Ehrenamtliche versorgen Obdachlose

Temperaturen unter dem Nullpunkt und frostiger Wind: Um obdachlose Menschen vor dem Kältetod zu bewahren, leisten die Johanniter als Projektpartner des Winternotprogramms in Hannover Kältehilfe. Sie verteilen an drei zentralen Orten in der Landeshauptstadt heiße Suppe, warme Getränke und manchmal auch Schlafsäcke.

 

Eisige Temperaturen sind Gesundheitsrisiko

Frierend reibt sich ein Mann die Hände. Sein Gesicht ist rot vor Kälte. In einer Hand trägt er eine Plastiktüte, in der anderen eine Taschenlampe. Er lächelt dankbar, als ihm zwei ehrenamtliche Helfer etwas Heißes anbieten. „Ihr seid meine Rettung.“ Wenig später hält er einen Plastikteller in der Hand und löffelt die dampfende Suppe, die die Helfer ihm gegeben haben. Zweimal in der Woche sind sie unterwegs, damit es Obdachlose während der kalten Monate ein bisschen wärmer haben. 50 Portionen Suppe, 100 Tassen Tee und manchmal auch Schlafsäcke geben die Johanniter aus dem Ortsverband Hannover-Wasserturm dann an drei zentralen Orten in der Landeshauptstadt an Obdachlose aus. Denn für diejenigen Menschen, die sich trotz Übernachtungsangeboten dafür entscheiden, die Nächte nicht in einer Notunterkunft zu verbringen, wird es hart. Sie sind der Kälte ausgesetzt und frieren. Damit steigt die Gefahr chronisch zu erkranken, und es kann zu Unterkühlung oder Erfrierungen kommen. Zwischen 300 und 500 Menschen sind davon betroffen, schätzt die Landeshauptstadt Hannover in ihrem aktuellen Sozialbericht.

 

Gespräche bei Tee

„Besonders am Monatsende kommen viele“, sagt Karsten Brünig. Seit 27 Jahren engagiert er sich ehrenamtlich bei den Johannitern, war schon als Jugendlicher dabei. Seit der Kältebus 2010 das erste Mal auf Tour ging, gehört er fest zu seiner Besatzung. Ein paar seiner „Gäste“ kennt der 37-Jährige ebenso lange. „Je vertrauter die Gesichter, desto offener wird bei einem Tee auch darüber gesprochen, warum sie auf der Straße leben.“ Vom rebellischen Punk bis zum gescheiterten Geschäftsmann, die Lebensgeschichten sind vielfältig. Auch der Flaschensammler hatte früher einen gut bezahlten Job. „Dann platze die ,Börsenblase‘ und puff, alles war weg“, sagt er. Erst verschwand sein Geld, dann seine Frau. Er seufzt und schmeißt seinen Suppenteller mit Nachdruck in den bereitgestellten Müllsack. Lange bleibt er nie. Es zieht ihn zurück an seinen Schlafplatz. Unterkünfte meidet er lieber. „Da gibt es oft Stress“, sagt er und winkt zum Abschied: „Danke Jungs. Bis übermorgen.“

 

Profikoch unterstützt Kältebus 

Zu den „Jungs“ gehört an diesem Abend neben Karsten Brünig und auch sein Kollege Markus Lutze. Der 35-jährige Profikoch ist der „Neue“ im Johanniter-Kältebusteam. „Ich möchte gern etwas zurückgeben, denn mir geht es gut“, sagt er. Deshalb steht er auch nach Dienstschluss wieder am Herd und kocht. „Jedes Mal, wenn wir mit dem Kältebus unterwegs sind, wird mir bewusst, wie schnell es auch einen selbst treffen kann. Und dann würde ich mich auch freuen, wenn mir dann jemand mit einer warmen Mahlzeit durch die kalte Nacht hilft.“

 

Hintergrund

Der Johanniter-Kältebus ist Teil des Winternotprogramms von Johanniter-Unfall-Hilfe, Diakonie-Beratungsstelle und Selbsthilfe für Wohnungslose, das von der Landeshauptstadt Hannover unterstützt wird. Finanziert wird das Winterprogramm durch Mittel der Landeshauptstadt – und durch Spenden. Ein weiterer Johanniter-Kältebus ist in Bremen unterwegs. Er wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

 

Hinweis: Dieser Artikel erschien in der Evangelischen Kirchenzeitung, Ausgabe 19.01.2015