Trau dich! Erste-Hilfe-Serie der Johanniter einfach erklärt

Hannover, 27. November 2019

Ob Unfall oder akute Erkrankung: Erste-Hilfe-Maßnahmen können im Ernstfall Leben retten. Die ersten Minuten sind entscheidend. Doch sehr viele Menschen sind darauf nicht adäquat vorbereitet oder haben Angst, etwas falsch zu machen.

Die sechsteilige Presseserie „Trau dich! Erste-Hilfe-Maßnahmen einfach erklärt“ liefert wichtige Praxistipps zu lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Zudem stehen dazu auf dem YouTube-Kanal der Johanniter neue Erklär-Videos zur Verfügung: www.youtube.com/Johanniter2010.

Teil 1 - Stabile Seitenlage

Wann ist die stabile Seitenlage anzuwenden?
Die stabile Seitenlage ist die erste Maßnahme, die bei einer nicht erweckbaren, selbständig atmenden Person durchzuführen ist. In der Bewusstlosigkeit erschlafft die Muskulatur und es gehen Schutzreflexe verloren. „Die stabile Seitenlage bietet dann Schutz vor dem Ersticken: Die schlaffe Zunge kann in dieser Position die Atemwege nicht blockieren; Flüssigkeiten oder Fremdkörper geraten nicht so schnell in die Luftröhre”, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie in Niedersachsen und Bremen. „Häufig kommt die betroffene Person in der stabilen Seitenlage schnell wieder zu sich. Falls nicht, ist die Atmung engmaschig zu kontrollieren.“ Ursachen für plötzlich eintretende Bewusstlosigkeit gibt es viele – ob durch einen Unfall, Verletzungen oder Kreislaufprobleme.

Stabile Seitenlage – Schritt für Schritt

  • Die bewusstlose, aber atmende Person liegt auf dem Rücken, die Beine sind ausgestreckt. Knien Sie sich seitlich neben den Bewusstlosen.
  • Legen Sie den nahen Arm rechtwinklig zum Körper. Den anderen Arm über dem Brustkorb positionieren, die Hand an die nahe Wange des Betroffenen legen und dort halten.
  • Jetzt das ferne Bein anwinkeln und an diesem den Betroffenen zu Ihnen auf die Seite rollen.
  • Richten Sie die Hand des Betroffenen unter der Wange so aus, dass der Hals überstreckt und der Mund geöffnet bleibt.
  • Anschließend regelmäßig Atmung und Bewusstsein kontrollieren und den Notruf unter 112 wählen.

Wann sollte die stabile Seitenlage nicht angewendet werden?
Ist der Betroffene bewusstlos und atmet nicht, muss sofort mit der Wiederbelebung begonnen werden.

Erste Hilfe-Maßnahmen trainieren
„Die stabile Seitenlage kann jeder durchführen. Doch damit jeder Handgriff sitzt, muss sie in der Praxis trainiert werden”, betont Kersten Enke. „Wir empfehlen, alle zwei Jahre einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen.“ Infos und Buchung zu einem Erste-Hilfe-Kurs bei den Johannitern gibt es unter http://wir-muessen-reden.johanniter.de.

Ein kurzes Erklär-Video über die stabile Seitenlage gibt es auf dem YouTube-Kanal der Johanniter: www.youtube.com/Johanniter2010.

Die stabile Seitenlage ist die erste Maßnahme, die bei einer nicht erweckbaren, selbständig atmenden Person durchzuführen ist. In der Bewusstlosigkeit erschlafft die Muskulatur und es gehen Schutzreflexe verloren. (Foto: Nikolaus Brade)

Teil 2 - Herz-Lungen-Wiederbelebung

Reanimation rettet Leben
Die Herz-Lungen-Wiederbelebung gehört zu den wichtigsten lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Viele Menschen haben jedoch Angst, sie nicht korrekt durchzuführen. Dabei gibt es einfache Regeln. Die Experten der Johanniter-Unfall-Hilfe erklären, worauf es ankommt und beantworten die wichtigsten Fragen zur Reanimation.

