Geschenktüten für ein wenig Hoffnung: Monika Flühe vom Johanniter-Hospizdienst schenkt ein Licht in schwieriger Zeit

Stefan Greiber - Löningen, 29. Mai 2020

Monika Flühe hat vor sich auf dem großen Tisch viele Sachen ausgebreitet: kleine Pudelmützchen, Mund-Nase-Masken, mit Sinnsprüchen versehende Schmetterlinge aus Papier, einzeln verpackte Teebeutel, kleine Bilderbücher und Gedichtbände, Süßigkeiten, Grußkarten und vieles mehr. Allen diesen Dingen ist eine Sache gemein: sie sind bunt und wirken positiv. Jeder, der eines dieser Teile in den Händen hält, verspürt automatisch positive Gedanken. Und das ist auch wichtig, denn die Empfänger der Tüten, in die Monika Flühe diese Dinge legt, befinden sich auf dem letzten ihres Lebens. Die 64-Jährige ist ehrenamtliche Hospizhelferin im ambulanten Hospizdienst der Johanniter in Löningen. Sie hatte die Idee, den Sterbenden und ihren Angehörigen während der Corona-Zeit mit diesen Präsenttüten etwas Freude zu schenken. Der ambulante Hospizdienst der Johanniter ist ehrenamtlich und zum Teil durch Spenden finanziert. Begleitungen sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen kostenlos und unbürokratisch, die Tüten natürlich auch.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen zur Eindämmung haben viele Menschen hart getroffen: Infizierte, Verdachtsfälle in Quarantäne, Arbeitnehmer in Kurzarbeit und Selbstständige am Rande der Insolvenz. Aber auch Menschen, die sich bereits auf dem letzten Weg ihres Lebens befinden, und ihre Angehörigen sind betroffen. Weit über die ohnehin schwierige Situation hinaus, mit dem sie ohnehin schon leben müssen. „Wir dürfen unsere Begleiteten aufgrund von Kontaktsperren zurzeit nicht besuchen“, sagt Monika Flühe. Stattdessen versuchen sie und die anderen ehrenamtlichen Hospizbegleiter und -begleiterinnen den Kontakt über das Telefon aufrecht zu erhalten. Zudem laden sie Angehörige und Betroffene zu Spaziergängen ein. Dort kann der vorgeschriebene Abstand eingehalten werden. Denn nicht jeder Betroffene liegt krank im Bett. „Hospizarbeit setzt sehr früh ein und geht weit über den Tod hinaus“, erklärt Hospizbegleiterin Karin Pascher. Falls notwendig, starten die ehrenamtlichen Johanniter mit der Begleitung direkt nach dem Erhalt der lebensverkürzenden Diagnose. Bis zum Ende kann da noch viel Zeit vergehen, teilweise mehrere Jahre. Auch nach dem Tod werden bisweilen die Begleitungen fortgeführt und den trauernden Angehörigen zur Seite gestanden.

Eine besondere Schulung für die Begleitung übers Telefon hat es für die Hospizhelferinnen nicht gegeben. „Das war auch nicht notwendig“, sagt Monika Flühe, die sich über weitere Ehrenamtliche, die sich als Hospizbegleiter engagieren möchten, freuen würde. „Wir telefonieren sowieso häufig mit den Menschen, die wir begleiten, und den Angehörigen.“ Dass sie die ihnen anvertrauten Menschen nicht mehr besuchen dürfen, hat sie trotzdem getroffen. „Das ist sehr hart“, gibt sie zu. So entstand die Idee mit den Tüten. „Wir wollen damit Menschen, die in unserer hospizlichen oder Trauerbegleitung betreut und derzeit nur durch telefonischen Kontakt begleitet werden, eine kleine Freude und Hoffnung und Mut machen“, sagt Petra Janssen, Koordinatorin des Johanniter-Hospizdienstes. Mehr als 30 Tüten sind gepackt und werden nach und nach von den Ehrenamtlichen zu den Menschen gebracht. Dabei dürfen die Boten gerne kreativ sein und die Übergabe mit einem Lied oder einem Gedicht verbinden. „Aber eben alles auf Abstand“, betont Janssen.

Die Tüten sind ganz unterschiedlich gepackt und jeweils auf die Empfänger abgestimmt. Nur ein Geschenk ist in jeder Tüte drin: ein kleines Pudelmützchen. „Wir wollen damit den Begleiteten sagen: Seien Sie gut behütet!“, erklärt Monika Flühe. Die Mützchen hat Rita Gronewold gestrickt, Bewohnerin des Betreuten Wohnens der Johanniter in Vechta. Rita Gronewold hat auch die Mund-Nase-Masken aus bunten Stoffen genäht, die ebenfalls beigelegt werden. Wie die Hospizbegleiter und -begleiterinnen engagiert auch sie sich ausschließlich ehrenamtlich – um den dunklen letzten Weg mit ein wenig Licht heller zu machen.

„Starke Helfer“ gibt es nur mit Ihrer Unterstützung!
Viele Helferinnen und Helfer zwischen Weser und Ems stehen bereit, um Tag und Nacht anzupacken, wenn Hilfe benötigt wird. Mit Ihrer Spende für die „starken Helfer“ unterstützen Sie die Ausrüstung und Ausbildung der Ehrenamtlichen und stärken ihnen für den nächsten Einsatz den Rücken.

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
IBAN: DE43 3702 0500 0004 3139 18 · BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: „Starke Helfer“

Oder spenden Sie online unter www.starkehelfer.de!