Pädagogisches Konzept

Das Bild vom Kind
Die Nachmittags- und Ferienbetreuung versteht sich als Lebensraum für Kinder und soll in altersangemessener Weise sowohl die wachsende Selbständigkeit der Kinder unterstützen als auch die notwendige Orientierung und Bindung ermöglichen. Es hat die sozialen und emotionalen Bedürfnisse der Kinder, die Freizeitinteressen sowie die Erfordernisse, die sich aus der Schulsituation der Kinder ergeben, zu berücksichtigen. Kinder sehen wir als einzigartige, wertvolle Persönlichkeiten, die sich forschend und entdeckend mit der Welt auseinander setzen und vertraut machen. Wir beachten die veränderten Lebensbedingungen von Kindern und Familien und setzen uns für ihre Rechte ein. Schulkinder setzen sich stark mit sich und ihrer Umwelt auseinander. Sie sind ausdauernd, leistungsfähig und vielseitig interessiert. Kinder wollen spätestens im Schulalter vieles selbst machen und selbstständig sein. Sie übernehmen Verantwortung in verschiedenen Bereichen und die Beziehung zu gleichaltrigen Kindern wächst.

Schulkinder denken sachorientiert. Das Bedürfnis, die Welt erklären zu können, ist bei den Kindern relativ stark ausgeprägt und sie versuchen, immer mehr zu verstehen. Kinder lernen vor allem über eigenständiges Handeln. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen unterstützen sie dabei und bieten neue Anregungen. Um das Lernen und die Konzentrationsfähigkeit der Schulkinder zu unterstützen, sind Ruhe und ein angemessener Rahmen erforderlich. Die Kinder sind Akteure ihrer eigenen Bildung und so haben Mädchen und Jungen die gleichen Chancen zu lernen. Sie sind Forscher und Erfinderinnen, Entdeckerinnen und Künstler, denen die pädagogischen Mitarbeiterinnen die notwendigen „Forschungsstätten“ bieten.

Pädagogische Ziele
Zu den pädagogischen Aufgaben zählt die professionelle Begleitung des kindlichen Entwicklungsprozesses durch die pädagogischen Mitarbeiterinnen.
Kinder erfahren und lernen:

ihre eigene soziale Rolle innerhalb der Gruppe
- die Freizeit sinnvoll zu gestalten
- Medienkompetenz durch eine qualifizierte Medienerziehung
- eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls
- die Fähigkeiten zu einem konstruktiven Miteinander im sozialen Zusammenleben
- wie man Wissen erwerben kann und für sich nutzt
Folgende Schlüsselkompetenzen sollen sich die Kinder aneignen:
- personelle Kompetenz
- soziale Kompetenz
- Wissenskompetenz
- Lernkompetenz

Zur personellen Kompetenz gehören u.a. die Vermittlung der sozialen Zugehörigkeit, der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zwischen den pädagogischen Mitarbeiterinnen und den Kindern sowie die Beteiligung der Kinder am Geschehen im Betreuungsangebot.

Zur sozialen Kompetenz gehört, dass Kinder lernen miteinander zu verhandeln und eine Streitkultur zu entwickeln, Fehler einzugestehen und eigene Standpunkte zu revidieren, wenn sie sich als falsch erweisen, Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer zu nehmen und eigene Bedürfnisse durch zu setzen aber auch einmal zurück zu stellen.
Zur Wissenskompetenz gehört u.a. sein Leben in den Bereichen, Schule, Arbeit und Freizeit zunehmend selbst bestimmt zu gestalten, mit Medien kompetent um zu gehen, sich umweltfreundlich zu verhalten und naturwissenschaftliche Vorgänge und Zusammenhänge zu verstehen. Zur Lernkompetenz gehören u.a. die Bereitschaft und die Freude an lebenslangem Lernen, das Wissen, wo und wie man sich Informationen beschaffen kann und das Beherrschen von Lern und Arbeitstechniken. Kinder können Medienkompetenz erlernen, das heißt die Fähigkeit, Medien kritisch, reflektiert, selbst bestimmt und kreativ zu nutzen, um sich zu informieren, zu unterhalten und zu bilden. Bei allen Bereichen, die angesprochen werden, gehen wir von den Interessen und Neigungen der Kinder (z. B. Computer, Musik, Kunst, Sport) aus.

Freizeitgestaltung
Eine wichtige Aufgabe des Betreuungsangebotes ist die Gestaltung der Freizeit. Die Kinder sollen hier vielerlei Arten der Entspannung und des Ausgleichs zu ihrem Schulalltag finden können. Zur altersgemäßen Förderung der Kinder gehört es, dass sie die Inhalte und Betreuungsangebote mit gestalten und somit mit entscheiden können, wie sie ihre Freizeit verbringen und welche Projekte durchgeführt werden sollen. Die Kinder benötigen ausreichend Raum und Zeit, um eigene Aktivitäten zu entwickeln, zu phantasievollem Spiel, für Sport, Werken und verschiedenste Unternehmungen.