Wann ist eine Herz-Lungen-Wiederbelebung notwendig?
„Wenn eine bewusstlose Person nicht atmet, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden“, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. „Bitte nicht erst nach dem Puls suchen. Den Herzschlag bei einer bewusstlosen Person zu beurteilen, ist auch für geübte Helfer nicht leicht und kostet wertvolle Zeit.“

Was ist vor der Herz-Lungen-Wiederbelebung zu tun?

  • Sichtbare Fremdkörper aus dem Mundraum entfernen. Ursache für einen Atemstillstand kann auch die Blockade der Atemwege durch die Zunge, eine Zahnprothese oder Erbrochenes sein.
  • Atmung kontrollieren – dafür Kopf überstrecken: Eine Hand an die Stirn legen und mit der anderen den Unterkiefer fassen. Den Kopf vorsichtig nach hinten beugen, gleichzeitig den Unterkiefer nach oben ziehen. Diese Haltung hebt die erschlaffte Zunge an. So kann auch eine mögliche Atmung festgestellt werden.
  • Verständigen Sie den Rettungsdienst unter 112 oder bitten Sie eine andere Person darum.

Herz-Lungen-Wiederbelebung – Schritt für Schritt

  • Die bewusstlose Person liegt mit dem Rücken auf einem festen Untergrund.
  • Knien Sie seitlich daneben und machen Sie den Oberkörper frei.
  • Herzdruckmassage: Eine Hand mit dem Ballen auf die Mitte der Brust legen; die zweite darauflegen. Arme durchstrecken, dann schnell und tief senkrecht von oben drücken – knapp zwei Mal pro Sekunde und etwa fünf Zentimeter tief. Auf 30 Kompressionen folgen zwei Beatmungen.
  • Beatmung: Kopf überstrecken, Nase zuhalten. Normal einatmen und mit den Lippen den Mund des Betroffenen umschließen. Gleichmäßig etwa eine Sekunde lang beatmen. Nach dem Zurücksinken des Brustkorbes die zweite Beatmung durchführen. Kopf währenddessen weiter überstrecken.

Herzdruckmassage hilft auch ohne Beatmung
Wer sich die Beatmung nicht zutraut, sollte aber unbedingt die Herzdruckmassage durchführen, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Bei einem plötzlichen Herzstillstand eines Erwachsenen ist meist noch für einige Minuten ausreichend Sauerstoff im Blut. Steht das Herz still, gelangt dieser jedoch nicht zum Gehirn”, erläutert Enke. „Deshalb sollte die Brustkorbkompression unbedingt durchgeführt werden, auch wenn man keine Beatmung machen kann oder möchte.”

Wird die Herzdruckmassage im Fall eines Herzstillstands sofort angewandt, kann der Kreislauf wieder in Gang gebracht werden. Dabei zählt jede Sekunde: Je früher mit der Herzdruckmassage begonnen wird, desto besser können Folgeschäden vermieden werden.

„Wenn eine bewusstlose Person nicht atmet, muss sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden“, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. (Foto: Frank Schemann)

Teil 3 - Defibrillator

Ein Defibrillator kann Leben retten: Im Fall von Kammerflimmern bringen die Stromimpulse im besten Fall das Herz wieder in den richtigen Takt. An immer mehr öffentlichen Orten sind Automatisierte Externe Defibrillatoren (AED) für jedermann zugänglich angebracht. Vielen Menschen ist das jedoch nicht bekannt – und selbst wenn, ist die Hemmschwelle zur Benutzung hoch. Dabei wurde die Bedienung der Geräte so einfach wie möglich konzipiert. Die Johanniter liefern die wichtigsten Fakten.

