Johanniter-Helfer bei Katastrophenalarm in Bad Fallingbostel im Einsatz

Ulrike Fischer - Schwarmstedt, 16. Oktober 2012

Lagebesprechung in der Heidmark-Halle: Lisa Brandt, Katrin Redlich und Lars Brandt

Ein offenes Ohr für Fragen und Nöte hatte Notfallseelsorger Gerhard Latt vom Johanniter Ortsverband Celle.

Es geht wieder nach Hause: Nach fast 24stündigem Aufenthalt in der Halle sind die Menschen erleichtert, wieder in ihre Häuser zurückkehren zu können.

Für Elisabeth Dörntge-Thomsen (l.) und Käthe Hebert war es eine anstrengende Nacht.

Nach Aufhebung des Katastrophenalarms kommen auch die Rettungswagen noch einmal zum Einsatz, um ältere Menschen wieder in ihre Wohnungen zurückzubringen.

Katharina Dröse, Melissa Rode und Lars Brandt begleiten Käthe Hebert sicher aus der Halle.

In einem Johanniter-Fahrzeug geht es zurück nach Hause.

Katastrophenalarm im Heidekreis: Ein Chemieunfall auf dem Gelände der Firma Kraft Foods in Bad Fallingbostel hat am Montag zur Evakuierung von Hunderten Bewohnern und dem bisher größten Einsatz von Rettungskräften im Heidekreis geführt. Als eine der ersten Helfergruppen war die Schnell-Einsatz-Gruppe des Johanniter-Ortsverbandes Aller-Leine am Einsatzort.

 

Auslöser des Unglücks war ein Fehler bei der Befüllung eines Reinigungstanks. In den Behälter, der 14 000 Liter Natronlauge enthielt, wurden versehentlich weitere 10 000 Liter Salpetersäure gefüllt. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Die Lage erwies sich aber als schwierig.

 

Die alarmierte Feuerwehr versuchte, die Chemikalien abzupumpen. Vorsorglich wurde der MANV – Massenanfall von Verletzten – ausgerufen und damit die Bereitschaften aller Hilfsorganisationen des Landkreises mobilisiert. Als Organisatorischer Leiter Rettungsdienst für den Heidekreis eilte auch Johanniter Jörg Papendorf an den Schadensort. Nachdem von einer Gefährdung der Bevölkerung ausgegangen werden musste, wurde gegen 17 Uhr mit der Evakuierung des angrenzenden Wohngebietes begonnen.

 

Zwei Stunden später kam es beim Abpumpen der Lauge in kleinere Behälter zu einem Austritt von gesundheitsschädlichen Nitrosegasen, woraufhin der Landkreis um 19:07 Uhr den Katastrophenfall ausrief. Die Zufahrtsstraßen nach Bad Fallingbostel wurden durch die Polizei abgeriegelt. Die Autobahn A7 wurden zeitweise von der Abfahrt Soltau bis zum Walsroder Dreieck gesperrt. Der Bahnverkehr auf dem Abschnitt Dorfmark-Walsrode kam ebenfalls zum Erliegen.

 

Bis dahin waren schon Hunderte Menschen in die nahegelegene Heidmark-Halle und in die Glaubenshalle im Nachbarort Krelingen gebracht worden. Ein Seniorenwohnheim, das außerhalb des Evakuierungsradius‘ von 500 Metern liegt, wurde vorsorglich auch evakuiert.

 

Mit 28 Helfern und elf Fahrzeugen war die Schnell-Einsatz-Gruppe des Johanniter-Ortsverbandes Aller-Leine unter Leitung von Michael Grunwald,  Zugführer des Rettungszugs Süd, schon am Nachmittag an der Heidmark-Halle eingetroffen und hatte gemeinsam mit Helfern von DRK, THW, DLRG und Feuerwehr einen Rettungsmittelwarteplatz und die Betreuungsstelle in der Halle eingerichtet.

 

Beim Eintreffen der evakuierten Bewohner wurden die Ankommenden zunächst registriert. Nicht alle von ihnen blieben, viele kamen bei Freunden oder Verwandten unter. Aber für rund 370 Menschen, unter ihnen auch Familien mit Kindern, sollte es eine lange Nacht in der Halle werden. Die Helfer in der Heidmark-Halle bauten Betten auf, verteilten Decken, Essen und Getränke, richteten eine Spielecke für die Kinder ein und hatten, wie auch die Notfallseelsorger, ein offenes Ohr für die Fragen besorgter Menschen.

 

Nach zwölfeinhalb Stunden Einsatz wurden die Johanniter in den frühen Morgenstunden durch nachrückende Helfergruppen abgelöst, darunter auch 30 Mitglieder von Schnell-Einsatz-Gruppen aus dem Johanniter-Regionalverband Harburg.

 

An der Einsatzstelle auf dem Kraft-Gelände hatte sich nach einer ruhigen Nacht die Lage am frühen Dienstagmorgen zugespitzt, nachdem die Temperatur im Tank bedrohlich anstieg und die Gefahr einer Explosion bestand. Erst in den Mittagstunden entspannte sich die Situation wieder bis schließlich der Katastrophenalarm um 15:45 Uhr wieder aufgehoben wurde.

 

Die Helfer der SEG waren nach einigen Stunden Schlaf gegen 15:30 Uhr noch einmal an den Einsatzort Heidmark-Halle gerufen worden. Sie brauchten aber nur noch den Rücktransport der Evakuierten organisieren, die sichtlich erleichtert in die Busse stiegen, die sie wieder nach Hause brachten.

 

Bei dem bisher größten Katastrophenschutzeinsatz im Heidekreis waren zeitweise 700 Rettungskräfte im Einsatz, insgesamt halfen über 1000 Helfer aus dem Heidekreis und den angrenzenden Landkreisen, die Lage in dem Katastrophengebiet unter Kontrolle zu haben und zu einem glücklichen Ende zu führen.

 

Michael Grunwald lobte die gute Zusammenarbeit unter den Organisationen: „Solch ein Einsatz ist etwas Außergewöhnliches. Dabei kommt es sehr darauf an, dass alle Kräfte gut zusammenspielen. Das hat hier in ganz herausragender Weise funktioniert.“