„Ich lebe meinen Traum“

Antje Heilmann - Hannover/Wittmund, 20. November 2012

Johanniter Jurij Ils erhält Integrationspreis der Niedersächsischen CDU

Ausgezeichnet: Jurij Ils, Leiter des Sozialen Lernstudios, erhält von Innenmister Uwe Schünemann (rechts) den Integrationspreis „Angekommen“ der Niedersächsischen CDU.

In der einen Hand das Wörterbuch, in der anderen eine geschenkte Zeitschrift – an seine ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache erinnert sich Jurij Ils genau: „In dem Artikel ging es um die Demokratie in Deutschland“, sagt er. „Frei sein im Denken und Handeln, das klang nach einem Märchenland.“ Auch deshalb kam der gebürtige Russe mit der Unterstützung von Freunden nach Wittmund. Umgehend begann er, sich für Kinder und Jugendliche zu engagieren. Für sein vorbildliches Handeln wurde der Leiter des Sozialen Lernstudios der Johanniter in Wittmund nun mit dem Integrationspreis „Angekommen“ der Niedersächsischen CDU ausgezeichnet.

„Menschen wie Sie haben einen großen Anteil am Wohlstand und Fortschritt in Niedersachsen“, betonte Innenminister Uwe Schünemann (CDU), der die Urkunden an alle zehn Preisträger überreichte. „Ich bin froh, dass es Sie gibt.“ Über die mit dem Preis verbundene Anerkennung freut sich Jurij Ils. Als er 1993 aus Russland nach Wittmund kam, wurde er für sein ehrenamtliches Engagement auch belächelt. „Aber mir war klar: Der Schlüssel zu allem ist die Sprache – und die habe ich bei meiner ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gelernt. Sie sind viel unbefangener, haben mich angenommen wie ich bin und mir Wörter nach und nach erklärt.“ Mit einem Lächeln erzählt er von einer seiner ersten Sportstunden in dem von ihm gegründeten Verein „Sport und Multimedia mit Kids“. „Lauft!“, habe ich immer gerufen. Und die Teilnehmer haben einfach weiter langsam ihre Runden gedreht. Bis einer fragte: „Jurij, meinst du, wir sollen rennen?“


Mit der Sprache sei schließlich auch seine erste Anstellung gekommen. „Vorbildlich“, bezeichnet Editha Lorberg, Aussiedlerbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, Lebenswege wie den von Jurij Ils, in denen sich Menschen nicht nur eine neue Existenz aufbauen, sondern sich dabei auch noch für andere einsetzen.

Dass Jurij Ils schließlich seine berufliche und ehrenamtliche Heimat bei den Johannitern fand, nennt er einen „glücklichen Zufall“. In der Zeitung las er 2007 eine Stellenanzeige. „Die Unterstützung für Kinder- und Jugendarbeit ist in diesem Verband beispielhaft“, sagt Jurij Ils. „Hier werden die richtigen Strukturen für sozialpädagogische Arbeit mit den Schwächsten unserer Gesellschaft geschaffen. Dafür bin ich der Ortsverbandsleitung und dem Regionalvorstand dankbar.“

Mehr als 200 Kinder und Jugendliche betreut Jurij Ils derzeit gemeinsam mit seinen Helfern. Es ist ihm wichtig, dass sie nicht nur die Regeln für ein friedliches Miteinander lernen, sondern auch, die Eigenständigkeit und das Potenzial des Einzelnen zu fördern. Längst ist Jurij Ils Johanniter aus Überzeugung: Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Leiter des Sozialen Lernstudios engagiert er sich rund 1500 Stunden jährlich im Ehrenamt, vor allem bei Freizeitaktivitäten in der offenen und schulischen Jugendarbeit.  

Rund die Hälfte von Jurij Ils Schützlingen hat einen Migrationshintergrund. Das Thema Integration ist für ihn allgegenwärtig. Zwei Dinge seien dabei entscheidend: die Sprache und das Verständnis für die Kultur der Gesellschaft, in der man lebt. Beides versucht er den Kindern und Jugendlichen in seinen Projekten zu vermitteln. „Deutschland“, sagt Jurij Ils, „hat mich noch nie enttäuscht. Es ist trotz aller Probleme ein Märchenland – und ich lebe hier meinen Traum.“