Mehr Selbstbestimmung in der ambulanten Pflege

Berlin, 17. April 2019

v.l.n.r.: Björn Teuteberg (Regionalvorstand), Ingrid Sonntag (Pflegedienstleitung), Anita Karow (Fachbereichsleitung Pflege).

Weniger Zeitdruck, mehr Raum für individuelle Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und mehr Zeit für Zuwendung, sind die wichtigsten Vorteile durch die zeitbezogene Vergütung in der ambulanten Pflege. Entsprechende Vereinbarungen schlossen die Berliner Johanniter mit den Pflegekassen ab. Das neue Vergütungssystem ersetzt seit April 2019 die bisherige Abrechnung nach pauschalen Leistungskomplexen.

„Besonders für die Pflegebedürftigen bedeutet der Systemwechsel bei der Vergütung ambulanter Leistungen eine spürbare Verbesserung“, erklärt Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter. Die Erfahrung in der ambulanten Pflege hat gezeigt, dass sich die Patienten feste Zeitfenster wünschen, mit denen sie besser planen können. Zudem können die Pflegeleistungen nun ohne Zeitdruck erbracht werden. „Das Pflegepersonal kann wesentlich entspannter auch bei unvorhergesehenen Situationen reagieren,“ so Teuteberg, „Viele Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden das als Entschleunigung erleben.“

Bislang wurden die Pflegeleistungen nicht nach Zeit abgerechnet, sondern auf Grundlage fest definierter Arbeitsschritte, die nach einem Punktesystem bewertet wurden. Für das Pflegepersonal blieb dabei oft wenig Handlungsspielraum, um auf persönliche Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Die Zeitabrechnung ermöglicht eine Anpassung an die tatsächliche individuelle Lebenssituation ohne Rücksicht auf festgeschriebene Inhalte der Leistungskomplexe. Dadurch gibt es mehr Zeit für Zuwendung und Kommunikation.

„Gerade in der Pflege stellt jeder Mensch völlig individuelle Anforderungen,“ erläutert Teuteberg, „Durch das neue Vergütungssystem können wir nun wesentlich besser den Bedürfnissen jedes Einzelnen gerecht werden.“ Die Vereinbarung mit den Pflegekassen wurde für den Johanniter Pflegedienst Charlottenburg und den Johanniter Pflegedienst Tempelhof getroffen. Sie gilt zunächst bis zum 31.12.2019.

Nach dem Sozialgesetzbuch haben Pflegebedürftige Anspruch auf Pflegemaßnahmen und Hilfe bei der Haushaltsführung. Ziel ist, die Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten und eine Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Das umfasst auch die Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags, etwa bei psychosozialen Problemen, bei der Strukturierung der Kommunikation oder der Pflege von sozialen Kontakten. Der Umfang der Leistungen hängt vom Pflegegrad ab, der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen ermittelt wird.

Ihr Ansprechpartner Johannes Näumann

Berner Straße 2-3
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