Mehr Zeit in der ambulanten Pflege

Berlin, 29. April 2020

Ein Johanniter Mitarbeiter unterhält sich mit einer älteren Dame

Foto: Die Johanniter

Im April 2019 führte der ambulante Pflegedienst der Berliner Johanniter ein neues Vergütungssystem ein. Seitdem wird nach der Zeit abgerechnet, die für den Patienten aufgewendet wird. Das neue System löste die Pauschalen nach definierten Leistungskomplexen ab. Nach einem Jahr ist klar: die Umstellung hat sich bewährt. Pflegepersonal und Patienten sind zufriedener.

„Für alle Beteiligten hat sich durch den Systemwechsel bei der Vergütung ambulanter Leistungen eine deutliche Verbesserung ergeben,“ erläutert Björn Teuteberg, Regionalvorstand der Berliner Johanniter, „Es besteht nun wesentlich weniger Zeitdruck und mehr Raum, um auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.“ Davon profitieren nicht nur die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen, die Zeitvergütung ist auch ein wichtiger Schritt, um den Pflegeberuf wieder attraktiver zu machen. „Für uns ist es ein sehr positives Signal, dass wir seit Einführung der Zeitvergütung neue Kollegen einstellen konnten und uns gleichzeitig kein einziger Mitarbeiter verlassen hat,“ so Teuteberg.

Bislang wurden die Pflegeleistungen nicht nach Zeit abgerechnet, sondern auf Grundlage fest definierter Arbeitsschritte, die nach einem Punktesystem bewertet wurden. Für das Pflegepersonal blieb dabei oft wenig Handlungsspielraum. Im neuen Vergütungssystem werden Zeiträume festgelegt. „Je nach Befinden können wir flexibel die Wünsche der Patienten berücksichtigen“, erläutert Anita Karow, Fachbereichsleitung Pflege der Berliner Johanniter, „Es gibt Tage, an denen das gemeinsame Anschauen eines Fotoalbums wichtiger ist, als das Duschen.“ Diese Flexibilität ist nun möglich, weil der ambulante Pflegedienst durch die Zeitvergütung nicht mehr an starre Leistungsvorgaben gebunden ist. „Das System ist transparent, verbindlich und den Pflegebedürftigen schnell erklärt,“ so Anita Karow, „Es gibt keine Diskussion mehr über die Unterschiede zwischen den einzelnen Leistungskomplexen.“

Die Erfahrung nach einem Jahr hat gezeigt, dass die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen dies als Entschleunigung erleben - und gleichzeitig die Flexibilität schätzen, die jetzt möglich ist. Die Vereinbarung mit den Pflegekassen wurde für den Johanniter Pflegedienst Charlottenburg und den Johanniter Pflegedienst Tempelhof getroffen und gilt nun bis zum 31.12.2021.

Nach dem Sozialgesetzbuch haben Pflegebedürftige Anspruch auf Pflegemaßnahmen und Hilfe bei der Haushaltsführung. Ziel ist, die Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten und eine Verschlimmerung der Pflegebedürftigkeit zu verhindern. Das umfasst auch die Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags, etwa bei psychosozialen Problemen, bei der Strukturierung der Kommunikation oder der Pflege von sozialen Kontakten. Der Umfang der Leistungen hängt vom Pflegegrad ab, der durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen ermittelt wird.

Die Johanniter

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist eine der größten Hilfsorganisationen Europas. Mit rund 22.000 Beschäftigten, mehr als 37.000 ehrenamtlichen Aktiven sowie etwa 1,3 Millionen Fördermitgliedern leistet sie in der Tradition des evangelischen Johanniterordens ihren Dienst am Menschen. Zu ihren Aufgaben zählen heute unter anderem Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz und Erste-Hilfe-Ausbildung. Hinzu kommen soziale Dienste wie die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die Betreuung und Pflege von älteren und kranken Menschen. International engagieren sich die Johanniter in der humanitären Hilfe, etwa bei Hunger- und Naturkatastrophen.

Ihr Ansprechpartner Johannes Näumann

Berner Straße 2-3
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