182 Nächte für Obdachlose geöffnet

Berlin, 15. Mai 2020

Hausleiter steht am Empfang und begrüßt jeden Gast

Begrüßte jeden Gast persönlich: Hausleiter Dietrich Heuer in der Johanniter-Notübernachtung
Foto: Johannes Näumann / Die Johanniter

Am Morgen des 1. Mai verabschiedete die Johanniter-Notübernachtung in der Ohlauer Straße 22 zum letzten Mal in dieser Kältehilfe-Saison ihre Gäste. Seit dem 01.11.2019 hatte sie sechs Monate lang Nacht für Nacht Schutz für obdachlose Menschen geboten. Möglich war dies nur durch den Einsatz von über 240 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Die Notübernachtung konnte insgesamt bis zu 100 Gäste aufnehmen, wobei eine komplette Etage mit 34 Schlafplätzen ausschließlich Frauen vorbehalten war. An zwei Abenden pro Woche war die Johanniter-Kälteambulanz mit einem Arzt vor Ort, der eine niedrigschwellige medizinische Grundversorgung für Patienten ohne Krankenversicherung ermöglichte.

Regionalvorstand bedankt sich bei allen Ehrenamtlichen

„Mein Dank gilt vor allem den vielen Ehrenamtlichen, die es uns ermöglicht haben, an insgesamt 182 Nächten den Betrieb unserer Notübernachtung zuverlässig aufrecht zu erhalten,“ erklärt Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter. „Dazu kommen die unzähligen Spender und Foodsharer, durch die unsere Gäste mit warmen Mahlzeiten und dem Nötigsten versorgt werden konnten.“ Die Notübernachtung war ein Beitrag zur Berliner Kältehilfe, die von den großen Wohlfahrtsverbänden getragen wird. Die Berliner Johanniter bekamen dafür einen Teil der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zur Verfügung gestellt.

Rund 9500 Menschen waren zu Gast

Obdachlose Menschen sind besonders im Winter schutzlos der Kälte ausgesetzt, viele von ihnen leiden an Krankheiten oder haben Suchtprobleme. „Wir konnten einen geschützten Raum anbieten,“ erläutert Dietrich Heuer, Hausleiter der Johanniter-Notübernachtung. Die Gäste bekamen ein Bett, eine warme Mahlzeit und konnten duschen. „Mindestens genauso wichtig war aber auch die menschliche Wärme und Zuwendung, für viele Menschen wurde die Ohlauer Straße ein sicherer Hafen“, so Heuer. Die Johanniter zählten rund 9500 Gäste aus 59 Nationen, darunter auch obdachlose Menschen, die ausschließlich zum Essen in die Notübernachtung kamen.

Trotz Corona offen

Die Johanniter-Notübernachtung war eine der wenigen Einrichtungen, die seit Beginn der COVID-19-Pandemie weiterhin öffnen durfte. „In enger Abstimmung mit unserem Regionalarzt, unserem Infektionsschutz-Team und dem örtlichen Gesundheitsamt haben wir sehr schnell reagiert und ein Schutzkonzept umgesetzt,“ so Regionalvorstand Teuteberg. Weder unter den Gästen noch unter den Ehrenamtlichen trat ein Corona-Fall auf.

Kältehilfe existiert seit Jahren

Seit 2011 engagieren sich die Berliner Johanniter während der Kältehilfe-Saison für obdachlose Menschen. In Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde der St.-Thomas-Kirche bieten sie in den Wintermonaten das „Café Krause“ am Bethaniendamm an. Unterstützt wird das Team durch Ehrenamtliche in der Essensausgabe sowie seit 2012/2013 von ehrenamtlichen Ärzten des St.-Gertrauden-Krankenhauses, die eine niedrigschwellige Erstversorgung leisten. Erstmalig konnte in der Kältehilfe-Saison 2018/19 durch Spenden und die Unterstützung der ehrenamtlichen Ärzte vielen Obdachlosen ein kostenloser Grippeimpfschutz angeboten werden. Seit Ende 2018 betreibt der Regionalverband Berlin zudem in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg die Notübernachtung.

Ihr Ansprechpartner Johannes Näumann

Berner Straße 2-3
12205 Berlin