Leitstelle

Offshore Leitstelle VENTUSmedic

Die in 2013 gegründete Offshore Notfallleitstelle (Emergency Dispatch & Medical Support Center) VENTUSmedic mit Sitz in Berne ist in 2017 in die Seenotleitung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen umgezogen.
In der Leitstelle werden medizinische Notrufe aus den Windparks in Nord- und Ostsee entgegengenommen und die erforderlichen Hilfsmaßnahmen koordiniert. Hierfür steht die Leitstelle im kontinuierlichen Kontakt mit den Betriebsleitstellen der Windparkbetreiber.

Über im Vorfeld abgestimmte Wege laufen Informationen über Schiffe und Personen im Windpark in der medizinischen Leitstelle ein. Zusammen mit den Informationen aus dem Notruf ergibt sich so ein vollständiges Lagebild. Als primäre Rettungsmittel werden durch die Leitstelle rund um die Uhr zwei Offshore Rettungshubschrauber alarmiert und disponiert. Aufgrund der weit entfernt von Festland liegenden Einsatzorte und der daraus resultierenden langen Eintreffzeiten der Rettungshubschrauber, beschränkt sich die Aufgabe der Leitstelle nicht nur auf die reine Notfallkoordination und Führung von Einsatzmitteln. Um therapiefreie Intervalle zu vermeiden, unterstützen die speziell geschulten Disponenten die Laienhelfer vor Ort durch die Anleitung zu Erste Hilfe Maßnahmen. Sollte sich am Einsatzort eine professionelle medizinische Fachkraft befinden, wird über die Leitstelle telemedizinischer Support durch das Universitätsklinikum Oldenburg vermittelt. Unter Einsatz audiovisueller Kommunikationstechnologien können medizinische Daten in Echtzeit an die Rund um die Uhr fachärztlich besetzte Telemedizin-Zentrale übertragen werden.

Durch die räumliche Ansiedelung der Leitstelle innerhalb des deutschen MRCC (Maritime Rescue Co-ordination Centre) arbeiten die Johanniter-Disponenten eng mit den Mitarbeitern der Seenotleitung zusammen. Bei Fragestellungen, die sich aus den maritimen Besonderheiten der Einsätze ergeben, ist  ein Zugriff auf die Expertise von erfahrenen Nautikern jederzeit gegeben.
Im Gegenzug unterstützen die Rettungsassistenten/Notfallsanitäter der Johanniter bei medizinischen Problemen im Rahmen von Seenotfällen in den deutschen Gebieten von Nord- und Ostsee und auf deutschen Schiffen weltweit die Arbeit des MRCC.

Außerdem funktioniert die Leitstelle noch als  Back-up-Leitstelle für die Rettungsassistenten und Notfallsanitäter der Johanniter Offshore Abteilung, die auf Schiffen und Plattformen in Nord- und Ostsee ihren Arbeitsplatz haben. Für sämtliche Probleme - sei es logistischer, organisatorischer oder auch psychosozialer Art – ist die Leitstelle der erste Ansprechpartner an Land.

Drei Fragen an Bernd Pietzarka, Teamleiter Leitstelle

Wieviele Johanniter arbeiten als Disponenten in der Leitstelle?

Es gibt einen Stamm von vier festen Disponenten. Um den Informationsfluss zwischen Einsatzdienst und Leitstelle ständig zu verbessern, übernehmen zusätzlich die Notfallsanitäter der Offshore Rettungshubschrauber regelmäßig Schichten als Disponent.



Welche Voraussetzungen müssen die Disponenten in der Leitstelle VENTUSmedic erfüllen?

  • Mehrjährige Berufserfahrung als Rettungsassistent oder Notfallsanitäter in der Notfallrettung
  • Gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift
  • Kenntnisse in verschiedensten Kommunikationsverfahren (u. a. Seefunk,  Sattelitentelefonie etc.)
  • Affinität zum „maritimen Arbeitsumfeld“



Wieviele Einsätze werden durch die Leitstelle VENTUSmedic disponiert?

Im Jahre 2017 wurden durch die Notfallleitstelle VENTUSmedic insgesamt rund 400 Einsätze disponiert. Dass sich die Arbeit dieser Leitstelle deutlich von der Arbeit anderer Leitstellen unterscheidet, wird aus der Statistik deutlich. Bei nur ca. 150 Einsätzen handelte es sich um eine medizinisch indizierte Evakuierung (MEDEVAC) durch einen Rettungshubschrauber. Mehr als die Hälfte aller Einsätze betrafen Telemedizin, medizinische Beratungen und sonstige Hilfeleitungen.