Am Herd

Stefan Greiber - Wiesmoor, 20. Juni 2020

Mit zwei Fussschaltern setzt Kersten Dluzak die Hebebühne des Lkw in Bewegung. Langsam fährt sie hoch und ermöglicht den Blick ins Innere des Planenaufbaus. Edelstahl blitzt, akkurat stehen Container, Rollwagen und Thermophoren in Reih und Glied, alle ordentlich verzurrt. Packlisten an den Wänden und Anhänger an jedem einzelnen Teil zeigen an, was sich wo befindet und wo es beim Aufladen verstaut werden muss. „Was wir als erstes brauchen steht ganz vorne“, erklärt Kersten Dluzak, Zugführer des Verpflegungstrupps des Ortsverbands Wiesmoor der Johanniter-Unfall-Hilfe. Vor ihm auf dem Lkw liegt die Feldküche der Wiesmoorer Johanniter. „Wir können sie innerhalb von einer Stunde aufbauen und dann Essen kochen für bis zu 250 Personen“, fährt Dluzak fort. Eine logistische Meisterleitung, an der auch während der Corona-Krise gefeilt worden ist.

Vorgehalten wird die Küche für Einsätze im Bevölkerungsschutz, etwa wenn Bewohner evakuierter Gebiete mit Essen versorgt werden müssen oder sich Einsatzkräfte der Feuerwehr in Überschwemmungsgebieten mit einer warmen Mahlzeit stärken wollen. Insgesamt 16 Mitglieder hat der Verpflegungstrupp, 13 Feldköche und drei Leute für den so genannten Schwarzen Bereich, also für die Logistik, Versorgung mit Betriebsstoffen wie Diesel für die Generatoren und alles andere, bei dem schnell eine helfende Hand anpacken muss. Alle Helferinnen und Helfer sind ehrenamtlich. Zudem bauen die Wiesmoorer Johanniter ihre Küche bei größeren Veranstaltungen in der Region auf und bieten zum Beispiel Rosmarinkartoffeln an. „Das machen wir vor allem, damit die Helfer im Training bleiben“, erklärt Dluzak. Doch während der Corona-Zeit sind sämtliche Veranstaltungen abgesagt worden, Übungsabende bei den Johannitern wurden untersagt. Kersten Dluzak war trotzdem regelmäßig in der Dienststelle. „Wir haben Packlisten erstellt, Küchenmaterial ergänzt und neue staubdichte Kisten angeschafft, in die wir insgesamt 15.000 Teile biologisch abbaubares Einweggeschirr aus Maisstärke verstaut haben.“ Auch neue lebensmittelechte Wasserschläuche wurden angeschafft, mit Anschlüssen versehen und verbaut. „Wir haben die Zeit gut genutzt.“

Als Anfang Juni die Freigabe erteilt wurde, Übungen auf dem Gelände der Dienststelle unter Auflagen durchführen zu dürfen, haben die Wiesmoorer Johanniter die Gelegenheit sofort genutzt. „Wir haben in einer Aufbauübung das Ordnungssystem und die neuen Materialien einem Praxistest unterzogen“, erklärt der 56-Jährige, der im Hauptberuf Kranfahrer bei der Ulferts GmbH in Wilhelmshaven ist. 1982 ist er bei den Johannitern eingestiegen und seitdem ehrenamtlich dabei. Die Feldküche kam 2005 dazu, gebraucht angeschafft aus Husum in Schleswig-Holstein. „Ich bin damals selber hingefahren und habe sie abgeholt“, erinnert er sich. Auch heute sieht das Gerät wie neu aus. „Das ist Edelstahl. Die können unsere Urenkel in 200 Jahren noch nutzen.“ Trotzdem muss ständig etwas geändert und angepasst werden – auch in Corona-Zeiten. Die Aufbauübung hat auch gut geklappt, allerdings war die Zeit deutlich schlechter als vorgegeben. Das lag daran, dass nur eine begrenzte Zahl Helfer zugelassen war. „Viele Hände, schnelles Ende“, bringt Dluzak es auf den Punkt. Und hofft darauf, dass bald mehr Helfer eingesetzt werden können und vor allem der Versorgungstrupp seine Feldküche wieder bei Veranstaltungen einem Praxistest unterziehen kann, um im Training für Katastrophenschutzeinsätze zu bleiben. Damit jede der vielen Hände genau weiß, was sie zu tun hat. Nicht nur für ein schnelles, sondern auch für ein gutes Ende.

Wir sind weiter für Euch da!
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