Auf Abstand in engem Kontakt

Stefan Greiber - Ahlhorn, 05. Mai 2020

Johanniter-Quartiersmanagerin Warkentin und Gemeinde-Streetworker Book gehen gemeinsam auf Bollerwagen-Infotour

Der Bollerwagen ist voll bepackt mit Informationen über Hilfsangebote, das korrekte Tragen von Behelfsschutzmasken, vor Ort weiterhin stattfindende Beratungen, Bastelideen und Bücher zum Verschenken für Kinder sowie kleinen Quartiersgrüßen, das eigene Gesicht ist verborgen hinter einem Mund-Nase-Schutz – fertig zum Abmarsch. Anastasia Warkentin, Quartiersmanagerin der Johanniter in Ahlhorn, und Gemeinde-Streetworker Ralf Book sind mit einem Bollerwagen durch Ahlhorn gezogen, um den Kontakt mit den Bewohnern zu suchen. Aufgrund der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie ist der Treffpunkt „Zeppelin“ zurzeit geschlossen. „Wenn die Menschen nicht zu uns kommen können, müssen wir zu ihnen gehen“, sagt Anastasia Warkentin. „Unter Berücksichtigung von Abstand und Nutzung von Mund-Nase-Schutz wollten wir einerseits die Stimmung vor Ort erfahren, aber vor allem auch mit den Bewohnern ins Gespräch kommen und bei Bedarf aufklären und informieren.“

Es zeigt sich, dass der Bedarf an Beratung und Gesprächen weiterhin hoch ist. Rund 15 Familien haben Warkentin und Book auf ihrer Tour angetroffen. Viele berichteten von akuten Problemen. Zum Teil war ihnen aufgrund der Krise gekündigt worden, sie hatten kein Geld verdient und konnten keine Unterstützung bekommen, so dass einige nicht einmal ihre Miete zahlen können. „Viele sind auf die Beratungsstellen angewiesen und wissen nicht, dass die Berater weiter arbeiten, auch wenn die Türen geschlossen sind“, erzählt Warkentin. Hier konnten die Beiden Aufklärung betreiben und den Menschen wieder Mut machen. Gut angekommen sind auch die Nähanleitungen und Stoffe für die Selbstherstellung von Mund-Nase-Schutzmasken. Weiterhin gibt es die Möglichkeit nach Terminabsprache mit Anastasia Warkentin unter Telefon 0152 36988448 eine Nähmaschine unter bestimmten Auflagen hinsichtlich Hygieneschutz, im „Zeppelin“ für die eigene Herstellung der Masken zu nutzen.

Gerade das Thema Schutzmasken sehen die beiden Helfer mit gemischten Gefühlen. Zwar haben sie Verständnis für die Anordnung, im öffentlichen Raum bei Kontakten die Maske zu tragen. „Zum Schutz der Mitmenschen und als Zeichen, weiterhin vorsichtig zu sein ist die Maske wichtig“, sagt Ralf Book. Aber als Streetworker ist er auf den engen Kontakt mit den Menschen angewiesen. Die Maske verberge die Mimik, was seine Arbeit deutlich erschwere. Trotzdem gehen er und Anastasia Warkentin mit gutem Beispiel voran und auf etwas Abstand. „Wir wollen schließlich, dass alle gesund bleiben.“ Und sich trotzdem weiterhin in Ahlhorn wohl fühlen.