Helfer können nichts falsch machen

Die meisten Menschen haben dramatische Szenen aus Fernsehserien vor Augen, wenn sie an die rettenden Elektroschocks denken und scheuen davor zurück, selbst Hand anzulegen. Doch der Einsatz ist völlig unbedenklich: Automatisierte Externe Defibrillatoren funktionieren quasi selbsterklärend. „Ein AED ist kein Elektroschocker, sondern ein Analyseinstrument, das die Herzaktivität misst“, erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. „Nur, wenn der AED einen Stromimpuls empfiehlt, kann der Nutzer ihn auslösen.“

Ein Defibrillator im Einsatz – Schritt für Schritt

  • Defibrillator einschalten und Anweisungen beachten – per Sprachausgabe oder am Monitor.
  • Oberkörper der betroffenen Person freimachen und die beiden Elektroden, wie abgebildet, anbringen.
  • Analyse abwarten; währenddessen die betroffene Person nicht berühren.
  • Erst nach der Ansage des Gerätes die Herz-Lungen-Wiederbelebung fortführen.
  • Nach zwei Minuten prüft das Gerät erneut die Herzaktivität und gibt weitere Anweisungen.

Jede Minute zählt

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute: Nur bei rechtzeitigem Einsatz kann ein Defibrillator dem Herz wieder auf die Sprünge helfen. Seit einigen Jahren werden Automatisierte Externe Defibrillatoren im öffentlichen Raum angebracht, damit die lebensrettenden Stromimpulse möglichst schnell verabreicht werden können – noch vor Eintreffen der Rettungskräfte. „Die wichtigste Maßnahme bei Herz-Kreislaufversagen ist jedoch die Herz-Lungen-Wiederbelebung“, betont Enke. „Damit ist bei ausbleibender Atmung unverzüglich anzufangen. Ist eine weitere Hilfsperson vor Ort, empfiehlt sich der Einsatz eines Defibrillators – während die Herzdruckmassage vor und nach dem Stromstoß ohne Pause fortgeführt wird.“

Teil 4 - Rautek-Rettungsgriff

Wann ist der Rautek-Rettungsgriff anzuwenden?

Befindet sich eine verletzte Person in einem Gefahrenbereich, aus dem sie sich nicht selbständig wegbewegen kann, sollte man sie zur weiteren Versorgung an einen sicheren Platz bringen. Eine klassische Situation ist ein Autounfall mit verletzten oder bewusstlosen Personen, die nicht mehr selbstständig aus dem Fahrzeug aussteigen können.

So funktioniert die Rettung aus dem Auto

  • Vorsicht, der Airbag kann verzögert auslösen. Deshalb den Raum zwischen Lenkrad und Fahrer möglichst meiden.
  • Motor ausschalten und Handbremse anziehen. Gegebenenfalls eingeklemmte Beine befreien. Sicherheitsgurt lösen oder mit einem Gurtmesser durchtrennen.
  • Drehen Sie die Person mit dem Rücken zu sich. Dazu mit einer Hand am Rücken vorbei die ferne Hüftseite greifen und ziehen. Mit der anderen Hand das nahe Knie wegdrücken.
  • Unter beiden Achseln hindurchgreifen und einen möglichst unverletzten Arm mit beiden Händen fassen. Die Daumen liegen dabei parallel zu den anderen Fingern; den Arm nicht umgreifen.
  • Etwas in die Knie gehen und den Betroffenen möglichst waagerecht auf die eigenen Oberschenkel ziehen.
  • Wenn ein zweiter Helfer vor Ort ist, nimmt dieser die Beine des Betroffenen.
  • Die Person an eine sichere Stelle ziehen und auf einem flachen Untergrund ablegen, wenn möglich auf einer Rettungsdecke.

Die richtige Reihenfolge am Unfallort: schützen – melden – helfen

Die ersten Minuten am Unfallort sind entscheidend für das Überleben der verletzten Personen. Daher ist es wichtig, zu handeln. Wer als Ersthelfer zu einem Unfall kommt, muss sich zunächst einen Überblick verschaffen, professionelle Hilfe rufen und sich dann um die Betroffenen kümmern.

