PatientenShuttle im kassenärztlichen Bereitschaftsdienst muss bekannter werden

KVN-Bezirksstelle Aurich - Aurich, 12. Juni 2019

Vertreter der Johanniter, der KVN und der Hochschule Emden/Leer stellten jetzt die Zwischenergebnisse des Patientenshuttles vor.

„Der Bekanntheitsgrad des kostenlosen Fahrdienstes zur kassenärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis in Aurich für Patientinnen und Patienten des Altkreises an Wochenenden und Feiertagen muss gesteigert werden.“ Dies ist das Fazit des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch, am heutigen Mittwoch in Aurich. Im Sommer 2018 hatte die KVN-Bezirksstelle Aurich das Modellprojekt „PatientenShuttle“ gestartet. Der PatientenShuttle fährt in den Städten Aurich und Wiesmoor sowie in den Gemeinden Großefehn, Ihlow und Südbrookmerland. Er holt Patientinnen und Patienten an Wochenenden und Feiertagen während der Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstpraxis (09:30 bis 13:30 Uhr und 16:30 bis 19:30 Uhr) von Zuhause ab und bringt sie kostenlos in die Praxis an der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich. Der Fahrdienst ist über die bundesweit einheitliche Rufnummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes 116117 erreichbar.

Das Pilotprojekt wurde im Sommer 2018 von der KVN für zwei Jahre eingerichtet. Es wird durch die Hochschule Emden/Leer wissenschaftlich begleitet. Jetzt liegen erste Zwischenergebnisse der Evaluation vor. Sieben Studierende der Hochschule Emden/Leer unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Kerstin Kamke haben am zweiten Mai-Wochenende eine Kurzumfrage in der Bereitschaftsdienstpraxis vor Ort durchgeführt. „Ziel war es, den Bekanntheitsgrad des Fahrdienstes zu untersuchen“, sagte Prof. Kamke vor Medienvertretern in Aurich.

„Insgesamt sind 51 Fragebögen ausgewertet worden. 82 Prozent der Befragten in der Bereitschaftsdienstpraxis kannten den Patienten-Fahrdienst nicht. 35 der 42 Personen, die den PatientenShuttle bisher nicht kannten, würden ihn aber nutzen. Geeignete Marketing-Maßnahmen sollten das Nutzungspotential heben“, so Prof. Kamke. Vertreter des Ortsverbandes Aurich der Johanniter-Unfall-Hilfe, die die Koordination der Einsätze und den Transport der Patienten übernimmt, waren mit dem PatientenShuttle bei der Umfrageaktion präsent.

Der Shuttle fährt über Land, holt die Patienten von zu Hause ab, bringt sie zur Bereitschaftsdienstpraxis in Aurich und nach der Behandlung wieder zurück nach Hause. „Der diensthabende Arzt kann somit seine Hausbesuche während des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes reduzieren", sagte Dr. Volker Niehaus, Vorsitzender des KVNBezirksausschusses Aurich. „Unser Ziel ist es, die Zahl der angeforderten Hausbesuche im Bereitschaftsdienst zu reduzieren und somit unsere Mitglieder zu entlasten“, ergänzte Barjenbruch.

„Außerdem ist bei wirklich zahlreichen Erkrankungen die Versorgung in einer Praxis besser als zu Hause, und im Zweifel ist die Klinik gleich nebenan“, so Dr. Lukas Bockelmann, KVN-Kreisstellensprecher Aurich. Die Koordination der Einsätze übernimmt das KundenServiceCenter der Johanniter-Unfall-Hilfe am Standort Oldenburg über die Telefonnummer 116117. „Ein Mitarbeiter der Johanniter entscheidet, wie es nach dem Anruf weitergeht. Soll der Patient vom PatientenShuttle abgeholt werden oder soll doch ein Bereitschaftsdienstarzt einen Hausbesuch machen, weil der Patient nicht transportfähig ist?“, beschrieb Peter Hilbink, Leiter des KundenServiceCenter der Johanniter-Unfall-Hilfe, das Vorgehen.

„Gerade im weitläufigen Ostfriesland ist diese Entscheidung von Interesse“, bestätigte Niehaus. Bis zu 26 Kilometer muss der Wagen zurücklegen, wenn er die Patienten aus dem entferntesten Zipfel des Einzugsgebietes abholen will. Mit dem Shuttle schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, kommentierte Barjenbruch, „Wir reduzieren die Zahl der diensthabenden Ärzte, da im Fahrdienst kein Arzt mehr mitfährt, und sorgen für eine verstärkte Auslastung der Bereitschaftsdienstpraxis. Das verspricht Effizienzgewinne.“