Gegen die Isolation

Stefan Greiber - Varel, 25. Juni 2020

Johannes Büscher zuckt mit den Schultern. „Hilft ja nichts“, sagt der ehrenamtliche Ortsbeauftragte des Ortsverbands Norden der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Gerade jetzt brauchen uns die Menschen. Wenn wir jetzt nicht für sie da sind, ist es womöglich keiner.“ Büscher steht im Gemeinschaftsraum einer Wohnanlage für Senioren in Greetsiel, in der die Johanniter die Betreuungsleistungen verantworten. Der 67-jährige Fachkrankenpfleger für Intensivmedizin und Anästhesiologie und Lehrer für Pflegeberufe im Ruhestand gehört eigentlich selber zur Corona-Risikogruppe. Zu Hause bleibt er trotzdem nicht. Er will für die Menschen da sein, die selbstständig in den Wohnungen leben und deren Bewegungsspielraum durch die Corona-Krise ganz besonders eingeschränkt war. „Wir haben jetzt mehr zu tun als sonst“, sagt Büscher.

Er und seine hauptamtliche Mitarbeiterin informieren über die neuesten Entwicklungen in der Corona-Zeit, achten auf Einhaltung der Auflagen, geben Tipps zum Infektionsschutz, schlichten bei Konflikten, die aufgrund der coronabedingten Beschränkungen auftreten, und schauen regelmäßig nach dem Rechten. Viele der Bewohner sind sehr mobil und aktiv, gehören aber aufgrund ihres Alters zu den so genannten Risikogruppen, bei denen ein Verlauf schwerwiegende Folgen haben könnte, und müssen entsprechend vorsichtig sein. Deshalb ist sich Büscher der großen Verantwortung, die er für die Bewohner der Anlage hat, sehr wohl bewusst: „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis miteinander, die Menschen vertrauen uns und haben die Anordnungen infolge der Auflagen in der Corona-Krise sehr gut befolgt.“ Da Veranstaltungen wie Kaffeenachmittage und Frühstücksrunden in der Wohnanlage nicht stattfinden durften, haben sich die Aufgaben der Johanniter verändert. „Wir haben zum Beispiel eine Einkaufshilfe angeboten und Gespräche in Zweiergruppen mit entsprechenden Abstand geführt, um der sozialen Isolierung während der Beschränkungen entgegen zu wirken“, erzählt Johannes Büscher.

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand war Büscher auf der Suche nach einer sinnvollen Beschäftigung bei den Norder Johannitern eingestiegen. „Ich habe meinen Beruf geliebt und wollte auch nach Ende meines Arbeitslebens ist diesem Bereich aktiv bleiben“, erzählt er. 2014 übernahm er zunächst kommissarisch das Amt des Ortsbeauftragten und entwickelt seitdem den Ortsverband, der seinen Sitz mitten in der Norder Innenstadt an der Osterstraße hat, stetig weiter. 2017 kam die erste Betreute Wohnanlage an der Mackeriege in Norden hinzu, seit zwei Jahren betreuen die Johanniter auch die Menschen in der Anlage in Greetsiel. Für Johannes Büscher die ideale Beschäftigung: „Blaulicht ist nicht so mein Ding. Ich arbeite lieber mit Menschen“, erzählt er. Ganz besonders freue er sich über die Gespräche mit den Bewohnern. „Wir haben hier jeweils rund zur Hälfte Einheimische und Zugezogene“, berichtet er. „Das ist eine sehr schöne Mischung.“ Gerade die älteren Ostfriesen erzählen oft aus der Zeit, als der boomende Touristenort noch ein kleines Fischerdorf war. „Da kann ich als 67-Jähriger sogar noch was lernen.“

Seitdem die Reisebeschränkungen gelockert wurden, strömen die Touristen wieder nach Greetsiel. Im Ort herrscht reges Treiben, auch die Bewohner des Betreuten Wohnens gehen wieder raus. Johannes Büscher sieht es mit gemischten Gefühlen. „Ich freue mich, dass hier wieder Leben ist“, betont er. Aber mit der Zahl der Kontakte steige auch die Gefahr der Ansteckung. Der ehemalige Fach-Krankenpflege weiß, was das für Folgen haben kann. Daran sich selber zurückzuziehen hat er jedoch nie gedacht. „Die Menschen brauchen mich, und außerdem muss ich immer etwas um die Finger haben, damit man im Kopf fit bleibt.“ Die Betreuung von Menschen habe er gelernt. „Das kann ich gut, das macht mir Spaß, das mache ich, so lange ich es machen kann.“ Ehrenamtlich. Trotz Corona-Krise. Oder vielleicht gerade wegen der Corona-Krise.

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