Trau dich! Erste-Hilfe-Serie der Johanniter einfach erklärt

Hannover, 17. Oktober 2019

Ob Unfall oder akute Erkrankung: Erste-Hilfe-Maßnahmen können im Ernstfall Leben retten. Die ersten Minuten sind entscheidend. Doch sehr viele Menschen sind darauf nicht adäquat vorbereitet oder haben Angst, etwas falsch zu machen.

Die sechsteilige Presseserie „Trau dich! Erste-Hilfe-Maßnahmen einfach erklärt“ liefert wichtige Praxistipps zu lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Zudem stehen dazu auf dem YouTube-Kanal der Johanniter neue Erklär-Videos zur Verfügung: www.youtube.com/Johanniter2010.

Teil 1 - Stabile Seitenlage

Wann ist die stabile Seitenlage anzuwenden?
Die stabile Seitenlage ist die erste Maßnahme, die bei einer nicht erweckbaren, selbständig atmenden Person durchzuführen ist. In der Bewusstlosigkeit erschlafft die Muskulatur und es gehen Schutzreflexe verloren. „Die stabile Seitenlage bietet dann Schutz vor dem Ersticken: Die schlaffe Zunge kann in dieser Position die Atemwege nicht blockieren; Flüssigkeiten oder Fremdkörper geraten nicht so schnell in die Luftröhre”, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie in Niedersachsen und Bremen. „Häufig kommt die betroffene Person in der stabilen Seitenlage schnell wieder zu sich. Falls nicht, ist die Atmung engmaschig zu kontrollieren.“ Ursachen für plötzlich eintretende Bewusstlosigkeit gibt es viele – ob durch einen Unfall, Verletzungen oder Kreislaufprobleme.

Stabile Seitenlage – Schritt für Schritt

  • Die bewusstlose, aber atmende Person liegt auf dem Rücken, die Beine sind ausgestreckt. Knien Sie sich seitlich neben den Bewusstlosen.
  • Legen Sie den nahen Arm rechtwinklig zum Körper. Den anderen Arm über dem Brustkorb positionieren, die Hand an die nahe Wange des Betroffenen legen und dort halten.
  • Jetzt das ferne Bein anwinkeln und an diesem den Betroffenen zu Ihnen auf die Seite rollen.
  • Richten Sie die Hand des Betroffenen unter der Wange so aus, dass der Hals überstreckt und der Mund geöffnet bleibt.
  • Anschließend regelmäßig Atmung und Bewusstsein kontrollieren und den Notruf unter 112 wählen.

Wann sollte die stabile Seitenlage nicht angewendet werden?
Ist der Betroffene bewusstlos und atmet nicht, muss sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Erste Hilfe-Maßnahmen trainieren
„Die stabile Seitenlage kann jeder durchführen. Doch damit jeder Handgriff sitzt, muss sie in der Praxis trainiert werden”, betont Kersten Enke. „Wir empfehlen, alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen.“ Infos und Buchung zu einem Erste-Hilfe-Kurs bei den Johannitern gibt es unter http://wir-muessen-reden.johanniter.de.

Ein kurzes Erklär-Video über die stabile Seitenlage gibt es auf dem YouTube-Kanal der Johanniter: www.youtube.com/Johanniter2010.

Die stabile Seitenlage ist die erste Maßnahme, die bei einer nicht erweckbaren, selbständig atmenden Person durchzuführen ist. In der Bewusstlosigkeit erschlafft die Muskulatur und es gehen Schutzreflexe verloren. (Foto: Nikolaus Brade)

Teil 2 - Herz-Lungen-Wiederbelebung

Reanimation rettet Leben
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung gehört zu den wichtigsten lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Viele Menschen haben jedoch Angst, sie nicht korrekt durchzuführen. Dabei gibt es einfache Regeln. Die Experten der Johanniter-Unfall-Hilfe erklären, worauf es ankommt und beantworten die wichtigsten Fragen zur Reanimation.

