Superman sprang schließlich doch

Stefan Greiber - Aurich, 19. Januar 2020

Die Johanniter-Unfall-Hilfe hat Helene Frieden zur Dienststellenleiterin des Ortsverbands Aurich eingeführt. In dieser Funktion führt die 56-Jährige zukünftig gleichberechtigt mit dem ehrenamtlichen Ortsbeauftragten Andreas Töpfer und dessen Stellvertreter Thomas Kappenhagen den 2004 gegründeten Verband. In einem Gottesdienst in der Auricher Lamberti-Kirche wurde ihr der Segen für ihre Aufgabe erteilt. In der Predigt ging es um einen kleinen Jungen in einer Superman-Badehose. „Die Johanniter-Unfall-Hilfe gründet sich auf dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder“, sagte Töpfer beim anschließenden Festempfang. Doch manchmal werde ein Verband so groß, die Arbeit so umfangreich, dass es nicht mehr möglich ist, ihn neben den 40-stündigen Hauptberuf ehrenamtlich zu führen. „Ich bin sehr dankbar, dass der Regionalverband unserer Bitte entsprochen hat, den Ortsverband Aurich zukünftig auch hauptamtlich führen zu dürfen.“

Für Wilfried Barysch, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems, war es ein logischer Schritt. „Wir haben hier mittlerweile elf hauptamtlich Mitarbeitende und einen Bundesfreiwilligendienstler in der Integrationsarbeit und dem Patiententransfer, außerdem wollen wir den Hausnotruf mit eigenen Einsatzdienst weiter ausbauen.“ Auch die Breitenausbildung mit Kursen in Erster Hilfe und Betriebshelfer wachse. „Im vergangenen Jahr haben wir in Aurich 1211 Teilnehmende in 99 Kursen ausgebildet.“ Tendenz steigend. Das sei auf Dauer einer ausschließlich ehrenamtlichen Führung nicht mehr zuzumuten gewesen. „Uns war klar: wir mussten strukturell etwas ändern.“ Mit Helene Frieden sei die ideale Wahl getroffen worden.

Frieden ist 2015 während der Flüchtlingskrise zu den Johannitern gekommen. Als Mitbegründerin der Auricher Flüchtlingshilfe, gelernte Hotelfachfrau und studierte Kulturwissenschaftlerin übernahm sie die Teamleitung für das Belegungsmanagement in der Notunterkunft Aurich in der ehemaligen Blücher-Kaserne. Nach der Schließung der Notunterkunft im Dezember 2016 blieb sie als Leiterin der Stabsstelle Integration des Regionalverbands Weser-Ems bei den Johannitern, hatte ihr Büro weiterhin in Aurich. Als Dienststellenleiterin soll sie auch die Integrationsarbeit weiter entwickeln. „Aurich ist ein Vorzeigemodell für gelungene Integrationsarbeit“, lobte Barysch. Karin Lübbers-Kopp und ihr Team leisteten ganz tolle Arbeit. „Echte Hilfe für Geflüchtete wird hier in Aurich gelebt.“ Mittlerweile sei der Ortsverband offizieller Integrationsstandort, der erste Integrationskurs ist gestartet. „Wenn es überall so toll laufen würde wie hier in Aurich, würde es in Deutschland sehr viel besser aussehen“, betonte Barysch.

„Angefangenen haben wir mit zehn Frauen und ein paar Kinder drum herum“, erinnerte sich Helene Frieden an die Anfänge der Integrationsarbeit im Ortsverband Aurich. Zurzeit lernen mehr als 80 Frauen mit Fluchterfahrung, während ihre Kinder von den Johannitern betreut werden. „Wir dürfen die Frauen auf ihrem Weg in die Gesellschaft in Deutschland fördern und begleiten. Das macht uns sehr stolz“, sagte Helene Frieden. Dies sei nur möglich, weil der Ortsverband ein starkes Team mit engagierten ehrenamtlich Helfenden sei. „Es erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit, diesen Ortsverband zu führen. Wir stehen zwar in über 900-jährigen Tradition der Johanniter, aber trotzdem vor einer spannenden Zukunft mit vielen Herausforderungen.“

Hinrich Röben (SPD), stellvertretender Bürgermeister der Stadt Aurich, überbrachte die Grüße des Rates. „Ich bin beeindruckt, was die Johanniter hier alles machen, und dankbar, dass wir auch in Zukunft in der Stadt Aurich auf Sie zählen können.“ Sebastian Schulze, Ortsbürgermeister der Kernstadt Aurich und aktiver Helfer bei den Johannitern, überbrachte Helene Frieden einige Geschenke, darunter ein Blutdruckmessgerät mit eingraviertem Namen. „In deiner neuen Funktion solltest du stets den Druck im Auge behalten“, erklärte er augenzwinkernd. „Und bei einigen muss man auch mal etwas Luft ablassen.“ Das Abschleppseil würde er aber wieder mitnehmen. Mit ihm demonstrierte Schulze nur, wie wichtig es sei, wenn alle am gleichen Strang in dieselbe Richtung ziehen. „Nur so können wir den Menschen wirklich helfen.“

Ein Geschenk hatte zuvor im Einführungsgottesdienst in der Auricher Lamberti-Kirche auch Pastorin Angelika Scheepker überreicht. Der Schirm in Regenbogenfarben steht für Schutz, aber auch für Vielfalt, die geschützt werden muss. In seiner Predigt ging Pastor Dr. Stefan Welz, Regionalverbandspfarrer der Johanniter in Weser-Ems, auf den Mut ein, der notwendig sei, um Herausforderungen anzunehmen. Dazu erzählte er die Geschichte eines kleinen Jungen in einer blauen Badehose mit der Aufschrift „Superman“, der im Schwimmbad vom Startblock springen wollte, um sein Seepferdchen zu bekommen. „Das Problem: Superman sprang nicht“, erzählte Welz. Erst nach gutem Zureden brachte er den Mut auf und sprang gleich ein zweites Mal hinterher. „Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, Rückgrat zu zeigen ohne zu wissen, wie es ausgeht“, sagte Welz. Helene Frieden zeige mit ihrer Entscheidung, die Dienststellenleitung zu übernehmen, dieses Rückgrat. „Deshalb, liebe Helene, springt!“