Ein Paket Nächstenliebe: Jörg Bohlken vom Kältebus-Team versorgt Bedürftige und Obdachlose

Stefan Greiber/Fotos: Lukas Lehmann (2), Michael Zischke (1) - Delmenhorst, 26. Mai 2020

Jörg Bohlken gibt dem jungen Mann den Karton und fragt: „Und sonst alles gut? Was macht dein Bein?“. Der Mann verzieht das Gesicht zu einem Lächeln und entblößt dabei einige Zahnlücken. „Schon viel besser“, sagt er und klemmt sich den Karton unter dem Arm. Mit der anderen Hand nimmt er einen Kaffee entgegen. Jörg Bohlken ist Mitglied im Kältebus-Team des Ortsverbands Oldenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe und hat zusammen mit seinen Kameradinnen und Kameraden eine Bedürftigenhilfe organisiert, um Obdachlosen und einkommensschwache Familien während der Corona-Krise zu unterstützen. Er weiß, dass nette Worte, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit oft wichtiger sind was zu Essen und Futter für den vierbeinigen Begleiter. Doch gerade jetzt brauchen die Kunden des Kältebus Hilfe. „Die Schwächsten unserer Gesellschaft hat es am härtesten getroffen“, erklärt er. Zuverdienstmöglichkeiten sind weggefallen, Hilfseinrichtungen wie die Tafeln mussten schließen oder können nur unter strengen Auflagen arbeiten. „Was wir machen, ist Nothilfe, die unmittelbar die Betroffenen erreicht“, sagt Bohlken.

Der 49-jährige Vater von zwei erwachsenen Töchtern ist durch Zufall bei den Johannitern gelandet. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr absolvierte er die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Teil der Ausbildung war ein Praktikum in einer Rettungswache, das er im Ortsverband Oldenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe ableistete. „Irgendwie bin ich da hängen geblieben“, erzählt er. Zunächst unterstützte er im Sanitätsdienst, dann wurde er Teil der Realistischen Unfalldarstellung und war am Aufbau der Pyrotechnischen Schadensdarstellung beteiligt, einer Gruppe, die bei Übungen und rettungsdienstlichen Ausbildungen für Explosionen und Feuer sorgt. Schließlich trat er in die Psychosoziale Notfallversorgung ein. Die Einheit, kurz PSNV, kümmert sich bei Notfällen um unverletzte Beteiligte, zum Beispiel um Unfallzeugen oder Angehörige, deren Liebste überraschend oder aufgrund eines Unfalls verstorben sind. „Wir nennen es auch Erste Hilfe für die Seele“, sagt Bohlken, der hauptberuflich als Leitung Gebäudetechnik bei den Oldenburger Weser-Ems-Hallen arbeitet.

Der Kältebus ist ein Projekt dieses PSNV-Teams. Während der kalten Jahreszeit stehen Bohlken und die anderen Freiwilligen an zwei Tagen in der Woche auf dem Vorplatz am Hauptbahnhof und verteilen heiße Getränke, Suppe, Tiernahrung und warme Kleidung. Der Einsatz geht von Oktober bis März. Eigentlich ist jetzt Sommerpause. Dann kam das Virus. „Uns war sofort klar, dass wir hier helfen müssen“, sagt Bohlken. Viele „Stammkunden“ des Kältebus brauchen dringend Unterstützung, aber auch andere Menschen leiden unter den Einschränkungen. Deshalb umfasst die Bedürftigenhilfe auch die Lieferung von fertig gepackten Paketen an Haushalte, in denen die Not besonders groß ist. Dazu gehören Alleinerziehende, die zurzeit kein Jobs haben, mit minderjährigen Kindern. Vor allem in der Gastronomie und im Handel sind viele prekäre Arbeitsstellen weggefallen, die Menschen stehen auf der Straße. „Hier wollen wir ganz unbürokratisch helfen“, sagt Bohlken. Unterstützung gibt es von der Aktion Mensch e.V., der Aktion Deutschland Hilf (ADH) sowie des Sozialverbands Deutschland (SoVD) und der Oldenburger Kartonagenfabrik.

Bis Ende Juli läuft die Bedürftigenhilfe zunächst. Dann schauen Jörg Bohlken und seine Kollegen, wie es weitergeht. Ist die Not immer noch so groß wie jetzt, werden sie auch weiterhin Pakete ausfahren und freitags am Hauptbahnhof stehen. Und neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Tiernahrung für jeden ihrer Kunden ein nettes Wort und einen Kaffee haben.

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