Wann ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung notwendig?
„Wenn eine bewusstlose Person nicht atmet, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden“, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. „Bitte nicht erst nach dem Puls suchen. Den Herzschlag bei einer bewusstlosen Person zu beurteilen, ist auch für geübte Helfer nicht leicht und kostet wertvolle Zeit.“

Was ist vor der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu tun?

  • Sichtbare Fremdkörper aus dem Mundraum entfernen. Ursache für einen Atemstillstand kann auch die Blockade der Atemwege durch die Zunge, eine Zahnprothese oder Erbrochenes sein.
  • Atmung kontrollieren – dafür Kopf überstrecken: Eine Hand an die Stirn legen und mit der anderen den Unterkiefer fassen. Den Kopf vorsichtig nach hinten beugen, gleichzeitig den Unterkiefer nach oben ziehen. Diese Haltung hebt die erschlaffte Zunge an. So kann auch eine mögliche Atmung festgestellt werden.
  • Verständigen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder bitten Sie eine andere Person darum.

Herz-Lungen-Wiederbelebung – Schritt für Schritt

  • Die bewusstlose Person liegt mit dem Rücken auf einem festen Untergrund.
  • Knien Sie seitlich daneben und machen Sie den Oberkörper frei.
  • Herzdruckmassage: Eine Hand mit dem Ballen auf die Mitte der Brust legen; die zweite darauflegen. Arme durchstrecken, dann schnell und tief senkrecht von oben drücken – knapp zwei Mal pro Sekunde und etwa fünf Zentimeter tief. Auf 30 Kompressionen folgen zwei Beatmungen.
  • Beatmung: Kopf überstrecken, Nase zuhalten. Normal einatmen und mit den Lippen den Mund des Betroffenen umschließen. Gleichmäßig etwa eine Sekunde lang beatmen. Nach dem Zurücksinken des Brustkorbes die zweite Beatmung durchführen. Kopf währenddessen weiter überstrecken.

Herzdruckmassage hilft auch ohne Beatmung
Wer sich die Beatmung nicht zutraut, sollte aber unbedingt die Herzdruckmassage durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Bei einem plötzlichen Herzstillstand eines Erwachsenen ist meist noch für einige Minuten ausreichend Sauerstoff im Blut. Steht das Herz still, gelangt dieser jedoch nicht zum Gehirn”, erläutert Enke. „Deshalb sollte die Brustkorbkompression unbedingt durchgeführt werden, auch wenn man keine Beatmung machen kann oder möchte.”

Wird die Herzdruckmassage im Fall eines Herzstillstands sofort angewandt, kann der Kreislauf wieder in Gang gebracht werden. Dabei zählt jede Sekunde: Je früher mit der Herzdruckmassage begonnen wird, desto besser können Folgeschäden vermieden werden.

„Wenn eine bewusstlose Person nicht atmet, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden“, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. (Foto: Frank Schemann)

Neu, interaktiv und flexibel: das Johanniter-Kurskonzept „Fit in Erster Hilfe“
Mit dem neuen Kurskonzept „Fit in Erster Hilfe“ werden künftig Übungssituationen im Erste-Hilfe-Training noch praxisnäher und zeitgemäßer. Es geht lebendig, interaktiv, abwechslungsreich und mit viel Eigeninitiative der Teilnehmenden zu: Szenarien werden digital simuliert und visuell dargestellt. Im Zusammenspiel mit vielen praktischen Übungen sollen die Teilnehmenden sicher in der Anwendung der Ersten Hilfe werden, um später, während eines richtigen Notfalls, routiniert handeln zu können. Mehr Informationen rund um Erste Hilfe und unser Kursangebot finden Sie unter: http://wir-muessen-reden.johanniter.de.


Foto: Die Johanniter/Anette Thanheiser

Erste Hilfe bei den Johannitern

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist einer der größten Anbieter von Erste-Hilfe-Kursen in Deutschland. Im Jahr 2018 haben 425.000 Menschen bei den Johannitern gelernt, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen, davon mehr als 14.600 Kinder und Jugendliche in Schulen. Mit unseren Kursen wie Outdoor-Erste-Hilfe, Erste Hilfe am Kind und Individualangeboten gehen wir auch auf spezielle Zielgruppen ein.

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