Kooperation und Projekte mit den anderen Fachabteilungen
Für die Johanniter-Unfall-Hilfe ist die Ausbildung im Bereich der Ersten Hilfe eine ihrer wichtigsten satzungsgemäßen Aufgaben und somit integraler Bestandteil ihrer Jugendarbeit. Mit dem Ausbildungsprogramm „Ersthelfer von Morgen“ führen die Johanniter Kinder ab dem Schulalter spielerisch an die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Hilfeleistung bei Unfällen und akuten Erkrankungen heran. Die Vermittlung von Erste-Hilfe-Wissen erfüllt in der Nachmittags- und Ferienbetreuung zwei Funktionen. Zum einen trägt dieses Angebot zur Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung bei und zum anderen wird den Kindern Verantwortungsbewusstsein und die Bereitschaft vermittelt, sich für den Mitmenschen einzusetzen.

Für die Nachmittags- und Ferienbetreuung ergeben sich verschiedene Möglichkeiten zur Vernetzung und Kooperation mit den anderen Fachabteilungen der Johanniter. So bietet sich z.B. eine enge Zusammenarbeit mit der Johanniterjugend an. Für jede Ferienwoche wird es ein aus den Kinderwünschen generiertes Thema geben, das sich ganzheitlich gewidmet wird. Hierzu ist die Einbeziehung verschiedener Akteure, wahlweise der Region, angestrebt. Darüber hinaus sind verschiedene Projekte, wie beispielsweise der Aufbau eines Schulsanitätsdienstes, im Bereich der Ganztagsschule denkbar.

Das Mittagessen
In den Ferien und an Freitagen ist das gemeinsame Mittagessen fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit. Die gemeinsame Einnahme der Mahlzeiten hat zu allen Zeiten eine bedeutsame Rolle im Zusammenleben der Menschen gespielt. Entsprechend der jeweiligen Kultur haben sich dabei spezifische Arten der Nahrungszubereitung und unterschiedliche Tischsitten entwickelt. Besonders in der heutigen Zeit ist unsere Esskultur durch vielfältige Einflüsse bedroht, z.B. durch die Fast-Food-Kultur oder durch die vorherrschenden Marktstrategien in unserer Gesellschaft, die besonders Kinder als Konsumenten im Blick haben.

Ernährung trägt zu einer gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung bei und hat großen Einfluss auf die Befindlichkeit des Kindes bzw. des Menschen im Allgemeinen (Verhaltensstörungen/ Allergien usw.). Es ist ein wichtiges Ziel, den Kindern grundlegende und gesundheitsfördernde Erfahrungen im Umgang mit der Ernährung zu vermitteln. Die Kinder sollen die gemeinsame Mahlzeit als eine positive Art sozialer Begegnung schätzen lernen.

Die Mahlzeiten sind Momente der Ruhe und Entspannung. Dabei kann das Kind wichtige Gemeinschaftserfahrungen machen, indem es mit den anderen Kindern und den pädagogischen Mitarbeiterinnen über Erlebnisse spricht, indem man miteinander lacht und scherzt. Die Kinder sollen Tischkultur durch eine wertschätzende und gemütliche Gestaltung des Essbereichs und eine ansprechende Zubereitung der Speisen erleben, Tischsitten am Vorbild der pädagogischen Mitarbeiterinnen und der anderen Kinder erlernen, ihre Selbstständigkeit weiterentwickeln und von frühem Alter an mit einer ausgewogenen Ernährungsweise vertraut werden. Die Freude am Essen und die Entwicklung eines Geschmacksinns im Rahmen einer vollwertigen Esskultur sind grundlegende Bestandteile des pädagogischen Konzepts der Johanniter. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen essen gemeinsam mit den Kindern und sind sich ihrer Vorbildfunktion bewusst, sowie der Tatsache, dass ihr Verhalten bei Tisch und der Umgang mit Nahrung grundlegend für das ist, was den Kindern vermittelt wird.

Die Ästhetik eines gedeckten Tisches durch einheitliches Geschirr und liebevoll angerichtete Speisen soll dazu beitragen, eine ruhige und entspannte Atmosphäre während der Mahlzeit zu schaffen. Die Tischgemeinschaften sind überschaubar, damit Erlebnisse erzählt werden können, einander geholfen werden kann und nicht alle Kinder durcheinander reden.

