Betreuung von Unterkünften für Geflüchtete durch die Johanniter endet nach 1359 Tagen

München, 31. Mai 2019

Johanniter müssen die Betreuung von Unterkünften für geflüchtete Menschen in München abgeben

Was am 7. September 2015 mit einem nächtlichen Großeinsatz ehrenamtlicher Johanniter begann, endete am 31. Mai 2019 – über drei Jahre und acht Monate später: Die Betreuung von Unterkünften für geflüchtete Menschen in München durch die Johanniter-Unfall-Hilfe. Nun übergab die Hilfsorganisation die letzte von ihr betreute Gemeinschaftsunterkunft in der Elsenheimer Straße an einen privaten Dienstleister, der sich in einer Ausschreibung der Landeshauptstadt München insbesondere durch niedrigere Personalkosten durchsetzen konnte.

„Bei uns stehen seit jeher die Menschen im Mittelpunkt. Die Geflüchteten gleichermaßen wie das engagierte Team, das sich um die Unterkünfte und die Bewohner gekümmert hat,“ so Martin Swoboda, Mitglied des Regionalvorstandes der Johanniter in München. „Die Betreuung von Menschen ist eine anspruchsvolle Aufgabe und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich hier mit viel Herzblut engagieren, haben eine tarifgesicherte faire Entlohnung verdient. Wir sind von der Landeshauptstadt München sehr enttäuscht, dass offensichtlich nur der niedrigste Preis bei den Vergabeentscheidungen gezählt hat.“

Johanniter intensivieren Integrations- und Bildungsmaßnahmen

Parallel zum Betrieb von Unterkünften für Geflüchtete haben die Johanniter in München im letzten Jahr ihre Integrations- und Bildungsangebote deutlich erweitert. Neben Erstorientierungskursen und Kursen zur Wertevermittlung bieten die Johanniter spezielle Frauenkurse und einen Wohnführerschein an.

Mit dem Bildungsprogramm ZIEL (Zugang ins Erwerbsleben) unterstützen die Johanniter die berufliche Eingliederung Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund in nicht akademische Gesundheitsberufe und wirken dem Fachkräftemangel entgegen. Das Bildungsprogramm führt vom Erste-Hilfe-Kurs über eine Sanitäts- oder Betreuungsausbildung und mehrerer Praktika bis hin zum Abschluss einer Rettungssanitäter- oder Pflegehelferausbildung. Stets in Verbindung mit intensiver Deutschsprachförderung und sozialpädagogischer Begleitung.

Johanniter betreuten seit 2015 rund 18000 Geflüchtete in München

Begonnen hat die Betreuung von Unterkünften für die Johanniter-Unfall-Hilfe am Abend des 7. September 2015. Zu dieser Zeit kamen tausende Menschen täglich am Münchner Hauptbahnhof an. Die Regierung von Oberbayern beauftragte die Johanniter mit dem Aufbau einer Notunterkunft, in Dornach bei München, in der geflüchtete Menschen für bis zu 24 Stunden unterkommen konnten, in der es Duschen, Betten und Verpflegung gab. Die Regierung konnte hier auf die Erfahrung und das Material der Johanniter aus dem Bereich des Bevölkerungsschutzes zählen. Innerhalb von zweieinhalb Monaten haben die Johanniter dort mit Hilfe vieler Freiwilliger, die sich in Folge weiter ehrenamtlich oder sogar hauptberuflich in der Hilfsorganisation engagieren rund 15000 Menschen betreut und ihnen Sicherheit sowie ein vorrübergehendes Dach über dem Kopf geboten.Ab Dezember 2015 wurde die Notunterkunft zu einer Überbrückungsunterkunft für 450 Menschen umgewidmet.

Zeitgleich erhielten die Johanniter von der Landeshauptstadt München den Auftrag den Betrieb und die Asylsozialberatung in einer Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen OSRAM-Gebäude in Untergiesing für 500, später sogar 1000 Menschen (darunter viele Schwangere und Familien) – letztlich bis zum Abriss des Gebäudes fast zwei Jahre später. Weitere Unterkünfte in der Hofmannstraße (500 Plätze) und in der Triebstraße (350 Plätze) kamen im September 2016 dazu.

Bereits im April 2017 mussten die Johanniter diese beiden Einrichtungen nach einer neuen Ausschreibung an einen Anbieter mit niedrigeren Personalkosten abgeben. Das erfahrene Team der Hilfsorganisation baute dann zwei Unterkünfte in der Forstenrieder Allee (200 Plätze) und in der Elsenheimer Straße (500 Plätze) auf und betrieben sie über zwei Jahre lang.

Für die Johanniter in München endete der Einsatz als Betreiber von Unterkünften für geflüchtete Menschen nun nach 1359 Tagen. Zurückblickend zeigt sich Martin Swoboda sehr dankbar für das große Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Wir sind stolz auf das, was die Teams der Einrichtungen geleistet haben. Besonders, dass auch unter teils schwierigen Rahmenbedingungen eine gute und ruhige Atmosphäre in den Einrichtungen herrschte.“