Turbulenter Tag trotz weniger Einsätze für Weser-Ems

Stefan Greiber - Weser-Ems, 02. Mai 2013

Kirchentag: Sanitäterin braucht selber Hilfe – MAnV-Bereitschaft rückt kurz vor Feierabend raus

Nach dem streckenweisen anspruchsvollen ersten Einsatztag ging es für die Sanitäter der Regionalbereitschaft Weser-Ems am zweiten Tag des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages deutlich entspannter zu. Die UHS (Unfallhilfsstelle) Magellan-Terrassen wurde vorzeitig aufgelöst, an der UHS Strandkai gab es nur acht Hilfeleistungen. „Es waren nicht so viele Besucher da wie erwartet. Und die da waren, waren sehr anständig“, erzählt Stefan Ehm vom Einsatzleitwagen an der Unfallhilfsstelle 2 Strandkai. Zwei dieser acht Fälle hatten es aber in sich. In einem Fall mussten die Sanitäter eine ihrer eigenen Kolleginnen versorgen, die von einer Entzündung im Ohr geplagt wurde. Markus Wedemeyer, Arzt und Einsatzkoordinator der Regionalbereitschaft Weser-Ems, nahm sie aus dem Dienst und schickte sie zur Notaufnahme ins Krankenhaus.


Der zweite schwere Fall forderte eine Sanitätsstreife. Eine Rollstuhlfahrerin war von einem Auto erfasst worden. Die Streife versorgte die verletzte Frau und betreute auch gleichzeitig den Fahrer des Unfallwagens, der sichtlich unter Schock stand. Mittendrin war der erst 16-jährige Sanitätshelfer Fabian Lüken vom Ortsverband Nordenham, der eigentlich nur als dritter Mann die Streife begleiten und lernen sollte. Er beteiligte sich sofort an den Hilfsmaßnahmen und kümmerte sich um die verletzte Frau. „Fabian hat einen großartigen Job gemacht und seine Aufgaben zügig abgearbeitet“, lobte Abschnittsleiter Marcel Colter.

 

Ansonsten blieb es ruhig, so dass die Sanitäter einen Blick auf das ZDF-Traumschiff ‚MS Deutschland‘ werfen konnten, die in direkter Nachbarschaft zur Unfallhilfsstelle 2 am Hamburg Cruises Center angelegt hatte. Die Bewunderung hielt sich aber in Grenzen. „Ich hatte gedacht, dass das Schiff größer ist“, sagte Rebecca Albers. Die Rettungshelferin des Ortsverbandes Ahlhorn ist andere Schiffe gewohnt. Sie hatte bei der Emsüberführung der AIDAstella den Sanitätsdienst beim Emssperrwerk in Gandersum unterstützt.


Ganz dumm erwischt hatte es die MAnV-Bereitschaft. Nachdem sie den ganzen Tag ohne Einsatz in der Unterkunft in Bereitschaft gesessen hatte, erreichte sie um 22:00 Uhr eine Stunde vor Feierabend ein Alarm. Am Hamburger Hauptbahnhof gab es eine Nachtveranstaltung mit Gottesdienst, die nicht angekündigt und damit auch nicht sanitätsdienstlich besetzt war. Sofort rückte die MAnV-Bereitschaft aus und baute eine Sanitätsstation auf, die bis morgens um halb drei Uhr besetzt blieb. Hilfe musste aber nicht geleistet werden. „Das spielt keine Rolle. Wir geben aber mit unserer Anwesenheit den Menschen ein gutes Gefühl“, sagt Marco Raßmann, Sanitätshelfer des Ortsverbandes Nordenham und in Hamburg im Einsatz.

 

Für den dritten Tag, den morgigen Freitag, wird mit deutlich mehr Einsätzen gerechnet. Auf der Bühne Strandkai tritt Stephanie Heinzmann auf, erwartet werden mehr als 15.000 Besucher. Parallel eröffnen die Helfer aus Weser-Ems mit Kollegen aus ganz Deutschland einen zweiten Einsatzabschnitt am Stadtpark, wo heute Abend die Wise Guys vor geschätzten 150.000 Gästen auftreten werden (johanniter.de/weser-ems berichtet morgen).


Währenddessen haben die beiden Rettungsfahrzeuge, die der Regionalverband eigentlich zur Unterstützung der Unfallhilfsstelle mit in den Einsatz gebracht hat, reichlich mit Notfällen im Stadtgebiet zu tun. Besonders legendär: Nachdem sich der Rettungssanitäter Stefan Onken aus Nordenham und sein Kollege Torsten Dallmeyer, Rettungsassistent aus Ahlhorn, bereits gegen viertel nach elf am Abend abgemeldet hatten, mussten sie wegen eines lebensdrohlichen Zwischenfalls an der Unfallhilfsstelle am Rathausmarkt wieder zurück in den Einsatz.  Dort nahmen einen älteren Herrn auf, bei dem der anwesende Notarzt aus Lübeck den Verdacht auf einen Riss der Bauchschlagader geäußert hatte. Nach umfangreicher notfallmedizinischer Versorgung brachte das Rettungsteam ihren Patienten sicher in das Universitätsklinikum Hamburg.


Besuch an der Unfallhilfsstelle gab es auch wieder. Thomas Mähnert, Landesvorstand der Johanniter in Niedersachsen/Bremen, ließ sich von Regionalbereitschaftsführer Martin Hilse und Markus Wedemeyer die Einsatzplanung erklären und informierte sich direkt an der UHS 2 Strandkai über die Einsätze.Stephan Siemer, Dienststellenleiter des Ortsverbands Oldenburg, und Rettungswachenleiter Niels-Holger Brunkau schauten an der UHS und in der Unterkunft vorbei und sprachen den Kolleginnen und Kollegen ihres Ortsverbandes Anerkennung aus. „Was die hier in ihrer Freizeit leisten, ist einfach phänomenal“, sagte Brunkau.

 

Großes Interesse zeigte auch der Herrenmeister des Johanniterordens, Dr. Oskar Prinz von Preußen, der in Begleitung des Präsidenten der Johanniter-Unfall-Hilfe, Hans-Peter von Kirchbach, die UHS 2 besuchte. Stephan Ehm und Marcel Colter stellten die anwesenden Sanitäter vor und gaben anhand der Lagekarte einen Überblick. Uwe Drückhammer vom Ortsverband Wilhelmshaven zeigte den Gästen das Intensivzelt. Prinz von Preußen und von Kirchbach wollten genau wissen, wie viele Sanitäter an welchen Standorten eingeteilt sind. „Ihr macht hier einen ganz tollen Job. Weiter so!“, lobte der Herrenmeister.

Einsatz in Bildern

Die Fotos vom Einsatz der Regionalbereitschaft Weser-Ems beim 34. Evangelischen Kirchentag finden Sie hier.

Weitere Infos

Weiterführende Informationen zum Einsatz der Johanniter beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag finden Sie hier.