Am Anfang war sogar der Krankenwagen nur geliehen

Stefan Greiber - Wilhelmshaven, 07. September 2019

Die Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum zum Herunterladen.

„Wir hatten ja nichts. Kein Auto und noch weniger Geld“, erinnerte sich Wolfgang Oehrl. Er gründete den Ortsverband Wilhelmshaven der Johanniter-Unfall-Hilfe und gab beim Festempfang zum 50-jährigen Jubiläum einige Einblicke in die Anfangszeit. Oehrl überredete die Olympia-Werke in Roffhausen, für den Werkssanitätsdienst einen VW Bulli anzuschaffen. „Wir haben ihn dann zum Krankenwagen ausgebaut, mit Personal besetzt und durften ihn dafür am Wochenende für Sanitätsdienste nutzen.“ Der allererste Einsatz war bei einer Fahrradrallye, von der er sogar ein Foto mitgebracht hatte. Oehrl hatte auch eine Erklärung für die hellbraune Farbe der Dienstbekleidung der Johanniter. „Wir haben 1953 unsere erste Dienstbekleidung bekommen. Damals war Kalter Krieg und es wurden Atomschläge befürchtet“, erinnerte sich der ehemalige Marineoffizier und heutige Rechtsritter im Johanniterorden. Deshalb hatte die erste Dienstbekleidung eine helle Farbe, da diese besser vor der Strahlung schützen sollte. Aus Sandfarben ist über die Jahre ein eher grünlicher Ton geworden, gewöhnungsbedürftig ist die Farbe aber auch heute noch.

Der ehrenamtliche Ortsbeauftragte Siegfried Werner, der zusammen mit dem hauptamtlichen Dienststellenleiter Marcel Colter den Ortsverband leitet, gab einen Rückblick auf die vergangenen fünf Jahrzehnte Johanniter in Wilhelmshaven. 1969 sammelte Wolfgang Oehrl einige Ehrenamtliche um sich, fand im Feuerwehrhaus in Sengwarden das erste Domizil und bildete die junge Helferschaft selber aus. Über die Jahre entwickelte sich der Ortsverband, neue Dienstleistungen wie Hausnotruf, ambulante Pflege und Tagespflege kamen hinzu, andere wurden wieder eingestellt. Spektakulär war der Abschied vom Menüservice, wie sich Siegfried Werner erinnerte. Eines Sonntagmorgens kam er in die Dienststelle und schwarzer Rauch schlug ihm entgegen. Der Generator der Kühlzelle stand in Flammen. „Zum Glück hatte ich den Brand entdeckt bevor er sich ausbreiten konnte.“ So alarmierte er die Feuerwehr und stand mit rußgeschwärztem Gesicht vor der Dienststelle, als sie eintraf. Einsatzleiter war Walter Menßen, der als Vertreter des Sachgebiets Katastrophenschutz der Berufsfeuerwehr auch am Festempfang teilnahm. „Ich erinnere mich“, sagte er. Zum Glück ist es beim Brand der Kühlzelle geblieben, der Menüservice wurde aber anschließend eingestellt.

Wilfried Barysch, Mitglied im Regionalvorstand, betonte die enge Verbindung des Regionalverbands mit dem Ortsverband Wilhelmshaven. Bei der Gründungsversammlung des Regionalverbands im Dezember 1994 wurde Siegfried Werner vom damaligen Landesvorstand Drees die offizielle Ernennungsurkunde zum Ortsbeauftragten überreicht. Anschließend begannen der neue Ortsbeauftragte und neue Regionalvorstand mit den Aufräumarbeiten in Wilhelmshaven. „Da war nicht alles gut“, sagte Barysch diplomatisch. „Siegfried Werner hat dann in seiner typischen Art einmal Dampf abgelassen, die Ärmel hochgekrempelt und aufgeräumt.“ Seitdem habe sich der Verband hervorragend entwickelt.

Das betonte auch Uwe Reese, Bürgermeister Stadt Wilhelmshaven. „Die Johanniter sind eine unverzichtbare Säule in der Stadt Wilhelmshaven“, sagte er. Besonders freue er sich, dass die Johanniter mit 86 sozialversicherten Arbeitsplätzen inzwischen auch ein zumindest mittelgroßer Arbeitgeber sind. Zudem erinnerte er daran, dass die Stadt in diesem Jahr 150-jähriges Jubiläum feiert und der Stadtgründer, König Wilhelm I. von Preußen, der Bruder des damaligen Herrenmeisters des Johanniterordens, Prinz Friedrich Carl Alexander von Preußen, war. „Sie sehen, Stadt und Johanniter sind sozusagen miteinander verwandt.“

Als die Subkommende Ostfriesland-Wilhelmshaven des Johanniterordens gegründet wurde, gab es im Zuständigkeitsbereich nur drei Ortsverbände. „Wilhelmshaven war einer davon“, sagte Subkommendeleiter Jens Kessemeier. Heute sind es neun. Die ersten drei Subkommendeleiter waren Wilhelmshavener, die meisten Treffen finden in der Stadt am Jadebusen statt. „Wir haben uns hier immer sehr wohl gefühlt und fühlen uns noch immer sehr wohl“, betonte Kessemeier. Einer seiner Vorgänger als Subkommendeleiter, Eberhard Quast, ist heute Verbindungsritter des Ordens zum Ortsverband.

Uwe Beyes, Mitglied im Landesvorstand, lobte die Aktivitäten im Ortsverband. „Formal schließen Sie, wenn Sie eine Geschäftsbeziehung mit uns eingehen, einen Vertrag mit der Bundesgeschäftsstelle in Berlin. Gehandelt wird aber vor Ort.“ Hier werde die Arbeit erledigt und die Hilfe am Menschen geleistet. „Das dürfen wir niemals vergessen.“ Eine leckere Anekdote trug Diana Borchelt bei, Ortsbeauftragte des Ortsverbands Wiesmoor. Siegfried Werner hatte die Wiesmoorer Feldküche gebeten, für eine Veranstaltung für die Helferverpflegung Erbsensuppe zu kochen. „Wir haben am Tag zuvor die Erbsen in Eimern und Wannen eingeweicht und in den Ausbildungsraum gestellt“, erinnerte sich Borchelt. Am nächsten Tag hatten die Erbsen ein Eigenleben entwickelt, waren so stark aufgequollen, dass sie sich im Ausbildungsraum und die angrenzenden Flure ausgebreitet hatten. „Wir haben sie dann im Garten vergraben und gehofft, dass sie vielleicht sogar noch keimen.“ Das hat nicht geklappt, dafür wurde ein neues Rezept geboren. „Wir haben den Kartoffelanteil erhöht und so unsere Kartoffelsuppe entwickelt, die heute beliebter ist als die Erbsensuppe.“ Wer sie kennen lernen möchte, kann sie übrigens beim Tag der offenen Tür der Tagespflege „Die Insel“ am 7. September probieren.