Massenanfall von Verletzten – RV Harburg unterstützt bei Krankenhausübung der BGV

Hamburg, 29. März 2019

Schürfwunden, Platzwunden, Risswunden - das Team der Realistischen Unfalldarstellung kann alles schminken. Foto: Sonja Schleutker-Franke

Das war kein gewöhnlicher Abend in der Schön Klinik in Hamburg-Eilbek: Dort fand am Donnerstag, 28. März 2019, ab 19:15 Uhr, eine unangekündigte Krankenhausübung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz (BGV) statt, an der auch Johanniter des Regionalverbands Harburg und der DLRG beteiligt waren. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Hilfsorganisationen und der Feuerwehr testet die Hamburger Gesundheitsbehörde regelmäßig das Verhalten bei und die Alarmpläne der Hamburger Krankenhäuser für den so genannten Massenanfall von Verletzten (MANV).
 
Großdemonstration mit mehr als 200 Verletzten dient als Szenario
 
Die Mitarbeiter der Klinik wurden um 19 Uhr mit folgendem Szenario konfrontiert: Ganz in der Nähe hatte eine Großdemonstration mit mehr als 50.000 Teilnehmern stattgefunden, die aber aufgrund von Ausschreitungen vorzeitig von der Polizei aufgelöst wurde. Nach der Auflösung kam es in einer der Nebenstraßen zu erneuten Ausschreitungen, bei der ein Autofahrer versuchte, durch eine Menschenmenge zu fahren und mehrere Böller in die Menschenmenge geworfen wurden. Es kam zu einer Massenpanik, bei der sich mehr als 200 Personen verletzten.
 
80 Verletztendarsteller, 18 Angehörigendarsteller, 6 Pressedarsteller, 18 Mimenbetreuer, 20 Beobachterinnen und Beobachter und zahlreiche Helfer der Johanniter aus Harburg sowie DLRG-Mitglieder beteiligten sich an der Großübung. Das Krankenhauspersonal – von Ärzten bis Logistik - übte das Verhalten bei einem MANV. In dem Szenario stellte sich die Schön Klinik der Versorgung von Verletztendarstellern, die leichte bis mittelschwere Verletzungen aufwiesen, wie Schürf-, Schnitt und Risswunden, oder unter Schock standen. Das hierfür erforderliche zusätzliche ärztliche und pflegerische Personal wurde aus dem Krankenhaus von verschiedenen Abteilungen und von zu Hause herbeigerufen.
 
Blutende Wunden und kreidebleiche Menschen
 
Geschminkt wurden die täuschend echt aussehenden, blutigen Wunden im Vorfeld vom Team der Realistischen Unfalldarstellung des Regionalverbandes Harburg und der DLRG. Sarah Moerchel, Laura Engelmohr und Annika Stabe von den Johannitern sorgten mit ihren Schminkküsten dafür, dass die Verletztendarsteller geradezu blutüberströmt mit Platzwunden herumliefen oder kreidebleich waren, wenn sie einen Schock mimten.
 
In der von der Behörde vorbereiteten und verantworteten Übung lag die organisatorische Leitung für den Einsatz der Darsteller beim Harburger Johanniter Julian Jungjohann. Vor Übungsbeginn trafen sich alle Beteiligten in Räumen der Behörde in Rothenburgsort. Hier erhielten die Darsteller ihre genauen Instruktionen für das Spielen der unterschiedlichen Rollen und einen detaillierten Zeitplan der Übung.
 
Medienansturm vor der Notaufnahme
 
Gegen 19.15 Uhr trafen die ersten wenigen Verletzten gemäß Ablaufplan in der Notaufnahme der Klinik ein, eine weitere Gruppe von rund 15 Mimen folgte kurz darauf. Alle wurden gesichtet und zur weiteren Versorgung in die Klinik gebracht. Permanent trafen weitere Verletztendarsteller in der Klinik ein. Vor der Notaufnahme und in anderen Krankenhausbereichen warteten außerdem die Angehörigen- und Pressedarsteller ungeduldig auf Informationen vom Klinikpersonal.

Aufgabe der Pressedarsteller war es, den entsprechenden Medienansturm zu simulieren, um den Umgang des Klinikpersonals mit Journalisten in Krisensituationen unter die Lupe zu nehmen. "Ich war das erste Mal Pressedarstellerin. Das war schon ein seltsames Gefühl, weil ich sonst bei Sanitätsdiensten selbst Patienten versorge und nun nur zugucken konnte", erzählte Bianca Klinke aus dem Ortsverband Seevetal. Auch Lothar Herrle aus dem Ortsverband Buchholz war das erste Mal Pressedarsteller: "Es war ein interessanter Perspektivwechsel, dass ich den Auftrag hatte, nicht zu helfen, sondern bewusst die Abläufe zu stören." Gegen 21:15 Uhr wurde die Übung offiziell beendet.

Pressestelle: Sonja Schleutker-Franke

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Regionalverband Harburg
Am Saal 2
21217 Seevetal