Kleine Revolution ist ein großer Erfolg

Stefan Greiber - Oldenburg, 29. Januar 2020

Es war die größte Strukturveränderung innerhalb der Johanniter-Unfall-Hilfe oder, wie es Wilfried Barysch, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems, formulierte: „Eine kleine Revolution.“ 1994 plante die 1952 gegründete Hilfsorganisation erstmals die Schaffung einer neuen Hierarchie-Ebene: Zwischen den Landesverbänden und den Ortsverbänden, in denen vor allem die operative Arbeit gemacht wurde, sollten Regionalverbände geschaltet werden. „Es gab im Dezember 1994 ein Treffen mit den Ortsverbänden“, erinnerte Barysch sich. „Es haben nicht alle Hurra geschrien.“ Die Ortsverbände fürchteten einen Verlust von Freiheit und Selbstständigkeit und sahen in der neuen Ebene nur einen unnötigen Kostenfaktor. Doch es gab auch gute Gründe: Das rasante Wachstum der Johanniter-Unfall-Hilfe machte eine räumlich nähere Verwaltung mit kürzeren Wegen notwendig. Das überzeugte schließlich auch die größten Skeptiker, so dass am 1. Januar 1995 neben vielen anderen auch der Regionalverband Weser-Ems gegründet wurde. Hauptamtlicher Vorstand schon damals: Wilfried Barysch. Jetzt feierte er mit einem Grünkohlessen gemeinsam mit seinen ehrenamtlichen Vorstandskollegen sowie den Mitarbeitenden der Regionalgeschäftsstelle und den Leitungen aller inzwischen 21 Ortsverbände das 25-jährige Jubiläum.

Insgesamt waren fast 60 Gäste gekommen, darunter auch Baryschs ehrenamtliche Vorstandskollegen Thomas Lemke und Markus Wedemeyer sowie Uwe Beyes, Mitglied im Landesvorstand Niedersachsen/Bremen. „Weser-Ems ist für uns ein Vorbild als Regionalverband und eine wirtschaftliche Stütze im Landesverband“, sagte Beyes. In 25 Jahren waren die Zahlen nie rot. „Hier wird hochprofessionell und konsequent gearbeitet. Ihr seid das Fundament des Landesverbands“, war Beyes voller Lob für das Erreichte. Ein Geschenk hatte er auch dabei und überreichte Wilfried Barysch für seine insgesamt 30-jährige Tätigkeit für die Johanniter-Unfall-Hilfe die Jubiläumsuhr der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Bei der Feier dabei war auch der damals größte Skeptiker der neuen Verbandsebene: Diether Liedtke, Ortsbeauftragter des Ortsverbands Stedingen. Doch trotz seines anfänglichen Misstrauens ist er heute immer noch ehrenamtlicher Ortsbeauftragter und schon lange von der Richtigkeit der Entscheidung damals überzeugt. Angefangen hatte der Regionalverband mit zehn Ortsverbänden. Ziel war es auch, weitere Verbände zu gründen. „Wir als Hilfsorganisation müssen dahin gehen, wo die Menschen sind, denen wir helfen wollen“, erklärte Barysch. „In der Fläche.“ Los ging es 1998 mit dem Ortsverband Moormerland mit Sitz in Warsingsfehn, gegründet von Diana Borchelt, die auch heute noch den Verband leitet. Danach ging es Schlag auf Schlag, bis im Februar 2019 mit Hude der insgesamt 21. Verband in Weser-Ems gegründet wurde.

Ein Verband hat eine Sonderstellung: Der Ortsverband Osnabrück kam nicht als Neugründung hinzu, sondern wurde 2002 integriert. Er war zuvor als Regionalverband West eigenständig, aber mit nur einem Ortsverband nicht wirtschaftlich zu führen. Mit der Integration umfasst der Regionalverband Weser-Ems dann auch endlich das gesamte Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Weser-Ems und wurde damit seinem Namen gerecht. Zuvor waren bereits andere Namen diskutiert worden, unter anderem „Regionalverband Nordwest“. Es war Hans-Ulrich Diers, damals Ortsbeauftragter des Ortsverbands Oldenburg und ab 1. Januar 1995 ehrenamtlicher Regionalvorstand, der mit einem deutlichen „So ein Quatsch. Wir sind Weser-Ems!“ der Namensdiskussion ein Ende setzte. Diers war an der Seite von Barysch wesentlich an der guten Entwicklung des Regionalverbands und seiner Ortsverbände beteiligt, bevor er vor genau fünf Jahren nach exakt 50-jährigen aktiven ehrenamtlichen Engagements und 20 Jahren im Regionalvorstand von seinem Amt zurücktrat. Seitdem kümmert er sich als Vorstand a. D. um die Integration neuer ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer in den Verband. „Du bist seit 55 Jahren unser Fels in der Brandung“, sagte Barysch. „Ohne dich wären wir heute nicht da, wo wir stehen. Wir waren zwar nicht immer einer Meinung, aber da passte kein Blatt dazwischen.“

Heute hat der Regionalverband Weser-Ems annähernd 40 Millionen Euro Umsatz, fast 900 Hauptamtliche und mehr als 1500 Ehrenamtliche, 650 Kinder und Jugendliche in der Johanniter Jugend und 35.200 fördernde Mitglieder. Grund für das Wachstum sind auch zahlreiche Dienstleistungen, die in den vergangenen Jahren neu hinzugekommen sind wie Kindertagesstätten, Betreute Wohnanlagen, Quartiersmanagement und vieles mehr. „Was uns aber auch ausmacht, ist der Mut, Neues auszuprobieren“, betonte Barysch. Das zu tun, was andere nicht tun wollen oder können. Dazu gehören der Gas- und Brandschutzservice für Unternehmen, die Offshore Rettung, der Intensivverlegungsdienst, Projekte in der Telemedizin, Forschung und Entwicklung und anderes. Für Barysch ist die Arbeit im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems der Traumberuf: „Mir würde was fehlen, wenn das nicht mehr wäre.“ Denn die Arbeit mache riesigen Spaß, trotz der großen Verantwortung. „Vor allem, weil wir jeden Tag mit Menschen und für die Menschen arbeiten dürfen. Das ist ein Geschenk Gottes.“