Gut vorbereitet auf veränderte Notlagen

Wedemeyer/Fotos: Weiß - Nordenham, 24. Februar 2020

Immer wenn die öffentliche Infrastruktur aufgrund von Schadensereignissen ausfällt, kommen die ehrenamtlichen Bevölkerungsschützer des Betreuungsdienstes zum Einsatz. Gründe können extreme Wetter¬ver¬hältnisse ebenso sein wie Naturkatastrophen, etwa über die Ufer tretende Flüsse, oder Evakuierungen bei Bomben¬entschärfungen. „Die großen überregionalen Einsätze der vergangenen fünfzehn Jahre waren allesamt Betreuungslagen“, betont Martin Hilse, Regionalbereitschaftsführer der Johanniter in Weser-Ems. Trotz dieser Erkenntnis ist der Betreuungsdienst, der in solchen Lagen die wesentlichen Notwendig¬keiten des Lebens wiederherstellt, in den vergangenen Jahren eher stiefmütterlich behandelt wor¬den. Nach Ende der Kalten Krieges lagen die Schwerpunkte woanders, doch nach dem starken Zu-strom von Schutzsuchenden in den Jahren 2015 und 2016 hat ein Um¬denken stattgefunden. Das Katastrophenschutz-Konzept des Landes Niedersachsen hat der Betreuung eine intensivere Rolle zugewiesen.

Um dem gerecht zu werden, haben ehrenamtliche Bevölkerungsschutz-Experten der Johanniter in den vergangenen Jahren eine komplett neu strukturierte Ausbildung entworfen, die sich an den An¬forderungen der heutigen Zeit und den Vorgaben des Landes Niedersachsen orientiert und moderne Lehrmethoden abbildet. An den vergangenen drei Wochenenden wurde dieses Lehrgangs¬format nun erstmals in Nordenham getestet. Insgesamt 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Ortsverbänden Aurich, Ahlhorn und Nordenham beschäftigten sich unter anderem mit der besonderen Einsatz¬taktik des Betreuungsdienstes sowie mit der Registratur und Erfassung der Betroffenen. Am dritten Lehrgangstag entstand über einen ganzen Tag hinweg eine komplette Notunterkunft mit Essensausgabe, Schlaf- und Aufenthaltsräumen sowie Sanitätsstation an der Dienst¬stelle an der Viktoriastraße.

Weitere Themen waren der hygienisch einwandfreie Betrieb einer Lebensmittelausgabe sowie die Versorgung Betroffener mit Trinkwasser, die Zusammenarbeit mit anderen Fachhelfern und Laien sowie die soziale Betreuung. „Ein Schwerpunkt lag auf Beschäftigungsangeboten: Was kann ich mit den Leuten machen, wenn der Aufenthalt in der Unterkunft länger dauert?“, berichtet der Ortsverbandsarzt der Nordenhamer Johanniter, Markus Wedemeyer, der als Fachdozent für Bevölkerungsschutz den Lehrgang leitete: „Dazu kamen Trainingseinheiten in Kommunikation und Deeskalation für brenzlige Situationen und ein Abschnitt über Notfallseelsorge und psychische Erste Hilfe.“ Beim letzten Thema erhielt er fachkundige Unterstützung durch die Nordenhamer Ortsverbandsverbandspfarrerin Heike Boelmann-Derra. Wedemeyer ist mit dem Lehrgang zufrieden: „Die Rückmeldungen der Teilnehmenden sind gut und die beteiligten Ausbilder berichten von deutlich steigenden Lernkurven.“ Die Planungen für weitere Kurse haben bereits begonnen.