Das Geschrei ist groß nach dem Autounfall. Die Beifahrerin, die Mutter der jungen Frau am Steuer des Unglücksautos, bricht in Tränen aus, versucht zu ihrer Tochter zu kommen. Die wird gerade von Sanitäter der Johanniter-Unfall-Hilfe versorgt, die dabei nicht gestört werden sollten. Ernst Kroeck vom PSNV-Team der Oldenburger Johanniter greift ein, kümmert sich um die hysterische Mutter. Das ist eine der vielen Herausforderungen für die Retter beim Übungstag in der Sanitätsarena der Johanniter-Bildungseinrichtung Weser-Ems in Oldenburg. Sie müssen sich nicht nur um die verletzte Fahrerin kümmern, sondern auch um die Mutter, gespielt von Anja Siedenberg vom Ortsverband Emden. Rund ein Dutzend ehrenamtliche Helfer des Ortsverbands Oldenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe nahmen am Übungstag teil. Ziel war es, die eigenen Fähigkeiten für den Einsatz auf Sanitätsdiensten und im Bevölkerungsschutz zu überprüfen und Gelerntes zu festigen.

„Wir haben bei den Fallbeispielen darauf geachtet, dass sie sehr realitätsnah sind und dem entsprechen, was die Einsatzkräfte im Dienst erleben“, erklärt Leon Leßmann, Ausbildungskoordinator des Ehrenamtes der Oldenburger Johanniter. So war bei einer Fleischwunde ein echter Hund in der Nähe. Die Sanitäter mussten erkennen, dass es sich bei der Verletzung um einen Biss handelte. Zudem begannen alle Szenarien mit einer Meldung der Einsatzleitung über Funk an die entsprechenden Einsatzteams, die sich daraufhin zur Einsatzstelle begaben. Gemeinsam mit dem Team der Realistischen Unfalldarstellung (RUD) wurden 15 Fallbeispiele entwickelt, darunter acht chirurgische und sieben internistische Notfälle. Von Arm- und Beinbrüchen über Beckenfrakturen, verschiedenen Blutungen, Schädel-Hirn-Traumen, Atemnot, Krampfanfälle und Blinddarmentzündung bis hin zum Herzinfarkt war alles dabei.

Die Schiedsrichter bewerteten nach sechs Hauptaspekten die Leistung der Einsatzkräfte: Einsatztaktik, Einsatzablauf, Anamese, die richtige Anwendung der durchgeführten Maßnahmen je nach Qualifikation der Helfenden, die korrekte Übergabe an den Rettungsdienst und schließlich die Dokumentation des Einsatzes. „Wir sind mit den gezeigten Leistungen im Wesentlichen sehr zufrieden“, betont Leßmann. An der einen oder anderen Stelle gebe es noch etwas Verbesserungsbedarf, aber dafür seien Übungen da. „Wir wollen mit hilfreichen Tipps die Leistungen noch weiter verbessern“, sagt Leßmann. Robin Runge, stellvertretender Ausbildungskoordinator im Ehrenamt der Johanniter in Oldenburg, ergänzt: „Wir werden die Ergebnisse während des Helferabends am kommenden Mittwoch aufarbeiten und mit den Helfenden besprechen. So können alle offenen Fragen und Anliegen in aller Ruhe und ausführlich geklärt werden.“

„Wir werden an diesem Konzept weiterhin festhalten und freuen uns, dass die Ausbildungskoordination das Angebot fortführen wird“, fasst Lukas Lehmann, Ehrenamtskoordinator im Ortsverband Oldenburg lobend zusammen. „Auch wenn Leon Leßmann und Robin Runge mit dieser hervorragenden Umsetzung des ersten Fallbeispieltags die Messlatte bereits sehr hochgehängt haben, werden wir gemeinsam schauen, was wir noch verändern und ergänzen können. So bleiben die Fallbeispieltage auch in Zukunft eine neue und spannende Erfahrung für die Helfenden im Ehrenamt.“