Ein Ortsverband mit zwei „Muttis“

Stefan Greiber - Schortens, 29. April 2018

Fast auf den Tag genau 30 Jahre nach der Gründung des Ortsverbands Jeverland der Johanniter-Unfall-Hilfe endet eine Ära. Jürgen Szkodowski, der mit der Gründung am 1. April 1988 zum Ortsbeauftragten ernannt worden war, übergab sein Amt an Claudia Bothe. „Ich werde in genau 68 Tagen pensioniert“, sagt der Berufsschullehrer. „Da ist es Zeit, auch das Ehrenamt bei den Johannitern in jüngere Hände zu geben.“ Ganz verabschieden wird er sich aber nicht, sondern sich weiterhin bei der Feldküche sowie in der Ausbildung engagieren. Mit Claudia Bothe hat er eine Nachfolgerin gefunden, die über viel Erfahrung in der Hilfsorganisation verfügt.

Die heute 42-jährige Sanitätsfachangestellte war am 1. Februar 1986 als damals Achtjährige den Johannitern beigetreten. Mitglied wurde sie in der damaligen Jugendgruppe Schortens des Kreisverbands Wilhelmshaven der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Vorgängerverband des heutigen Ortsverbands Jeverland. „Jürgen hat mich quasi mit großgezogen“, sagt sie. Mit zwölf Jahren nahm sie am Gründungsgottesdienst und der Ernennung von Jürgen Szkodowski zum Ortsbeauftragten teil, sprach in der Kirche zusammen mit anderen Johanniter-Jugendlichen die acht Segenspreisungen aus der Bergpredigt Jesu, die von den acht Spitzen des Johanniterkreuzes symbolisiert werden. Pastor Gerd Küsel, der auch den Gottesdienst vor 30 Jahren geleitet hatte, nahm das zum Anlass, diese Aktion mit den heutigen Johanniter-Jugendlichen zu wiederholen. Bothe zur Seite steht Karin Meyer, die schon seit 2013 Szkodowski vertreten hat und jetzt offiziell zur stellvertretenden Ortsbeauftragten ernannt worden ist.

„Karin wird im Einsatz von ihren Helfern ‚Mutti Karin‘ genannt“, erzählt Markus Wedemeyer, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe, in seiner Ansprache. „Das ist ein Titel, den du dir erarbeitet hast und der voller Respekt ist.“ Aber auch typisch für den Ortsverband Jeverland, der wie eine Familie sei. Claudia Bothe sei in dieser Familie groß geworden, übernehme nun die Verantwortung und sei wie die zweite Mutti. Wedemeyer erinnere sich gut an einen späten Freitagabend im August 2015, als er Jürgen Szkodowski anrief und ihm sagte: „Jetzt kommt es darauf an.“ Szkodowski habe erst geschluckt, weil er seine Helferinnen und Helfer im Unterstützungseinsatz im Sanitätsdienst in Oldenburg verplant hatte. Aber wie es in einer intakten Familie üblich sei, habe er die Johanniter nicht hängen gelassen. „Eine Stunde später stand eine Gruppe Helfer aus Jeverland in meinem Stabsraum und ich konnte sie in einen Einsatz schicken, aus dem sie erst am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder zurückkehrten.“ Das, fasst Wedemeyer zusammen, sei der Anfang der Flüchtlingswelle in Niedersachsen gewesen. Und typisch für Jürgen Szkodowski und seine Jeverlander: Egal wie groß das Problem sei, es wird gelöst.

Eine Eigenschaft, die auch Anne Bödecker, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Schortens, sehr schätzt. „Sie haben viele wertvolle Leistungen für die Stadt Schortens erbracht“, lobte sie. Dazu gehöre auch die tatkräftige Mithilfe beim Ausbau der Alten Brauerei zum Bürgerzentrum. Jens Kessemeier, Leiter der Subkommende Ostfriesland-Wilhelmshaven des Johanniterordens, versprach Claudia Bothe die volle Unterstützung des Ordens. Zuvor hatte Pastor Gerd Küsel in seiner Predigt während des Gottesdienstes Bezug auf den Korintherbrief des Apostels Paulus genommen. „Paulus war der typische Ehrenamtliche“, sagte Küsel. „Immer vorneweg und engagiert, aber oft auch angefeindet.“ Das erleben viele Ehrenamtliche, die immer mit Gegenwind, Nörgelei und Rechthaberei rechnen müssen. Paulus habe aus dem Glauben an Gott die Kraft für seinen Einsatz gezogen. Diese Kraft wünsche er auch Claudia Bothe und Karin Meyer für ihr Amt.