wochen wieder ihrer Leidenschaft nachgehen und mit Korb und Messer durch die Wälder ziehen. Doch nicht jeder Pilz ist essbar – der Verzehr eines giftigen Pilzes kann folgenschwer sein.

In Bayern gibt es Rund 3000 verschiedene Großpilze, von diesen wiederum gelten etwa 100 als Speisepilze. Die Johanniter erklären, welche Symptome auf eine Vergiftung hinweisen, was im Verdachtsfall zu tun ist und was die häufigsten Ursachen von Pilzvergiftungen sind.

Pilzgifte sind nicht zu unterschätzen, diese haben Latenzzeiten von 15 Min. bis hin zu 14 Tagen. Das heißt, wer einen Giftpilz zu sich genommen hat kann mit der Wirkung des Giftes im Körper in dieser Zeitspanne rechnen. Ein schwer zu kalkulierendes Risiko mit ungewissem Ausgang. Knollenblätterpilze haben eine Latenzzeit von etwa 4-8 Stunden, d.h. erst nach 4-8 Stunden nach deren Einnahme kommt es zu ersten Anzeichen einer Pilzvergiftung. Leider hier schon mit starken Schädigungen innerer Organe.

1.    Nur nehmen, was man 100%-ig kennt: das ist die wichtigste Regel beim Pilze sammeln. Ist man sich nicht absolut sicher zur Genießbarkeit des Pilzes, sollte er auf keinen Fall gegessen werden.

2.    Bei Unsicherheit: Rat einholen. Viele Pilzratgeber geben einen guten Überblick über die heimischen Pilze und helfen bei der Erkennbarkeit. Letztendlich kann allerdings ein noch so gut geschriebenes Buch den Rat der Pilzsachverständigen / Pilzberaters der Bayerischen Gesellschaft für Mykologie oder der Deutschen Gesellschaft für Mykologie nicht ersetzen.

3.    Kommt es trotz aller Vorsicht zu einer Verwechslung, ist rasches und bedachtes Handeln geboten. Bereits geringste Mengen von Pilzgiften können schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen, bis hin zu tödlichem Ausgang.

„Typische Symptome einer Pilzvergiftung wären starke Schweißausbrüche, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle verbunden mit den einhergehenden Schmerzen im Verdauungstrakt sowie Herz-Kreislauf Probleme“, erklärt Andreas Höcht, Notfallsanitäter der Johanniter in Mittelfranken. „Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte man den Rettungsdienst rufen sowie alle Pilzreste und  Erbrochenes aufbewahren“, empfiehlt der Pilzberater. Pilzsachverständige können so die Art des Pilzes anhand der darin befindlichen Pilzsporen mikroskopisch feststellen und die behandelnden Ärzte beraten, welche dann die geeigneten Gegenmaßnahmen einleiten.

Von Eigenbehandlungen raten die Johanniter dringend ab. Es gibt definitiv keine Hausmittel gegen Pilzvergiftung. Erbrechen sollte nicht aktiv herbeigeführt werden. „Ruhe bewahren und unter der Notrufnummer 112 professionelle Hilfe rufen, das sind die besten Hilfsmittel. Beratung bei Pilzvergiftungen wird auch über den Giftnotruf Bayern 089/19240 angeboten.

Wer nach einem Pilzessen bewusstlos wird, sollte sofort in die stabile Seitenlage gebracht werden“, empfiehlt Höcht. Da sich der Zustand von Menschen mit Vergiftungen jederzeit verschlechtern könne, sollten Betroffene nicht selbst ins Krankenhaus oder zum Arzt fahren, sondern bei entsprechender Symptomatik durch den Rettungsdienst dorthin transportiert werden.

Nicht nur Giftpilze sind gefährlich, Gefahr lauert insbesondere auch bei der Lagerung und Zubereitung: Zu Vergiftungserscheinungen kommt es laut der Deutschen Gesellschaft für Mykologie sogar am häufigsten dann, wenn Speisepilze zu lange aufgehoben, falsch gelagert oder nicht richtig zubereitet wurden. Denn auch genießbare Pilze sind im rohen Zustand alle magen-darm-giftig.

„Achten Sie auch bei Speisepilzen auf Frische und ein appetitliches Aussehen und Geruch. Ihre persönliche Sicherheit geht in jedem Fall vor“, rät Andreas Höcht. 

Die Johanniter empfehlen eine regelmäßige Auffrischung von Erste-Hilfe-Kenntnissen, um im Ernstfall richtig helfen zu können. Infos zum Kursangebot der Johanniter gibt es im Internet unter www.johanniter.de/erstehilfe.