Vorsicht Eiseskälte!

Wismar, 06. Februar 2012

Johanniter geben Tipps für den Notfall und warnen vor Betreten der Eisflächen.

Bildnachweis: Johanniter/Kassal

 

Der Winter hat Norddeutschland fest im Griff. Auch tagsüber steigen die Temperaturen kaum über den Gefrierpunkt. Eis bedeckt erste Seen und Gewässer, doch Vorsicht ist geboten: Die Eisdecken sind längst noch nicht tragfähig. Wer sich aufs Eis wagt, riskiert gefährliche Unfälle, die nicht selten tödlich enden. Deshalb gilt: Eisflächen erst ab einer Dicke von mindestens 20 Zentimetern und nie alleine betreten. „Wenn es zu einem Einbruch kommt, bleiben nur wenige Minuten, um sich aus dem kalten Wasser zu retten“, sagt Karsten Müller, Rettungsassistent auf der Johanniter-Rettungswache in Wismar. „Auch ein Erwachsener mit guter Kondition hat sonst keine Chance zu überleben.“ Wer sich selbst retten kann sollte sich auf der Eisfläche liegend und mit gespreizten Armen und Beinen ans Ufer bewegen, um das Gewicht auf möglichst viel Fläche zu verteilen.

 

Ersthelfer, die eine im Eis eingebrochene Person entdecken, sollten niemals selbst das Eis betreten, sondern umgehend den Notruf 112 wählen. Dabei ist wichtig, dass der Anrufer die sogenannten W-Fragen beantwortet: Wer meldet? Wo ist es passiert? Was ist geschehen? Wie viele Verletzte oder Personen sind in Gefahr? Danach sollte der Anrufer auf Rückfragen der Rettungsleitstelle warten. Dann sollten die Helfer vom Ufer aus mit einem Ast oder einer Leine versuchen, die eingebrochene Person zu retten.

 

Die größte Gefahr bei einem Eiseinbruch besteht in der Unterkühlung. "Wenn die Körperkerntemperatur auf unter 36 Grad Celsius sinkt, spricht man von Unterkühlung. Lebensgefährlich wird es ab etwa 34 Grad: Dann funktioniert die Atmung nicht mehr richtig, es entsteht Sauerstoffmangel und Bewusstseinstörungen sind die Folge", erläutert Müller. Das Wasser steigert die Gefahr der Unterkühlung: "Wasser leitet die Wärme besser als Luft, deshalb kühlt man in nasser Kleidung viel schneller aus als in trockener", so der Rettungsassistent. Deshalb ist es wichtig, dass die Helfer dem Betroffenen die nasse Kleidung ausziehen und ihn in trockene Decken oder Kleidung wickeln, damit er vor einer weiteren Auskühlung geschützt wird. Besonders geeignet sind Rettungsdecken, etwa aus dem Verbandskasten eines Autos. "Geben Sie einer stark unterkühlten Person niemals alkoholische Getränke, etwa Glühwein, zum Aufwärmen", warnt der Johanniter. "Das führt im schlimmsten Fall eher zum gegenteiligen Effekt: Durch Alkohol weiten sich die Gefäße und es kann zu einer weiteren Auskühlung kommen."

 

„Ist der Betroffene bewusstlos und hat eine normale Atmung, wird er in die stabile Seitenlage gebracht“, sagt Müller. „Hat der Bewusstlose keine normale Atmung, sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen und diese bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortsetzen.“

 

Hier finden Sie Informationen zu Erste-Hilfe-Kursen bei den Johannitern.

 

Ihr Ansprechpartner für Pressefragen: Berenike Matern

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.
Landesverband Nord
Friesenstraße 1
20097 Hamburg