Die Johanniter bauen ein Haus – und darin eine Kirche

Stefan Greiber - Aurich, 28. April 2019

Eine kleine Szene, die Hardwig Kuiper schwer beeindruckte. „Heute Morgen liefen zwei Johanniter an mir vorbei, die Holzbänke ins Gebäude schleppten“, erzählte der Erste Stadtrat der Stadt Aurich in seinem Grußwort bei der Eröffnung der neuen Dienststelle des Ortsverbands Aurich der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Einer dreht sich zu mir um und sagte: ‚Wir bauen uns gerade eine Kirche‘.“ Das sei für Kuiper, der als Vertreter des Bürgermeisters an der Feier teilnahm, sinnbildlich für die Arbeit der Johanniter. Spontan auf veränderte Bedingungen reagieren und dann alle mit anpackend. „Diese Eigenschaften machen die Johanniter für die Stadt Aurich so wertvoll.“

Notwendig wurde der spontane Kirchenbau aufgrund der Witterungsverhältnisse. „Bei der Anfahrt heute Morgen habe ich gedacht, dass sieben Grad Außentemperatur und 80 Prozent Regenwahrscheinlichkeit für einen Open Air Gottesdienst vielleicht doch nicht die besten Voraussetzungen sind“, sagte Pastorin Cathrin Meenken, Ortsverbandspfarrerin der Auricher Johanniter. Also wurde der Ort des Gottesdienstes in den Ausbildungsraum der neuen Dienststelle am 2. Leegmoorweg 2 B verlegt. In ihrer Predigt nahm Pastorin Meenken den Bezug zum Bauen wieder auf. „Jesus Christus ist das Fundament von Gottes Haus“, sagte sie. „Er hat es ganz besonders sicher gemacht.“ Jeder Mensch sei wie ein Stein, der seinen Platz in diesem Haus habe. Und niemand könne tiefer fallen als auf das Fundament von Christus. „Auf Gottes Baustelle geht niemand verloren.“ Schon Petrus habe gesagt, dass Gottes Wort der Zement sei, der die Menschen zusammen hält.

Markus Wedemeyer, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems, erinnerte an die bevorstehende Europawahl. „Ich bin dankbar, dass wir in Europa seit vielen Jahrzehnten zwar oft aufgeregt miteinander diskutieren, aber nicht mehr aufeinander einschlagen und noch nie ein Panzer durch unsere Stadt gefahren ist und mein Haus zusammen geschossen hat.“ Doch die europäische Idee müsse vor Ort gelebt werden. Vor ein paar Wochen habe er sonntagabends Andreas Töpfer, Ortsbeauftragter der Auricher Johanniter, angerufen. „Ich habe gesagt: ‚Andreas, ich habe ein Problem in Osnabrück. Ich brauche dich und deine Leute.‘ Und obwohl der Aufbau der Betreuungsgruppe noch gar nicht abgeschlossen ist, hat Andreas nur gesagt: ‚Gibt mir zehn Minuten!‘.“ Nach Ablauf dieser Frist konnte der Auricher Ortsbeauftragte sieben einsatzbereite Retter melden, die nach Osnabrück fuhren und sich um die Passagiere eines gestrandeten Zuges kümmerten. Wedemeyer hoffe, dass solche Einsätze auch in 40 Jahren noch selbstverständlich sind, und zwar nicht nur bei Notfällen in Deutschland, sondern auch wenn in den Niederlanden oder Frankreich Hilfe benötigt werde.

Sebastian Schulz kam mit einem lachenden und einem weinenden Auge zur Eröffnung der neuen Dienststelle. „Als Ortsbürgermeister der Stadt Aurich bin ich traurig, dass die Johanniter mit dem Umzug meinen Zuständigkeitsbereich verlassen haben. Aber als Johanniter freue ich, dass wir endlich ein neues Zuhause gefunden haben.“ Ortsbeauftragter Andreas Töpfer freute sich auch über Verstärkung bei der Führung des Verbandes. Zukünftig wird er von Thomas Kappenhagen unterstützt. Regionalvorstand Wedemeyer ernannte den 36-Jährigen während des Gottesdienstes offiziell zum stellvertretenden Ortsbeauftragten. Der übernahm auch gleich eine Aufgabe und verabschiedete Jörg Bröse-Bull als Leiter der inzwischen aufgelösten Speziellen Rettung aus Höhen und Tiefen, kurz Höhenrettung. Beruf und Privatleben ließen nicht mehr genug Zeit zur Führung einer solch herausfordernden Spezialeinheit. „Wir danken dir für die vielen Jahre und möchten, dass du weißt, dass du jederzeit herzlich eingeladen bist, wieder einzusteigen.“ Die nächste Zeit wird er allerdings beschäftigt sein: Zum Abschied gab es einen Wäschekorb mit außergewöhnlichen Biersorten.