Noch mehr Praxis in den Erste-Hilfe-Kursen

Oldenburg, 12. März 2015

Johanniter-Unfall-Hilfe stellt weitreichende Änderungen zum 1. April vor

In der Erste-Hilfe-Ausbildung gibt es grundlegende Neuerungen: Die Grundausbildung Erste Hilfe sowie die Schulung für betriebliche Ersthelfer umfasst künftig weniger Unterrichtsstunden. Darauf haben sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) gemeinsam mit den Unfallversicherungsträgern geeinigt. Betriebshelfer und Führerscheinanwärter erlernen die Inhalte vom 1. April an in neun statt 16 Unterrichtseinheiten. Auch bei Fortgeschrittenen dauert der Kurs dann neun statt bisher acht Unterrichtsstunden. Im neuen Johanniter-Konzept „Erste Hilfe kompakt“ bedeutet die Neuausrichtung: mehr Praxis und weniger Theorie. Teilnehmende trainieren die richtigen Handlungen in verschiedenen Notfallsituationen.

 

„Voraussetzung für die Kürzung ist, dass viele Erste-Hilfe-Maßnahmen wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung im Laufe der Jahre vereinfacht wurden“, sagt Diana Borchelt, Ausbildungsleiterin im Johanniter-Regionalverband Weser-Ems. Wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass Menschen nachhaltiger Erste Hilfe lernen, wenn sich die Kurse auf die Vermittlung wesentlicher Inhalte beschränken. Erhalten bleiben auf jeden Fall die Wiederbelebung und Wundversorgung. In der Praxis sieht das beispielsweise so aus: Der Ausbilder erklärt und zeigt, wie die stabile Seitenlage richtig ausgeführt wird. Anschließend trainieren die Teilnehmer in kleinen Gruppen die Anwendung – wobei sich die Bedingungen ändern können. Mal liegt die Person bereits auf dem Rücken, ein anderes Mal muss sie erst in die Position gelegt werden. Die Teilnehmenden wechseln in der Übungsphase die Rollen als Helfer oder Verletzter, so dass ein Perspektivwechsel möglich ist. Innerhalb der Übungsgruppe wird eine Lösung erarbeitet.

 

„Durch den intensiven Austausch in der kleinen Gruppe prägt sich die Handlungsabfolge sehr gut ein“, erläutert Borchelt. Kooperatives Lernen heißt diese zeitgemäße pädagogische Methode, die innerhalb des Johanniter-Bildungssystems auch in anderen Bildungsbereichen gebräuchlich ist. „Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt die Regionalausbildungsleiterin. Frühzeitig sind deshalb die rund 130 Ausbilderinnen und Ausbilder im Regionalverband didaktisch weitergebildet worden – symbolisch fürs „Auf den Weg machen“ hat jeder Ausbilder mit der Schulung auch einen Rucksack erhalten, in dem sich das neue Unterrichtsmaterial befindet. „Mit unseren Teilnehmern reisen wir auch durch den Körper, um Lernfelder wie zum Beispiel ‚Keine Atmung?‘ zu besprechen“, sagt Borchelt. „Zudem sind unsere Ausbilder in der ganzen Region unterwegs – der Rucksack ist also auch sehr praktisch.“ Von Emden bis Delmenhorst, von Lingen bis Wilhelmshaven – in 20 Ortsverbänden in Weser-Ems haben die Johanniter im vergangenen Jahr rund 19.171 Menschen in 1666 Kursen in Erster Hilfe ausgebildet. 

 

 

Weitere Informationen zum Ausbildungsangebot der Johanniter gibt es unter dem gebührenfreien Serviceruf 0800 0019214 oder unter www.johanniter.de/weser-ems.