System erkennt Notsituationen am Schall

Heilmann/Greiber - Hannover/Berne, 24. November 2012

Niedersächsischer Gesundheitspreis für Kooperationsprojekt der Johanniter

Freuen sich über den Niedersächsischen Gesundheitspreis, den Sozialministerin Aygül Özkan (Zweite von links) überreichte: Thorsten Müller, Fachbereichsleiter Soziale Dienste der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, (Vierter von rechts) und die Kooperationspartner.

Wimmern, Husten, Stürze: Ein neues Notrufsystem analysiert akustische Ereignisse wie diese, erkennt zuverlässig Notsituationen und alarmiert dann Pflegepersonal oder Rettungsdienst. Die Entwickler des innovativen Projekts mit dem Namen „SonicSentinel“ wurden nun in der Kategorie „eHealth – Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben im Alter“ mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis ausgezeichnet. An dem Projekt beteiligt war auch der Ortsverband Stedingen der Johanniter-Unfall-Hilfe.

„Innovative Gesundheitsideen wie SonicSentinel kommen den Patientinnen und Patienten zugute“, sagte Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan, die den mit 5000 Euro dotierten Preis überreichte. Sie betonte, wie wichtig die Weiterentwicklung von erprobten Konzepten sei – wie etwa dem Johanniter-Hausnotruf, der SonicSentinel zugrunde liegt. „Das neue auf Schall reagierende Notrufsystem wurde mit Blick auf die Situation in der stationären und häuslichen Pflege entwickelt“, sagt Thorsten Müller, Fachbereichsleiter Soziale Dienste der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen. „Als Johanniter verfügen wir in diesem Bereich über sehr viel praktische Erfahrung, die wir gern in das Kooperationsprojekt eingebracht haben.“

Vor allem ältere und behinderte Menschen mit Einschränkungen wie Demenz oder Lähmungen profitieren davon, dass sie nicht mehr selbst den Notrufknopf drücken müssen. „Für SonicSentinel werden Mikrofone im Raum verbaut, so dass die Patienten keine Sensoren am Körper tragen müssen. Dadurch ist die Technologie in der Praxis verlässlicher und wird von den Nutzern gerne angenommen“, erklärt Stefan Goetze vom Fraunhofer-Institut. Um die Privatsphäre der Patienten zu gewährleisten, filtert das System nur die informationsrelevanten Signalanteile des Schalls heraus. Bei der technischen Umsetzung waren die Fraunhofer-Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie aus Oldenburg und der Tarmstedter Lichtrufhersteller Ilper-Elektronik GmbH federführend.

In Zukunft soll SonicSentinel mit einer Grundausstattung für die stationäre Pflege am Markt erhältlich sein. Je nach Anwendungsgebiet kann die akustische Erkennungsleistung erweitert werden, etwa für die akustische Überwachung von Säuglingsstationen oder für den Einsatz in der Psychiatrie. Die Technologie lässt sich herstellerunabhängig in bestehende Lichtrufsysteme einbinden.

Nach dem erfolgreichen Verlauf von SonicSentinel wollen die Kooperationspartner das intelligente Notrufsystem weiterentwickeln. „Die neue Technik soll für jedermann nutzbar werden“, sagt Alexander Jüptner, Dienststellenleiter der Stedinger Johanniter. Am Dienstsitz des Ortsverbandes in Berne-Bardenfleth befindet sich die Hausnotruf-Zentrale des Landesverbandes Niedersachsen/Bremen. Dort sollen eines Tages auch die durch Schallanalysen ausgelösten Notrufe auflaufen. „Wir denken dabei insbesondere an pflegebedürftige Menschen, die zu Hause betreut und gepflegt werden.“ Doch noch ist das Zukunftsmusik.