  • Schützen – Unfallstelle absichern: In sicherem Abstand zur Unfallstelle anhalten, Warnblinkanlage anschalten, Warnweste noch im KFZ anziehen. Warndreieck aufstellen und Verbandkasten mitnehmen.
  • Melden – Notruf absetzen, europaweit über 112.
  • Helfen – Verletzte aus dem Gefahrenbereich bringen. Zustand der Betroffenen feststellen. Bei Bewusstlosigkeit: stabile Seitenlage. Bei Atemstillstand: Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Teil 5 - Wundversorgung

Offene Verletzungen am Körper können gefährlich werden, wenn sie nicht richtig versorgt werden. Die Gefahr einer Infektion besteht auch bei kleineren Schnitt- oder Schürfwunden. Die Experten der Johanniter-Unfall-Hilfe erklären, was zu tun ist.

Kleinere Verletzungen richtig behandeln

"Wunden sollten nach Möglichkeit steril abgedeckt werden, um die Infektionsgefahr zu minimieren", erklärt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen. „Grundsätzlich gilt: Die Wunde nicht berühren, keine Salben oder Puder verwenden. Verschmutzte Bagatellverletzungen, die nicht ärztlich versorgt werden, sollten vorsichtig mit lauwarmen Leitungswasser gereinigt werden.“ Treten im weiteren Verlauf Veränderungen an der Wunde auf, die auf eine Infektion hindeuten, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen. "Und: Prüfen Sie Ihren Impfstatus – auch bei harmlos erscheinenden Schürfwunden besteht die Gefahr einer Tetanusinfektion!"

Starke Blutungen schnell stoppen

Tritt eine starke Blutung auf, handelt es sich um einen Notfall. "Starker Blutverlust kann schnell lebensbedrohlich werden. Am wichtigsten ist es, Ruhe zu bewahren und besonnen zu handeln", betont Kersten Enke. Das ist zu tun:

  • Die verletzte Person nach Möglichkeit hinlegen.
  • Blutung per Druckverband stoppen: Keimfreie Wundauflage fest auf die Wunde drücken. Ein Druckpolster, zum Beispiel ein ungeöffnetes Verbandpäckchen, auflegen und mit einem Verband oder Dreiecktuch befestigen.
  • Ist es nicht möglich, einen Druckverband anzulegen, direkt mit der Wundauflage auf die Wunde drücken.
  • Den Betroffenen bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes gut betreuen: Eigenwärme erhalten sowie Atmung und Bewusstsein prüfen.

Allgemeine Regeln zum Umgang mit Wunden

  • Zum eigenen Schutz Einmalhandschuhe anziehen.
  • Niemals in die Wunde fassen.
  • Größere Wunden nicht auswaschen – nur bei Verätzungen mit Säuren oder Laugen.
  • Fremdkörper nicht entfernen – eine Ausnahme sind sehr kleine Fremdkörper wie Steinchen, Stacheln oder Dornen.
  • Wunde nicht desinfizieren.

Neu, interaktiv und flexibel: das Johanniter-Kurskonzept „Fit in Erster Hilfe“
Mit dem neuen Kurskonzept „Fit in Erster Hilfe“ werden künftig Übungssituationen im Erste-Hilfe-Training noch praxisnäher und zeitgemäßer. Es geht lebendig, interaktiv, abwechslungsreich und mit viel Eigeninitiative der Teilnehmenden zu: Szenarien werden digital simuliert und visuell dargestellt. Im Zusammenspiel mit vielen praktischen Übungen sollen die Teilnehmenden sicher in der Anwendung der Ersten Hilfe werden, um später, während eines richtigen Notfalls, routiniert handeln zu können. Mehr Informationen rund um Erste Hilfe und unser Kursangebot finden Sie unter: http://wir-muessen-reden.johanniter.de.


Foto: Die Johanniter/Anette Thanheiser

Erste Hilfe bei den Johannitern

Die Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. ist einer der größten Anbieter von Erste-Hilfe-Kursen in Deutschland. Im Jahr 2018 haben 425.000 Menschen bei den Johannitern gelernt, anderen Menschen in Notsituationen zu helfen, davon mehr als 14.600 Kinder und Jugendliche in Schulen. Mit unseren Kursen wie Outdoor-Erste-Hilfe, Erste Hilfe am Kind und Individualangeboten gehen wir auch auf spezielle Zielgruppen ein.

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