Zum Tag der Pflege am 12. Mai: „Zufriedenheit sieht anders aus!“

Hannover, 09. Mai 2019

Johanniter positionieren sich zur Einigung in den Vergütungsverhandlungen der ambulanten Pflege

Foto: Martin Bühler

Der Fachkräftemangel in der Pflege hinterlässt bereits sichtbare Spuren. Viele ambulante Pflegedienste nehmen kaum noch oder gar keine neuen Patienten mehr auf, einigen droht die Schließung.

Die Pflegekassen und Pflegeanbieter einigten sich auf eine höhere Vergütung in der ambulanten Pflege. Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai beziehen die Johanniter als sozialer Dienstleister Stellung zu den Vergütungsverhandlungen.

„Zufriedenheit sieht anders aus“, sagt Angela Weick, Fachbereichsleiterin Pflege im Landesverband der Johanniter in Niedersachsen/Bremen. Auch wenn die jetzige Einigung grundsätzlich als ein Schritt in die richtige Richtung betrachtet werden könne, sei das Ganze jedoch nur als minimalistisch einzuordnen.

Die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann bezeichnete die Einigung in den Verhandlungen zur ambulanten Pflege als einen ersten Erfolg auf dem Weg zu einer gerechten Bezahlung: Besonders positiv bewertete sie das Bekenntnis der Pflegekassen, die Tarifbindung von Pflegeanbietern anzuerkennen und Tariflöhne voll zu refinanzieren, Anfahrtszeiten würden demnach besser vergütet. Der im Vorfeld angedrohte Rückzug der Diakonie und anderer Pflegedienstleister aus der ambulanten Pflege sei damit abgewendet. 

Reimann hatte sich im Vorfeld für eine solche Einigung in Niedersachsen aktiv eingesetzt und dabei auch den Fokus auf die viel zu geringen Wegepauschalen gerichtet. Mit diesen wird die Anfahrt zu den Pflegebedürftigen vergütet. Insbesondere bei der Versorgung des ländlichen Raums mit seinen langen Fahrtstrecken sind die bisherigen Sätze in keiner Weise kostendeckend. Vereinbart ist nun eine Anhebung der Wegepauschalen.

Die Erhöhungen bei den Wegepauschalen beträfen jedoch laut Weick nur die Fahrtstrecken am Tage. Die abendlichen nach 20 Uhr seien weiterhin eingefroren. Auch die Zuschläge, die für Wochenenden und Feiertage nach Tarif gezahlt werden müssen, würden weiterhin ausgenommen. „Die Anpassungen entsprechen bei weitem nicht den realen Bedingungen und fangen erst recht nicht die Tariferhöhungen auf. Unsere immensen Aufwendungen in der zuschlagpflichtigen Wochenend- und Feiertagsarbeit werden überhaupt nicht berücksichtigt und hier sprechen wir von 25 Prozent zum normalen Tagestarif“, betont Weick.

Angesichts von aktuellen Schließungen bzw. partiellen Kündigungen bei Pflegediensten (Kunden und Mitarbeitern), die tariflich zahlen, werde deutlich, dass die vereinbarten Erhöhungen noch nicht ausreichen. In der AVR DWBO (Arbeitsvertragsrichtlinien des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Anlage Johanniter) gab es zum 1. Januar 2019 eine Steigerung der Tariflöhne von 3,5 Prozent, dazu muss der Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung nun komplett von den Arbeitgebern getragen werden. Eine Kostendeckung ist damit nur bedingt zu erreichen.

Diese erste Einigung könne deswegen nur den Beginn einer neuen Verhandlungsphase einläuten. „Es geht ums Überleben der Pflegedienste“, hebt Weick hervor. „Dessen müssen wir uns bewusst sein!“

Pflege auf den Punkt gebracht
Die Wenigsten wissen, welche Leistungen ihnen selbst oder ihren Angehörigen konkret zustehen und wo sie die passende Hilfe finden. Um diese Lücke zu schließen, haben die Johanniter einen Ratgeber erstellt, der alle dringenden Fragen rund um die Pflege zu Hause beantwortet: der „Johanniter-Pflegelotse – ein Wegweiser zur ambulanten Pflege“. Unter unserer Servicenummer 0800 0019214 stehen für weiterführende Fragen die Pflegeexperten der Johanniter in Niedersachsen und Bremen auch gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung. Eine PDF-Version des Johanniter-Pflegelotsen kann im Internet unter www.johanniter.de/pflegelotse heruntergeladen werden.

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