Tod und Sterben in die Mitte der Gesellschaft holen

Janna Schielke - Hannover, 08. Februar 2020

Wie sieht eigentlich ein Bild von Mitgefühl aus? Was macht die islamische Bestattungskultur aus? Monika und Senay wissen es. Sie wollen beim ersten Hospiz BarCamp ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit anderen teilen - ein Grundgedanke des Veranstaltungsformat BarCamp. Organisatorin Birthe beantwortet zum Beispiel häufige Fragen zur Hospiz- und Palliativarbeit und Teilnehmerin Dana präsentiert ihre Ideen für positive Energie im Leben und Sterben.

"Tod, Sterben und (Weiter-)Leben" war das Thema und über 50 Teilnehmende diskutierten, tauschten sich aus und begegneten sich auf Augenhöhe. Das erste Hospiz BarCamp am 8. Februar brachte Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Ehrenamtliche, Studierende, Bestatter und andere Interessierte zusammen. Eingeladen hatten die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. (JUH) und die Hochschule Hannover, Fakultät 5. Ganz bewusst wollen sich die Organisatoren von klassischen Diskussionsformaten absetzen. Das BarCamp ermöglicht allen Teilnehmenden, ein Thema einzubringen oder eine Frage zur Diskussion zu stellen. "Ein ganz neues, innovatives Veranstaltungsformat", sagte Prof. Dr. Verena Begemann von der Hochschule Hannover in ihrer Eröffnungsrede. Bundesweit fand das Hospiz BarCamp zum ersten Mal statt.

Tabus überwinden und das Thema Tod in die Mitte der Gesellschaft holen - das war das gemeinsame Anliegen der Organisatoren und vieler Teilnehmender. "Wir alle haben Sehnsucht nach Begegnung und Vernetzung", sagte Sabine Kluge, Transformationsexpertin und Coach. Sie setzte Impulse in ihrer Keynote. "Das Wissen, was man hier vermittelt, müsste eigentlich jeder kennen. Es soll rausgehen in die Welt", so Kluge, die sich ehrenamtlich in der Hospizbegleitung engagiert.

In sogenannten Sessions fanden sich die Teilnehmenden in Kleingruppen zusammen. Die Themen reichten von Gewaltfreier Kommunikation, über Bestattungskultur und islamische Hospizbegleitung bis hin zu Qi Gong oder Akupressur. Hier entstanden Begegnungen zwischen Fachkräften und Laien, als Experten, aber auch ganz persönlich mit den eigenen Geschichten und Erfahrungen. Birthe Möller, Hospizkoordinatorin bei den Johannitern, möchte so den Austausch auf Augenhöhe fördern: "Unser Motto ist: Jeder ist Experte. Wir sind davon überzeugt, dass die Teilnehmenden viele spannende Ideen mitbringen und gemeinsam weiterentwickeln werden. Unser BarCamp bietet den Rahmen dafür."

Für die Johanniter ist klar: Hospizarbeit bedeutet, dass Fachkräfte aus unterschiedlichen Disziplinen zusammenarbeiten. Ob im Rettungsdienst, in der Altenpflege, dem Besuchsdienst oder der psychosozialen Notfallversorgung - in fast allen Bereichen im Sozial- und Gesundheitssektor gehören Begegnungen mit dem Sterben zum Alltag. "Unser Motto 'Aus Liebe zum Leben' gilt auch und gerade für den Hospizbereich, denn der Tod gehört zum Leben dazu", sagte Walter Busse, Regionalvorstand der JUH, und bedankte sich bei dem Organisationsteam und bei den Ehrenamtlichen, die im ambulanten Hospizdienst der Johanniter tätig sind. Am Ende des Hospiz BarCamps ist klar: Das neue Format soll fortgesetzt werden.