Helfer helfen Helfern

Landshut, 01. April 2020

Klopapier, Hefe und Atemschutzmasken sind aufgrund der Corona-Pandemie mittlerweile Mangelware. Letztere sind jedoch für die Arbeit des Rettungsdienstes derzeit unerlässlich. Die Helfer und Patienten tragen sie zum Schutz des Gegenübers bei einer möglichen Infektion ohne eigene Symptome, da die Maske beispielsweise Speichel zum großen Teil abhält.

Christina Zollitsch aus Weihenstephan im Landkreis Landshut hatte eine engagierte Idee: „Mein Mann engagiert sich ehrenamtlich im Rettungsdienst bei den Landshuter Johannitern. Natürlich habe ich auch von den Materialengpässen erfahren und dachte mir, so eine große Aktion kann das nicht sein.“ Die Hobbyschneiderin tüftelte zuerst mit stärkeren Papiertischdecken und Nasenbügeln aus gebogenen Büroklammern, bis sie aus Mischgewebe, Gummilitzen und Pfeifenreinigern das perfekte Muster entwickelt hatte. „Die Johanniter, besonders mein Mann, standen mir als Versuchskaninchen zur Verfügung“, so die 49-jährige.

Aus den ersten Nähversuchen im Hobbykeller vor ein paar Tagen ist bereits ein großer Helferkreis gewachsen. „Mittlerweile sind es rund 20 Personen, die sich um das Nähen, Zuschneiden der Stoffe, Pfeifenreiniger und Gummilitzen, sowie um Materialbeschaffung, Logistik und Besorgungsfahrten kümmern.“ So sind nach dem vergangenen Wochenende durch die tapferen Schneiderlein bereits über 700 Masken entstanden – rein ehrenamtlich, versteht sich. Neben Nachbarinnen von Christina Zollitsch sind auch viele Helfer rund um das Ehrenamt der Landshuter Johanniter im Einsatz für den Mund-Nasen-Schutz.

Die Landshuter Johanniterin Stephanie Korb ist eine von ihnen. Seit sie von der Nähaktion erfahren hat, sitzt sie in jeder freien Minute an ihrer Nähmaschine, um aus den Materialpaketen aus Weihenstephan Atemschutzmasken zu fertigen. „Da ich durch die momentane Lage weniger arbeite und auch Veranstaltungen im Ehrenamt leider ausfallen, möchte ich die Zeit trotzdem sinnvoll nutzen um zu helfen“, freut sich die 25-jährige.

Mittlerweile konnte auch sie schon neue Näherinnen und Zuschneiderinnen akquirieren.

Die Ausgangsbeschränkungen stellen für die Näherinnen kein Problem dar – durch Telefonate und WhatsApp Gruppen organisieren sie sich, Material und Masken werden durch Boten transportiert. „Wir versuchen möglichst wenig Kontakt zueinander zu haben, Arbeitsschutz und Hygiene am Arbeitsplatz sind in dieser Situation oberste Prämisse.“

Christina Zollitsch hat extra Anlernpakete mit Anleitung, Mustern und dem zugeschnittenen und vorgezeichneten Material zusammengestellt, um den persönlichen Austausch auf ein Minimum zu begrenzen – viele der ehrenamtlichen Helfer hat sie bisher noch nie gesehen. „Trotz dieses Umstandes bin ich froh und dankbar, was wir bisher schon erreicht haben und was für tolle Kontakte über WhatsApp und Telefon entstanden sind.“ Zuletzt hatte Zollitsch jeden Tag bis zu 14 Stunden in ihrem Hobbykeller verbracht: „Durch die Entlastung der vielen Helfer müssen wir zwar nicht mehr unter Hochdruck arbeiten, aber bis Nachschub an Masken aus der Industrie auf den Markt kommt, machen wir weiter.“

„Wir sind überwältigt von so einer großen Hilfsbereitschaft und möchten uns bei allen fleißigen Näherinnen herzlich bedanken“, so Ortsbeauftragter Marcel Kohler.

Weitere Informationen zum Johanniter-Ortsverband Landshut gibt es bei Ortsbeauftragtem Marcel Kohler unter 0160 51 44 599.