Den Auftrag zur Nächstenliebe verstanden

Stefan Greiber - Varel, 02. September 2018

Thomas Wolters ist neuer Ortsbeauftragter des Ortsverbands Varel der Johanniter-Unfall-Hilfe. Während eines Gottesdienstes in der Schlosskirche zu Varel hat der Regionalverband Weser-Ems den 46-Jährigen offiziell in sein Amt eingeführt. Wilfried Barysch, Mitglied im Vorstand des Regionalverbands Weser-Ems, verlas vor zahlreichen Gästen anderer Hilfsorganisationen, von Feuerwehr und Polizei, aus Politik und Verwaltung sowie anderen Gottesdienstbesuchern die Ernennungsurkunde. Anschließend spendete er gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Markus Wedemeyer, dem Leiter der Subkommende Ostfriesland-Wilhelmshaven des Johanniterordens Jens Kessemeier, dem Verbindungsritter des Ortsverbands Varel zum Johanniterorden Karl-Friedrich von Knorre sowie den Pastoren Peter Löffel, Ortsverbandspfarrer der Vareler Johanniter, und Martin Kubatta, Pfarrer der Schlosskirchen-Gemeinde, Thomas Wolters den Segen für seine zukünftige Tätigkeit.

Auch weltliche Unterstützung wurde Wolters zugesichert. „Thomas, wenn du einen Partner brauchst, ruf einfach an“, versprach Bürgermeister Gerd-Christian Wagner. Er habe Wolters als ehrlichen Menschen kennen gelernt, der sich für andere Menschen einsetzt. „Die Johanniter waren immer an unserer Seite.“ Es sei üblich in der Stadt Varel, dass sich die Menschen gegenseitig unterstützen. Das gelte auch für die Johanniter. „Ich weiß, wenn ihr angefordert werdet, seid ihr zur Stelle.“ Als Ortsbeauftragter ist Wolters zukünftig für einen ehrenamtlich tägigen Verband verantwortlich, der sich vor allem im Sanitätsdienst, im Hausnotruf mit eigenem Einsatzdienst, in der Jugend sowie in der Ausbildung in Erster Hilfe engagiert. Mehr als 1100 Fördermitglieder unterstützen ihn dabei. Die Führung des Verbandes ist eine Herausforderung. „Wir sind überzeugt, dass Thomas dieser Aufgabe gewachsen ist“, sagte Wedemeyer in seiner Ansprache. „Er weiß, wie die Johanniter-Unfall-Hilfe funktioniert.“

Bereits als Achtjähriger stand er bei den Vareler Johannitern auf der Matte, wollte Sanitäter werden. „Nachdem meine Familie in die Stadt Varel gezogen ist, bin ich an der Wache vorbei gekommen“, erinnerte Wolters sich. „Ich fand das cool mit dem Blaulicht auf dem Dach der Autos.“ Mit zehn Jahren, 1982, wurde er dann offiziell Mitglied in der Jugend. Damals war der Verband gerade mal selber erst zehn Jahre alt. Heute ist er Rettungshelfer und auch hauptberuflich bei den Johannitern im Betreuungsdienst einer Unterkunft für Schutzsuchende im Ammerland tätig. „Thomas kennt sich aus mit Sanitätsdienst, Hausnotruf-Einsatzdienst, Einkauf, Dienstplänen und dem Backoffice, weiß aber auch von den Sorgen von Helfern“, betonte Wedemeyer. Sogar wie Familien ticken wisse er, seit er im März erstmals Vater geworden ist.

Auch im Gottesdienst, den die Pastoren Kubatta und Löffel gemeinsam leiteten, drehte sich alles ums Retten und Helfen. In der Lesung ging es um das Gleichnis des Barmherzigen Samariters, die Predigt eröffneten die Pastoren mit dem Beginn einer Reportage über einen Rettungseinsatz von Johannitern in Berlin. „Die Johanniter machen, was allen Christenmenschen selbstverständlich sein sollte“, sagte Pastor Löffel. „Sie helfen.“ Hilfsbereit sei, wer hinschaut, wenn andere Hilfe brauchen. Der Samariter in dem Gleichnis habe geholfen, obwohl es für ihn keinen unmittelbaren Nutzen gab. Der Verletzte war kein Freund, kein Familienmitglied. Er hatte für die Hilfe kein Geld angeboten. „Wir alle sollten bestrebt sein, zur rechten Zeit das Rechte zu tun“, formulierte Pastor Kubatta einen Auftrag.

„Thomas versteht unseren Auftrag“, sagte Wedemeyer. Nach seinem Zivildienst im St. Johannis Hospital arbeitete er mehr als zwei Jahre als Pflegehelfer in der Nachtwache eines Pflegeheims, danach zehn Jahre im Unfallbergedienst. „Er nimmt keine Rücksicht auf Uhrzeit und Wetterlage und hat immer für und am Menschen gearbeitet“, erklärte Wedemeyer. „Ich bewundere das.“ Die Arbeit als Ortsbeauftragter kennt er gut, da er den Vareler Verband bereits seit zwei Jahren kommissarisch führt. Wolters gab in seiner ersten Ansprache als Ortsbeauftragter das vielfältige Lob gleich weiter an seine Helferschaft. „Ehrenamt geht nur als Team, und in Varel haben wir ein gutes Team, auf das ich mich verlassen kann.“ Nur so sei es möglich, selbst als ehrenamtlicher Verband den Hausnotruf-Einsatzdienst 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr aufrecht zu erhalten.