Oldenburger Johanniter starten Corona-Bedürftigenhilfe

Stefan Greiber/Fotos: Lukas Lehmann, Michael Zischke - Oldenburg, 18. Mai 2020

Auch wenn viele Beschränkungen im öffentlichen Leben wieder zurückgenommen wurden, bleibt die Situation in der Corona-Pandemie weiter angespannt. Ganz besonders hart getroffen hat es die Schwächsten der Gesellschaft. Gerade für die Einkommensschwachen ist die Lage angesichts der wirtschaftlichen Ausfälle schwierig. „Vor allem Aushilfs- und Minijobs sind in den vergangenen Wochen massiv weggefallen“, erklärt Jörg Bohlken, Leitungsmitglied des Kältebus im Ortsverband Oldenburg der Johanniter-Unfall-Hilfe. „Vielen der ohnehin bedürftigen Menschen fehlen dringend notwendige Zuverdienstmöglichkeiten.“ Deshalb hat das Team des Kältbusses der Oldenburger Johanniter mit maßgeblicher Unterstützung der Aktion Mensch e.V., sowie des Sozialverbands Deutschland (SoVD), der Oldenburger Kartonagenfabrik und in Kooperation mit dem EDEKA-Markt Kempermann aus Oldenburg eine Corona-Bedürftigenhilfe aufgebaut, die jetzt an den Start gegangen ist.

„Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung und das Vertrauen in unser ehrenamtliches Engagement durch die beteiligten Institutionen und Unternehmen“, freut sich Lukas Lehmann, kommissarischer Fachbereichsleiter der Sondereinsatzdienste bei den Johannitern in Oldenburg, der sich um das Fundraising bemüht hat. Ab sofort teilen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer jeweils freitags von 18 bis 19.30 Uhr an dem im Winter gewohnten Standort auf dem Vorplatz des Oldenburger Hauptbahnhofs Pakete mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Tiernahrung und anderen Dingen des täglichen Bedarfs aus. Zudem werden die Johanniter zukünftig wöchentlich mit dem Kältebus Adressen von einkommensschwachen Personen beziehungsweise Familien in Oldenburg anfahren und kontaktlos Pakete überreichen. Geplant ist, um die 100 Pakete pro Woche zu verteilen.

„Wir kommen vorbei, stellen das Paket vor die Tür und klingeln“, erklärt Ernst Kroeck, der die Aktion gemeinsam mit Jörg Bohlken organisiert. Anschließend warten die Helfenden kurz, bis jemand rauskommt und das Paket in die Wohnung holt. „Die Einhaltung der Mindestabstände ist dabei immer einzuhalten“, betont Kroeck. Dank der Unterstützung durch die Aktion Mensch e.V., des Sozialverbands Deutschland (SoVD) und der Oldenburger Kartonagenfabrik sind die Lieferungen für die Betroffenen kostenfrei. Zusätzlich bitten die Johanniter um weitere Spenden für das ehrenamtliche Engagement online hier oder auf das Konto der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE43 3702 0500 0004 3139 18, BIC: BFSWDE33XXX unter dem Stichwort: „Starke Helfer Oldenburg“. Die Aktion ist zunächst bis 31. Juli befristet. Je nach Bedarf kann sie auch verlängert werden. „Wir müssen berücksichtigen, dass die Auswirkungen durch die Corona-Pandemie nachhaltig wirken. Dies gilt besonders für die Schwächsten in unserer Gesellschaft“, ergänzen Bohlken und Kroeck.

Über Aushänge und direkter Ansprache haben die Johanniter bereits Obdachlose und Bedürftige im Umfeld des Oldenburger Hauptbahnhofs über die Aktion informiert. Weitere Interessierte können sich und unbürokratisch telefonisch unter 0441 971900 oder per Mail an kaeltebus@juh-oldenburg.de bei den Johannitern melden unter Angabe von Namen, Anschrift und der Zahl der Erwachsenen, der Kinder, der Säuglinge und gegebenenfalls der Hunde und Katzen im Haushalt sowie einer Telefonnummer für Rückfragen. Die Pakete werden individuell aufgrund dieser Angaben gepackt. „Erwachsene haben einen anderen Bedarf als Kinder oder Säuglinge“, sagt Jörg Bohlken. Auf spezielle Wünsche zum Beispiel bei Allergien kann Rücksicht genommen werden. Nicht eingepackt werden natürlich Zigaretten und anderen Rauchwaren sowie Alkohol. Betroffene sollten im Besitz des Oldenburgpasses und damit Empfänger von ALG II, Sozialgeld, Grundsicherung, Wohngeld oder Sozialhilfe oder Asylsuchende sein. Wer keinen Oldenburgpass hat und trotzdem die Hilfe in Anspruch nehmen möchte, kann dies im Einzelfall bei den Johannitern formlos beantragen. „Wir möchten sicherstellen, dass die Hilfe so einfach wie möglich die Betroffenen erreicht, aber trotzdem Missbrauch der Hilfe verhindern“, betont Ernst Kroeck.