Barmherzigkeit jeden Tag aufs Neue versuchen

Stefan Greiber - Nordenham, 01. Dezember 2019

Der Ortsverband Nordenham hat nach mehr als 30 Jahren wieder eine Ortsverbandspfarrerin. In einem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche Nordenham wurde Pastorin Heike Boelmann-Derra feierlich in ihr Amt eingeführt. „Es ist mir eine große Ehre. Ich möchte euch so zur Seite stehen, wie ihr es braucht“, versprach sie. Die Einführungsworte sprachen mit Karin Hermann, Tina Wessels, Birgit Beerhorst, Klaus Martin und Mike Stellert aktive ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus den Bereichen Betreuungsdienste, Auslandshilfe und Einsatzdienste des Ortsverbands Nordenham, die Ernennungsurkunde verlas Ortsbeauftragter Matthias Dirksen. Erster Gratulant war Bürgermeister Carsten Seyfarth, der noch in der Kirche seinen Dank an die Johanniter für ihr hohes ehrenamtliches Engagement aussprach.

In ihrer Predigt erzählte Boelmann-Derra eine jüdische Parabel, in der ein Rabbi den Besuch Gottes erwartet und Kuchen backt. Als nacheinander ein Kind, ein alter Mann und ein hungriger Bettler an seine Tür klopfen und um einen Kuchen bitten, weist er alle ab. Gott kommt nicht, so beschwert sich der Rabbi am nächsten Tag bei ihm. Dieser antwortet: „Ich war dreimal da, doch du hast mich nicht erkannt.“ „Diese Parabel steht für das, was Jesus sagt: Was du deinem Nächsten tust, tust du mir an“, sagte Boelmann-Derra und schlug den Weg zu den Johannitern. Die acht Spitzen des Johanniterkreuzes stehen für die acht Seligpreisungen aus der Bergpredigt. Eine davon ist den Barmherzigen gewidmet. „Barmherzigkeit ist ein hohes Gut, das wir jeden Tag aufs Neue versuchen müssen“, sagte Boelmann-Derra. Auch in Nordenham gebe es immer mehr Menschen, die hungern, denen zu essen gegeben und die gepflegt werden müssen. Eine Aufgabe, die die Johanniter übernehmen. „Ich habe großen Respekt vor dem, was ihr leistet.“

Heike Boelmann-Derra stammt gebürtig aus Brake, hat in Tübingen, Wien und Münster evangelische Theologie studiert, war Pastorin unter anderem auf Wangerooge und ist auf den Tag genau mit ihrer Ernennung zur Johanniter-Ortsverbandspfarrerin elf Jahren in Nordenham. 2016 bildete sich die heute 56-Jährige zur Trauerbegleiterin weiter, in diesem Jahr folgte die Fortbildung zur klinischen Seelsorgerin. Auch ihre Aufgabe als Ortsverbandspfarrerin sieht sie nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung ihrer Gemeindearbeit. „Es ist Aufgabe der Kirche, für Menschen in Not da zu sein.“ Die Ortsverbandspfarrerin gehört zusammen mit Matthias Dirksen, seinem Stellvertreter Klaus Martin und Ortsverbandsarzt Markus Wedemeyer zur Ortsverbandsleitung und ist damit wichtiger Teil der Führung.