Abschied nach 17 Jahren

Marcel Schwarzenberger - Ronnenberg, 24. Januar 2018

Christian Bauer (Mitte) und Wolfram Knust (links) haben den OV Deister 2001 begründet. Foto: Johanniter/Jacobs

Leben retten heißt, Verantwortung übernehmen. Was auch für Menschen gilt, die andere in dieser Fertigkeit ausbilden. Christian Bauer kennt beide Aspekte und hat sein Credo gefunden: „Ich bin ein Fan davon, dass man ins kalte Wasser springt.“ Also früh eigenverantwortlich Aufgaben meistert. Das hat der Johanniter als Rettungssanitäter gelebt, aber auch als junger Mann, der eigenständig einen Ortsverband (OV) der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Calenberger Land aufbaute – der von ihm mitbegründete OV Deister nahm im März 2001 seine Arbeit auf. Nach 17 Jahren hat Bauer jüngst seinen Abschied genommen; er wechselte Mitte Januar 2018 als Mitglied des Regionalverbands Harz-Heide nach Braunschweig. Von Ronnenberg hatte Bauer das Ausbildungswesen in der ganzen Region mitgestaltet.

Start als Rettungssanitäter

Bei den Johannitern arbeitet der 45-Jährige seit 1994. Damals startete er seine Karriere als Rettungssanitäter in der Rettungswache Langenhagen, nachdem er sich bereits als Zivildienstleistender für diesen Job begeistert hatte. Bauers große Leidenschaft für die Ausbildung begann beinahe zeitgleich. Als angehender Fachtrainer im Bereich Rettungsdienst absolvierte er den Stoff in wenigen Tagen. Der Bedarf an Ausbildern war groß; gleich nach der Prüfung bekam Bauer einen Anruf. „Es war Freitagabend, 21 Uhr“, erinnert er sich. Schon am nächsten Morgen trat er seinen ersten Kurs als Leiter an. Noch in den Neunzigerjahren konzentrierte sich Bauer vollends auf die Breitenausbildung der Johanniter in und um Hannover. Führerscheinanwärter, Ehrenamtliche, Betriebshelfer oder Menschen mit Interesse an medizinischen Berufen werden von den Johannitern in Erste Hilfe ausgebildet. 1997 waren das pro Jahr in der Region rund 3500 Teilnehmende. „Heute sind es etwa 25 000 Menschen“, sagt Bauer. Als Regionalausbildungsleiter baute er das Angebot stetig aus. Neben Privatpersonen lassen auch immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter von den Johannitern ausbilden. Bauer entwickelte ein weiteres Credo: „Unsere Kurse fallen niemals aus. Auch wegen dieser Zuverlässigkeit genießen wir einen guten Ruf.“

Ortsverband für Breitenausbildung

Der OV Deister koordiniert die Breitenausbildung innerhalb der Region. Er stellt auch Angebote wie das spendenfinanzierte Kursprogramm „Ersthelfer von morgen – Kita“ sicher, das schon den Kleinsten das Erste-Hilfe-Abc beibringt. Nach einem Zwischenspiel in Empelde bezog die OV-Dienststelle 2007 das Haus am Hagacker 5B in Ronnenberg. Der Ortsverband kümmert sich auch um Aufgaben wie Hausnotruf, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit, den Kindergarten „Märker Strolche“ in der Wennigser Mark, eine Flüchtlingsunterkunft in Wennigsen und zahlreiche ehrenamtliche Sanitätsdienste im Calenberger Land und überregional. Der Ortsverband beschäftigt unter anderem zehn Freiwilligendienstleiste (Freiwilliges Soziales Jahr und Bundesfreiwilligendienst) in den Bereichen Ausbildung und Hausnotruf.

Legende aus dem Deister

Ein wenig Geschichte: Im Jahr 2000 war Christian Bauer bereits in Ronnenberg (damals übrigens noch Standort der Johanniter-Akademie, bevor sie Jahre später zur Büttnerstraße in Hannover umzog). Bauer knüpfte für den Ausbau des Schulsanitätsdienstes Kontakte zur Kooperativen Gesamtschule Empelde. Einer der Schüler, die an der Ausbildung teilnahmen, war Wolfram Knust. Mit ihm und anderen jungen Engagierten bildete Bauer eine Gruppe für den Landeswettkampf der Johanniter in Edewecht. Die Gruppe versprühte Teamgeist und wurde bald mit einem Spruch bekannt: „Wer wird Meister? Die Jungs vom Deister!“ Als Bauer und Knust 2001 den neuen Ortsverband in Ronnenberg ins Leben riefen, war der Name rasch bei der Hand: Ortsverband Deister. Wolfram Knust ist dort heute Sachgebietsleiter Ausbildung.