Erste-Hilfe-Kurse werden attraktiver

Hannover, 21. Juni 2017

Frank Schemmann/Johanniter

Betriebshelfer und Führerscheinanwärter erlernen die Inhalte vom 1. April 2015 an in neun statt 16 Unterrichtseinheiten. Auch bei Fortgeschrittenen dauert der Kurs dann neun statt bisher acht Unterrichtsstunden. Im neuen Johanniter-Konzept "Erste-Hilfe kompakt" bedeutet die Neuausrichtung: mehr Praxis und weniger Theorie. Teilnehmende trainieren die richtigen Handlungen in verschiedenen Notfallsituationen.

Voraussetzung für die Kürzung ist, dass viele Erste-Hilfe-Maßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung im Laufe der Jahre vereinfacht wurden. Wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass Menschen nachhaltiger Erste Hilfe lernen, wenn sich die Kurse auf die Vermittlung wesentlicher Inhalte beschränken. Erhalten bleiben auf jeden Fall die Wiederbelebung und die Wundversorgung. In der Praxis sieht das beispielsweise so aus: Der Ausbilder erklärt und zeigt, wie die stabile Seitenlage richtig ausgeführt wird. Anschließend trainieren die Teilnehmer in kleinen Gruppen die Anwendung - wobei sich die Bedingungen ändern können. Mal liegt die Person bereits auf dem Rücken, ein anderes Mal muss sie erst in die Position gelegt werden. Die Teilnehmenden wechseln in der Übungsphase die Rollen als Helfer oder Verletzter, sodass ein Perspektivwechsel möglich ist. Innerhalb der Übungsgruppe wird eine Lösung erarbeitet.

"Wenn man etwas übt und anwendet, bleibt es viel länger im Gedächtnis als graue Theorie. Das Training gibt Handlungsfreiheit für den Ernstfall", sagt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie Bildungsinstitut Hannover. "Wir hoffen, dass dadurch noch mehr Menschen den Weg in Erste-Hilfe-Ausbildungen finden. Helfen ist wichtig und rettet Leben - das sollte jeder wissen."

Durch den intensiven Austausch in der kleinen Gruppe prägt sich die Handlungsabfolge sehr gut ein. Kooperatives Lernen heißt diese zeitgemäße pädagogische Methode, die innerhalb des Johanniter-Bildungssystems auch in anderen Bildungsbereichen gebräuchlich ist. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen mit dieser Lehrmethode sind deshalb die rund 300 Ausbilderinnen und Ausbilder im Landesverband Niedersachsen/Bremen didaktisch weitergebildet worden - symbolisch fürs "Auf den Weg machen" hat jeder Ausbilder mit der Schulung auch einen Rucksack erhalten, in dem sich das neue Unterrichtsmaterial befindet. In Niedersachsen und Bremen haben die Johanniter im vergangenen Jahr rund 55 000 Menschen in 4 500 Erste-Hilfe-Kursen ausgebildet.

Mehr Informationen zum neuen Johanniter-Konzept „Erste Hilfe Kompakt“ erhalten Sie unter www.johanniter.de/erste-hilfe-kompakt.

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