Der Kältebus in Hannover

Ein Dach über dem Kopf, eine Heizung, ein Bett und jeden Tag eine warme Mahlzeit auf dem Tisch – für die meisten Menschen sind dies wohl Selbstverständlichkeiten, über die kaum nachgedacht wird. Für manche sieht der Alltag indes ganz anders aus. Die Zahl der Obdachlosen steigt stetig an – auch in Hannover.

Das Leben auf der Straße ist nie leicht, aber gerade im Winter bei teilweise Minusgrade, Schnee und Eis sind die Lebensbedingungen deutlich erschwert. Die Ehrenamtlichen der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. im Ortsverband Hannover-Wasserturm versuchen in diesen Tagen den Menschen draußen ein bisschen Wärme zu schenken – mit dem Johanniter-Kältebus.

Derzeit kümmern sich rund 15 Freiwillige aus dem Ortsverband Hannover-Wasserturm um die Obdachlosen. Neue Unterstützer werden allerdings jederzeit gebraucht und sind immer herzlich willkommen. Immer montags, mittwochs und freitags beginnt der Dienst gegen 16 Uhr in der Küche. Dort bereiten die Helfer das Essen für die Obdachlosen zu. Die klassische Suppe steht dabei aber nur noch selten auf dem Speiseplan. Denn: Die Johanniter kochen frisch. So ist die Nahrung vitaminreich und gehaltvoll und bietet den Menschen eine gute Grundlage, um den Winter auf der Straße zu überstehen. Kohlenhydrate und Proteine sind das Maß der Dinge. Reis, Nudeln, Kartoffeln stehen regelmäßig auf der Einkaufsliste, dazu gibt es Fleisch und Gemüse. Die eigentliche Ausgabe beginnt um 18 Uhr. Dann fahren die Helfer nacheinander den Raschplatz und den Kröpcke an. Das hat sich unter den Obdachlosen mittlerweile rumgesprochen. Dementsprechend groß ist der Zulauf. Besonders zum Ende der Wintersaison kommen viele Menschen zu den Johannitern. Allein in der Saison 2017/18 haben die Helfer 1650 Portionen Essen und 375 Portionen warme Getränke ausgegeben.

Vorbereitung auf den Einsatz

Unsere Helfer werden stets gut geschult, bevor sie aktiv in den Einsatz gehen. Für diejenigen, die ausschließlich in der Küche arbeiten möchten, beinhaltet die Ausbildung einen Erste-Hilfe-Kurs sowie die Einweisung in die Küche und eine Hygieneschulung. Die Ehrenamtlichen, die das Essen ausgeben, benötigen eine höhere medizinische Qualifikation: Sie werden zu Sanitätshelfern fortgebildet. Denn häufig kommen die Obdachlosen zum Kältebus und bitten um Hilfe bei der Versorgung von Wunden. Hier helfen wir schnell und unbürokratisch.

Der Kältebus auf Abruf

Der Kältebus hat eine zentrale Telefonnummer, unter der Bürger Schlafplätze oder Treffpunkte von Obdachlosen melden können. Sie erreichen die Nummer jeweils montags, mittwochs und freitags in der Zeit von 16:00 bis 20:00 Uhr unter Tel. 0800 0848488. Sollten Sie hilfebedürftige oder verletzte Menschen antreffen, verständigen Sie bitte den Rettungsdienst unter 112.

Zeit ist kostenlos – eine warme Mahlzeit nicht

Ihre Zeit geben die vielen Ehrenamtlichen zwar umsonst. Doch vieles kostet einfach Geld. Eine Mahlzeit schlägt mit rund 3,50 Euro zu Buche, Verbandsmaterial muss ausgetauscht werden, es braucht Besteck, Teller und Becher. Außerdem benötigen die Ehrenamtlichen die passende Ausrüstung und Bekleidung. Hierfür sind wir auf Spenden dringend angewiesen, um weiterhin das Leid der Obdachlosen ein wenig lindern zu können.

Hilfe, die ankommt

Der Kältebus ist gerade in der kalten Jahreszeit von großem Interesse der Medien. Dank dieser Aufmerksamkeit fand Anfang 2018 eine obdachlose Frau eine Wohnung und eine Arbeitsstelle. Sie konnte ein neues Leben in der Nähe ihrer Familie beginnen. Und auch die Obdachlosen zeigen sich immer wieder dankbar für den Einsatz der Johanniter.

Ihr Ansprechpartner Dana Jörk

Kabelkamp 3
30179 Hannover