Zukunftstag in der Kita: Hier backen und trösten die Männer

Bettina Martin - Hannover, 20. März 2019

In der Johanniter-Kita "Weltkinder" sind männliche Erzieher an der Tagesordnung: Joran Weingarth (links) und Kita-Leiter Jan Vogel sind nur zwei der insgesamt zehn Mitarbeiter.
Foto: Johanniter/Martin

Es ist laut und wuselig im Raum, Kinder rennen umher. Gleich gibt es Mittagessen. Alltag in der Arktis-Gruppe der Johanniter-Kita „Weltkinder“ in Hannover. Erzieher Joran Weingarth geht umher, wendet sich den einzelnen Kindern zu. Immer in seinem Schatten ein blondes Mädchen, das ihm auf Schritt und Tritt folgt. Die Zuneigung zu dem groß gewachsenen Mann mit den wuscheligen, blonden Haaren ist offensichtlich. Jo, wie er von Kindern und Kollegen genannt wird, nimmt sie ganz selbstverständlich an die Hand, setzt sich mit ihr in die Kissenecke, sie kuschelt sich an und lässt den Trubel an sich vorbeiziehen. Sie hat ihren sicheren Platz.
In vielen Kitas sind männliche Erzieher nach wie vor selten, bei den „Weltkindern“ sind zehn der insgesamt 35 Mitarbeiter Männer, sie alle arbeiten in der Betreuung. Kita-Leiter Jan Vogel ist es wichtig, dass Kinder auch Erzieher und nicht nur Erzieherinnen erleben. Nicht weil sie unbedingt männliche Vorbilder brauchen. „Es geht darum, dass Kinder sehen, dass Menschen verschieden sind. Männer hören sich zum Beispiel ganz anders an als Frauen, das ist bereichernd für den Kita-Alltag“, sagt Jan Vogel, „das ist gelebte Vielfalt.“ Die Eltern begrüßen diese Haltung. Das Geschlecht spiele keine Rolle, viel wichtiger seien Motivation und berufliche Qualifikation.
Bei den „Weltkindern“ kümmern sich die Johanniter um 135 Kinder ab dem Krippenalter. Stereotypen begegnet man dort kaum. „Die Betreuer bringen sich mit ihren verschiedenen Vorlieben ein“, sagt Jan Vogel. „Der eine hat ein Faible für Neue Medien, ein anderer näht mit den Kindern, hier wird handwerklich gearbeitet und Fußball gespielt, außerdem backen wir mit den Kindern, zum Beispiel gibt es Waffeln oder Kekse.“ Das einzige Vorurteil, das auch der Kita-Leiter immer mal wieder und mit einem Augenzwinkern beobachtet: „Die Männer sind weniger strukturiert als die Frauen.“
Erzieher Joran Weingarth, der immer noch von dem Mädchen begleitet wird, ist die Begeisterung für seinen Job deutlich anzusehen. Der 29-Jährige hat selbst einen Erzieher erlebt, der eine Vorbildfunktion für ihn hatte. „Der war so cool und wild, das hat mich definitiv beeinflusst“, sagt Jo. Nach der Schule machte er erst ein Praktikum, hängte später die Ausbildung dran. In Hannover lebt er noch nicht lange. „Ich wollte in eine andere Stadt und habe hier erstmal bei einem Freund in der Bar gearbeitet“, erzählt er. Doch die Arbeit mit den Kindern hätte ihm gefehlt. Joran Weingarth: „Man bekommt einfach so viel echte Menschlichkeit und Zuneigung zurück. Kinder sind eben ehrlich.“
Jan Vogel entschied sich aus ähnlichen Gründen für den Erzieherberuf: „Es ist eine unmittelbare Tätigkeit, man kann direkt auf das Kind eingehen.“ Für ihn sei es der tollste Job der Welt - abwechslungsreich, man könne viel erleben und sich kreativ einbringen. „Bei uns kann jeder seine eigenen Ideen umsetzen und jeden Tag etwas Neues lernen“, so Jan Vogel. Natürlich stoße man dabei auch an seine Grenzen. Hier heißt es dann stark bleiben und den Glauben an das Kind nicht verlieren. Fehl am Platz sei Perfektionismus. „Die Kinder sollen erleben, dass auch Erwachsene Fehler machen können und sie sich diese eingestehen und lösen, das ist essenziell für ihre Entwicklung“, erklärt der Leiter der „Weltkinder“.
Um anderen Jungen den Beruf nahe zu bringen, kehren die „Weltkinder“ beim diesjährigen Zukunftstag am 28. März zum reinen „Boys Day“ zurück: Vier der fünf Plätze sind mit Jungs besetzt. Zeitgleich öffnen die Johanniter-Dienststellen in der Stadt und Region Hannover ihre Türen, um 111 Schülern einen Einblick in die Arbeit im Rettungsdienst geben. Dort werden die Jugendlichen die Rettungswachen besichtigen, Erste-Hilfe-Maßnahmen erlernen und natürlich einen Rettungswagen inspizieren.