Für Familien da sein – Ein Abend des Kinderhospizdienstes der Berliner Johanniter

Berlin, 28. Februar 2020

JUH Regionalverband Berlin

Was ist Kinderhospizarbeit – und welche konkreten Angebote gibt es? Was bedeutet sie für betreute Familien und für ehrenamtliche Helfer*innen? Zu diesen Fragen veranstalteten die Berliner Johanniter einen informativen und nachdenklichen Abend in ihren Räumen in Charlottenburg. Anlass war der Tag der Kinderhospizarbeit, der jedes Jahr am 10. Februar begangen wird.

Im Mittelpunkt standen die Hilfsangebote für Familien, in denen Kinder, Jugendliche oder ein Elternteil von einer lebensverkürzenden Krankheit betroffen sind. Da diese Arbeit überwiegend von Ehrenamtlichen geleistet wird, richtete sich der Informationsabend vor allem auch an Menschen, die sich im Kinderhospizdienst engagieren möchten. „Wir freuen uns sehr, dass wir durch die Veranstaltung wieder Menschen für die Hospizarbeit interessieren konnten“, so Heike Rohde, hauptamtliche Koordinatorin bei „Coccinella“ dem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Berliner Johanniter. Gegründet wurde „Coccinella“ im Jahr 2016 und steht in der Tradition der Kinderhospizbewegung, die ihren Ursprung im Jahr 1978 in Großbritannien hatte.

Eine schwere Erkrankung eines Kindes oder Jugendlichen, die möglicherweise zu einem frühen Tod führen kann, bedeutet für Familien eine schwere Belastung. Eltern sind über die Belastungsgrenze gefordert, Geschwisterkinder leiden unter der Ausnahmesituation, Lebensplanungen geraten ins Wanken. Hier unterstützen die ehrenamtlichen Helfer*innen von „Coccinella“. „Sie können helfen, aber nicht heilen“, betont Heike Rohde in ihrer Präsentation über den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst.

Jede Situation ist anders, jede Familie einzigartig. Nur sie bestimmt, was an Hilfe notwendig ist und wieviel Zeit sie in Anspruch nehmen möchte. Daher gibt es kein festes Programm oder Schema für die Begleitung. Aber sie folgt klaren Grundsätzen, etwa, dass der Lebensprozess und die aktuellen Bedürfnisse einer Familie immer im Mittelpunkt stehen. Die Arbeit ist geprägt von Akzeptanz und Wertschätzung und geht davon aus, dass jeder Mensch verschieden, individuell und einzigartig ist.

Die Bedürfnisse einer begleiteten Familie ergeben sich häufig aus dem normalen Alltag. „Wir schenken vor allem Zeit,“ erläutert Heike Rohde, „Das kann auch durch die Hausaufgabenbetreuung für die Geschwisterkinder geschehen, damit sich die Mutter mal eine Auszeit gönnen kann.“ Ziel ist es, den Familien in der schwierigen Zeit eine feste Stütze zu sein und Momente der Sicherheit, Geborgenheit und Normalität zu schenken. Grundsätzlich kann eine Begleitung durch die Johanniter ab dem Zeitpunkt der Diagnose beginnen und für die Angehörigen über den Tod hinaus reichen. Der Umfang der Betreuung wird immer in einem Vorgespräch durch die hauptamtlichen Mitarbeiter*innen geklärt. Die Begleiter*innen absolvieren einen intensiven Vorbereitungskurs und erhalten regelmäßig Supervision.

Eine wichtige Aufgabe für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst besteht in der Auseinandersetzung mit dem Thema „Sterben“, das in der Gesellschaft mit vielen Tabus belegt ist. Dass gerade Kinder einen völlig anderen und freien Zugang zu ihrem eigenen Tod haben, zeigte der zweite Teil des Abends, als ehrenamtliche Begleiterinnen aus literarischen Texten über das Sterben von Kindern und die Trauer in Familien vorlasen.

Wer selbst betroffen ist und den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst in Anspruch nehmen, oder wer ehrenamtlich Familien begleiten möchte, wendet sich an Heike Rohde, 030 816901256 oder kinderhospiz.berlin@johanniter.de

Ihr Ansprechpartner Johannes Näumann

Berner Straße 2-3
12205 Berlin