Selbst im Einsatz kommt kein Plastik auf den Tisch

Stefan Greiber - Wiesmoor/Jeverland, 18. April 2019

Teilen auch im Einsatz zukünftig Essen nicht nur hygienisch einwandfrei, sondern auch ökologisch unbedenklich aus: die Feldköchinnen der Wiesmoorer Johanniter Diana Borchelt (links) und Anita Dluzak mit Jan-Hendrik Gerdes, Lena Jakobs und Marcel Planteur (von links).

Vor drei Wochen hat das Parlament der Europäischen Union das Verbot vieler Wegwerfprodukte aus Plastik auf den Weg gebracht. Ziel ist, die weitere Vermüllung der Meere durch Plastik zu verhindern. Betroffen ist unter anderem Plastikgeschirr, also Teller, Becher, Messer, Löffel und Gabeln. Die Feldküchengruppen der Regionalbereitschaft Weser-Ems der Johanniter-Unfall-Hilfe sind da schon einen Schritt weiter. Sie experimentieren schon seit mehreren Monaten mit kompostierbarem Einweggeschirr und haben jetzt eine für alle Seiten zufriedenstellende Lösung gefunden. Die ersten 10.000 Sets im Gesamtwert von fast 5000 Euro mit Teller und Suppenteller, Becher und vierteiligem Bestecksatz sind jetzt bei der Feldküchengruppe in Wiesmoor eingetroffen. Das Geschirr ist aus Maisstärke, Besteck und Becher sind zusätzlich mit einer Schicht fermentierten Zuckers überzogen. Alles ist geschmacksneutral und biologisch abbaubar.

„Aus hygienischen Gründen sind wir gezwungen, im Einsatzfall auf Einweggeschirr zurückzugreifen“, erklärt Diana Borchelt, ehrenamtliche Ortsbeauftragte der Wiesmoorer Johanniter. Zusammen mit der Feldküchengruppe des Ortsverbands Jeverland kümmern sie sich im Einsatzfall als so genannte Verpflegungsgruppen zum Beispiel um die Versorgung von Einsatzkräften oder Menschen, die evakuiert worden sind. Die Wiesmoorer Feldköche haben rund 20 Einsätze im Jahr, die meisten davon bei Veranstaltungen. „Bei geplanten Einsätzen verwenden wir wann immer möglich Mehrweggeschirr, weil wir dann unsere Spülküche einsetzen können“, sagt Borchelt. Im Einsatzfall ist das nicht möglich. Die Feldküche muss schnell vor Ort sein, oft fehlt die notwendige Infrastruktur wie Wasser oder Kanalisation. Da hilft nur Einweggeschirr.

„Wir haben bereits seit mehreren Monaten verschiedene Alternativen zum Plastik ausprobiert“, berichtet Borchelt. Bambusgeschirr schied aus, weil es zu teuer war und zudem ökologisch fragwürdig. „Bambus wächst nun mal nicht in Marcardsmoor“, sagt Borchelt. Mais schon. Holz auch. Aber Holzbesteck kam beim Publikum nicht an. Die Gäste sagten, dass der Geschmack so intensiv sei, dass er den Geschmack des Essens beeinträchtige. „Man könnte meinen, dass das im Einsatzfall nicht wichtig ist“, sagt Borchelt und widerspricht sofort: „Die meisten Helfer im Katastrophenschutz sind ehrenamtlich im Einsatz. Sie kriegen keinen Lohn. Da muss wenigstens das Essen schmecken.“ Drei Paletten mit Einweggeschirr haben die Wiesmoorer schon in die Regale geräumt, drei weitere stehen in der Fahrzeughalle zur Abholung bereit. Die sind für den Johanniter-Ortsverband Jeverland bestimmt. Denn auch deren Feldküche verzichtet zukünftig auch im Einsatzfall auf Einweggeschirr aus Plastik.

Die Kosten sind rund zehn Prozent höher als bei herkömmlichen Plastik-Einweggeschirr. Allerdings sind da die Kosten für Entsorgung und Umweltbelastung nicht eingepreist. Unter dem Strich ist das Geschirr aus Maisstärke also günstiger. Für Diana Borchelt ist es selbstverständlich mit der Zeit zu gehen. „Früher haben wir einen großen Topf Erbsensuppe gekocht, mit Fleisch und Speck drin.“ Heute nehmen die Feldköche Rücksicht auf veränderte Essensgewohnheiten, Allergien, kochen auch vegetarisch und vegan. Und ab sofort auch ohne Einweggeschirr aus Plastik.