Spürnasen auf dem Prüfstand

Hannover/Neustadt, 23. Februar 2019

Sie heißen Betty, Bella, Cooper und Dups, sind ausgebildete Spürnasen auf vier Pfoten und kamen an diesem Wochenende aus ganz Deutschland zur Zentralen Rettungshundeprüfung nach Hannover. 36 ehrenamtliche Mensch-Hund-Teams aus

22 Rettungshundestaffeln von Sylt bis Rosenheim traten am Sonnabend und Sonntag auf dem Truppenübungsplatz in Luttmersen in Theorie und Praxis an, 13 von ihnen konnten bestehen. Dr. Anja Rocksin, Fachberaterin Rettungshundewesen der Johanniter auf Bundesebene, war mit Border Collie Evan für den Ortsverband Hannover-Wasserturm erfolgreich und bilanzierte am Ende der zwei Tage: "Die Organisation, das Wetter, der Austragungsort, alles war optimal. Trotzdem konnte leider nur etwa ein Drittel der Teilnehmer mit einem Zertifikat wieder nach Hause fahren. Wir hatten viele neue Teams dabei, die das Prüfungsgeschehen gerade erst kennenlernen. Die Nervosität des Hundeführers ist immer ein entscheidender Faktor. Hunde lassen sich vom Stress der Menschen verunsichern.“

Was machen Rettungshunde?

Demenziell erkrankte Menschen ohne Orientierung, verletzte Sportler im Wald, beim Spielen verirrte Kinder... Wird jemand als vermisst gemeldet, sind oft die Rettungshunde gefragt. Sie sind Spezialisten für die Suche nach Menschen in unwegsamem Gelände oder großflächigen Waldgebieten. Um überhaupt zum Einsatz zu kommen, braucht es allerdings eine umfangreiche, zwei Jahre dauernde Ausbildung. „Geprüftes Rettungshundeteam“ ist ein Qualitätssiegel, das nur durch ehrenamtliches Engagement und freiwillige Mitarbeit, durch Geduld beim Einüben von Fertigkeiten und durch ständiges Training erreicht werden kann.

Wie läuft eine Rettungshundeprüfung ab?

Tier und Mensch gehen durch eine Kombination von Aufgaben. Die Prüfungstage beginnen mit einem theoretischen Test der Hundeführer mit Fragen zu Einsatztaktik, Erster Hilfe an Mensch und Hund, Wetterkunde, Karte und Kompass. Dann sind die Hunde gefordert, bei praktischen Aufgaben im Gelände ihren Gehorsam und ihr Können zu beweisen. Im so genannten „Verweistest“ müssen die Tiere eine scheinbar hilflose Person erkennen, dem Hundeführer zum Beispiel durch lang anhaltendes Bellen den Fund der Person anzeigen und dabei das vermeintliche Opfer weder bedrängen noch berühren. Beim „Gehorsamstest“ kommt es auf das gute Zusammenspiel des Teams an. Die Hunde müssen dicht am Hundeführer laufen, seinen Kommandos gehorchen und dürfen sich von fremden Menschen und Hunden nicht ablenken lassen. Zum Abschluss zeigen die Rettungshundeteams ihr Können im Wald bei der „Flächensuche“. Unterstützt von der der Bundeswehr konnten die Johanniter dieses Wochenende auf dem Truppenübungsplatz der Wilhelmstein-Kaserne in Neustadt-Luttmersen ausrichten, wo jedes Team auf einem Suchgelände von 30.000 Quadratmeter zwei im Wald versteckte Personen anzeigen musste.

13 der 36 Teams bestanden an diesem Wochenende die Rettungshundeprüfung. Die meisten wurden rezertifiziert. Das bedeutet, dass sie ihre Leistung 24 Monate nach der letzten Prüfung pflichtgemäß erneut nachweisen konnten oder dass sie nach einer nicht bestandenen Prüfung wieder alle Anforderungen genügen konnten.

Das Prüferteam setzte sich an diesem Wochenende aus zehn Prüfern zusammen. Freudig überrascht war Prüfanwärterin Jana Simon vom RV Stralsund, die zur offiziellen Prüferin ernannt wurde. „Wer Prüfer bei den Johannitern werden möchte, besucht zunächst ein Anwärterseminar und muss danach bei mindestens 20 Prüfungen mitlaufen. Entscheidend für die Zulassung sind „Fachkenntnisse und Erfahrung im Einsatz und Prüfungsgeschehen, außerdem ein gutes Urteils- und Einfühlungsvermögen", erklärte dazu Dr. Anja Rocksin.

Über die Arbeit mit Rettungshunden

Die Johanniter-Rettungshundestaffeln sind an 365 Tagen rund um die Uhr einsatzbereit. Als Fachdienst im Rahmen des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes betreiben die Rettungshundeteams in Zusammenarbeit mit der Polizei und den Feuerwehren die Personensuche nach Vermissten, sie werden über die jeweilige Leitstelle angefordert. Die Johanniter im Ortsverband Hannover-Wasserturm verfügen zurzeit über acht zertifizierte Teams in der Flächen- und vier zertifizierte Teams in der Trümmersuche. Sie waren im vergangenen Jahr elf Mal im Einsatz. Staffelleiter Lutz Fricke, Fachberater Rettungs-hundewesen im Johanniter-Landesverband Niedersachsen/Bremen, hatte die Prüfung federführend organisiert: „Mein Dank geht an alle Helfer, die an diesem Wochenende dabei waren und rund 160 Prüflingen, Gästen und Einsatzkräften mit Auf- und Abbau, Verpflegung, Organisation und Durchführung der Prüfung ein einmaliges Erlebnis beschert haben.“