Den Teufelskreis durchbrechen

München, 03. Dezember 2019

Die jüngst erschienene Pisa-Studie zeigt, dass in Deutschland Kinder aus angespannten sozialen Verhältnissen bei der Lesekompetenz hinter Mitschülern aus vermögenderen Familien zurückbleiben. Der Leistungsunterschied weitete sich seit 2009 sogar um neun Punkte aus.

In München setzen sich die Johanniter dafür ein, dass auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien eine Schule besuchen können, die ihrer Begabung entspricht.

„Wir wollen den Teufelskreis aus Armut, geringer Bildung und fehlenden Zukunftschancen durchbrechen“, erzählt die Einrichtungsleiterin des Dominik-Brunner-Hauses der Johanniter, Renate Schemann. Die Sonderpädagogin und ihr Team sind dabei sehr erfolgreich. „Die Mehrheit der von uns geförderten Grundschulkinder erhalten eine Empfehlung für Realschule oder Gymnasium,“ freut sich die Einrichtungsleiterin.

Die seit 2009 bestehende Einrichtung wurde vor anderthalb Jahren mit Hilfe der Dominik-Brunner-Stiftung deutlich erweitert. Aus den ursprünglich zwei Gruppen für 24 Kinder im Grundschulalter sind mittlerweile Gruppen für 104 Kinder im Alter von einem bis 16 Jahren geworden.

Breites Integrationsprogramm

Das Team des Dominik-Brunner-Hauses der Johanniter fördert Kinder benachteiligter Familien aus vielen verschiedenen Nationen. Für jedes Kind wird ein individueller Förderplan entwickelt und von pädagogischen Fachkräften angepasst.

Regelmäßig geführte Gespräche zwischen Fachkräften und Eltern ergänzen diese Maßnahmen. Durch enge Vernetzung mit Schulen, anderen Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, den Gremien des Stadtbezirks Ramersdorf und Neuperlach, Kinderärzten, Psychologen, Logopäden, Ergotherapeuten und Ehrenamtlichen wird sichergestellt, dass die Unterstützung ihren Sinn und Zweck erfüllt und die Ressourcen der Kinder und der Familien optimal ausgeschöpft werden.

Darüber hinaus ermöglicht das Dominik-Brunner-Haus der Johanniter eine sinnvolle Freizeitgestaltung mit reichlich Bewegungsraum im Haus, auf dem Grundstück oder in der benachbarten Grünanlage. Auch der Stadtteil Ramersdorf soll kennen und nutzen gelernt werden. Des Weiteren umfasst die Förderung erlebnispädagogische Maßnahmen wie Klettern oder Reiten sowie Ausflüge und Wochenendfahrten.

Von der Kinderkrippe bis ins Berufsleben

In der Kinderkrippengruppe des Dominik-Brunner-Hauses der Johanniter werden 12 Kinder im Alter bis drei Jahre von den Fachkräften betreut, in der Kindergartengruppe sind es 20 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren. Die Kinder lernen hier zu teilen, gemeinsam zu spielen sowie Konflikte gewaltfrei auszutragen und machen sprachlich und emotional große Fortschritte. Sie lernen Rituale und Regeln anzuerkennen und einzuhalten.

Kinder im Grundschulalter werden von jeweils zwei Sozialpädagogen und einer Ergänzungskraft pro Gruppe gefördert. Nach den regulären Hausaufgaben wird mit individuellem und am Lehrplan orientiertem Übungsmaterial gearbeitet. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Sprachförderung und die Bearbeitung von Teilleistungsschwächen. Ebenso werden Themen wie Lese-Rechtschreib-Schwäche, Dyskalkulie, Stottern, ADHS oder Prüfungsängste bearbeitet. Lernen, wie man lernt, bildet die Basis eines bewussten Wissens- und Kompetenzerwerbs und legt den Grundstein für lebenslanges selbstgesteuertes Lernen.

Bei der Förderung von Jugendlichen werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Bei den Jüngeren im Alter von 10 bis 14 Jahren liegt der Fokus auf der sozial-emotionalen Förderung durch Sozialkompetenztraining. Das Ziel sind glückliche und selbstbewusste Jugendliche, die ihr Leben schrittweise selbst in die Hand nehmen können. Hierzu benötigen sie Empathiefähigkeit, Frustrationstoleranz und Selbststeuerung sowie kommunikative Kompetenzen und Konfliktkompetenz.

Bei den älteren Jugendlichen zwischen 14 und 16 Jahren richtet sich der Fokus auf Bewerbertraining, Praktikabegleitung, Ausbildungshilfe und Schulabschlüsse. Gemeinsam werden mögliche Ausbildungen analysiert und Anforderungsprofile abgeglichen, um so die Stärken der Jugendlichen herauszuarbeiten. Die Unterstützung reicht von Rollenspielen zur Vorbereitung erster Anrufe und Bewerbungsgespräche bis hin zur Hilfe beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen. Ziel ist es, die jungen Menschen zu motivieren, sich mutig, aber auch realistisch mit ihrer Berufswahl auseinanderzusetzen und den Übertritt in die Ausbildungsphase zu meistern.

Ermöglicht wird die Förderung der Kinder und Jugendlichen im Dominik-Brunner-Haus der Johanniter – neben den staatlichen und kommunalen Zuschüssen – durch die Hilfe von Stiftungen wie der Dominik-Brunner-Stiftung, Unterstützern, Spendern und den Fördermitgliedern der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Ihr Ansprechpartner Renate Schemann

Dominik-Brunner-Haus der Johanniter
Görzer Straße 115
81549 München