Die tägliche Versorgung mit Mittagessen (Ferien und freitags) erfolgt über ein lokales Catering-Unternehmen, das je zwei warme Menüs und einen vollwertigen Salat zur Auswahl bietet. Dabei legen die Johanniter Wert auf eine vollwertige, gesunde, ausgewogene Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel. Nach Möglichkeit sollte der Caterer die praktischen und wissenschaftlichen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bzw. dem Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) berücksichtigen.

Jedoch kann eine Belieferung mit Mittagessen, trotz aller Vorteile im täglichen Betrieb, eine von den Kindern selbst zubereitete Mahlzeit nicht ersetzen. Damit die Kinder mehr über das Kochen und über eine ausgewogene Ernährung lernen können, wird mit den Kindern in regelmäßigen Abständen gekocht.

Zusammenarbeit mit Eltern und Familien
Die Nachmittags- und Ferienbetreuung versteht sich familienergänzend und nicht losgelöst vom familiären Geschehen. Die pädagogischen Mitarbeiterinnen streben eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern an. Nur dadurch ist ein einheitliches, kind-orientiertes Handeln möglich. Eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist eine unerlässliche Voraussetzung für das Gelingen aller Erziehungsbemühungen. Eine gute Kommunikation und der regelmäßige Austausch sind wichtig und werden von den pädagogischen Mitarbeiterinnen aktiv betrieben, um gemeinsame Ziele in der Förderung des Kindes zu verfolgen und Vorgehensweisen möglichst aufeinander abstimmen zu können.

Eine positive Einstellung der Eltern zum Konzept der Nachmittags- und Ferienbetreuung ist die Voraussetzung für die gemeinsame Erziehung der Kinder. Das erfordert neben den Kontakten intensive Gespräche und Transparenz der jeweiligen Überlegungen, Schritte und Ziele. Die Eltern sind als Gäste immer herzlich willkommen. Sie haben somit die Möglichkeit, sich aktiv in die pädagogische Arbeit einzubringen.

Im offenen Ganztagsbetrieb der Schule wird eine Betreuung der Hausaufgaben eingerichtet. Erfahrungsgemäß können nicht alle Kinder in dieser Zeit ihre Hausaufgaben anfertigen. Unser Anspruch ist es auch, den Kindern, die es wünschen, in der Hortzeit dafür Raum, Begleitung und Zuspruch zu geben, sodass die Zeit nach 17:00 Uhr komplett der Familie zur Verfügung steht. Das beinhaltet nach dem Ankommen der Schüler ein gemeinsames Zusammenkommen am Tisch, die Nachfrage nach dem bisherigen Tagesverlauf und der noch zu verrichtenden Aufgaben (Hausaufgaben und nach Wunsch Lernen für Klassenarbeiten). Hierzu wird auch auf die Methode von Lerngruppen bzw. die Kompetenzen der höheren Jahrgänge als Experten zurückgegriffen. Es kann jedoch nicht über das Angebot hinausgehen, da kein Kind zu dem Anfertigen von Hausaufgaben gezwungen werden kann.

Zusammenarbeit mit der SchuleUm die Kinder optimal begleiten und fördern zu können, kooperiert die Nachmittags- und Ferienbetreuung eng mit der Johann-Wolf-Grundschule. Es soll nach Möglichkeit eine gemeinsame konzeptionelle Linie mit der Grundschule bezüglich des Unterrichts und der außerunterrichtlichen Angebote erreicht werden. Gerade der Schwerpunkt der Bewegung kann hier genannt werden. Für den Austausch zwischen den Mitarbeiterinnen der Nachmittags- und Ferienbetreuung und der Schule in Bezug auf das einzelne Kind wird das Einverständnis der Eltern eingeholt, um die datenschutzrechtlichen Bestimmungen einzuhalten. DieZusammenarbeit wird durch gemeinsame Veranstaltungen und gegenseitige Hospitationengefördert. Um ein umfassendes Bild über den Entwicklungsstand der Kinder zu erhalten, besuchen diepädagogischen Mitarbeiterinnen regelmäßig die Sprechstunde der Klassenleitungen. Auch dies erfolgt in Absprache mit den Eltern. Bei erhöhtem Förderbedarf einzelner Kinder wird dieZusammenarbeit mit der Grundschule intensiviert. Die Zusammenarbeit erfolgt gleichberechtigt und partnerschaftlich, wobei die unterschiedlichen Professionen einander Akzeptanz und Wertschätzung entgegenbringen. Der spezifische Auftragjeder Institution und deren Möglichkeiten und Grenzen werden anerkannt und die unterschiedlichen Strukturen beider Einrichtungen werden bei der Zusammenarbeit berücksichtigt.

Ihr Ansprechpartner Kathrin Große

Stiftsplatz 3
37176 Nörten-Hardenberg