95 weitere Schüler/innen als Herzensretter in Bronze ausgebildet

Malte Schierenberg - Lübeck, 27. November 2019

Hans-Martin Grusnick bei der Ausbildung der Schüler im Johanneum Lübeck

Lübeck ■ Die Sporthalle des Johanneums war am 27.11. mittags gut gefüllt mit Reanimationspuppen. Insgesamt 55 Puppen hatten die Johanniter dort aufgebaut, um den Praxisteil des neuen Ersten-Hilfe-Konzeptes für Schüler/innen in den vier achten Klassen der Schule durchzuführen. Am Morgen stand bereits die Theorie der Herzdruckmassage auf dem Stundenplan, mittags wurde in zwei Durchläufen mit jeweils zwei Klassen parallel das Gelernte praktisch geübt.

Nach einer kurzen Wiederholung der Theorie durch Anleiter Hans-Martin Grusnick, Oberarzt der Kardiologie/Intensivmedizin und Regionalvorstand der Johanniter in Lübeck, wurde zu Rhythmen wie „Stayin‘ Alive“, „Atemlos“ oder „Highway to hell“ gedrückt was das Zeug hält. Und dabei brauchten die Schüler einen langen Atem, denn zunächst war die Aufgabe die Herzdruckmassage alleine 10 Minuten (bis zum Eintreffen des imaginären Rettungswagens) ununterbrochen durchzuführen. Dass das bei ca. 6cm tiefen und ca. 120 Druckstößen pro Minute eine echte Herausforderung ist, merkten die Schüler/innen schnell. In der zweiten Runde durfte sich dann in Zweierteams abgewechselt werden, ohne die Herzdruckmassage dabei zu unterbrechen. Die insgesamt fünf anwesenden Johanniter-Ausbilder zeigten dabei immer wieder die korrekte Haltung und den passenden Rhythmus auf.

„Ihr könnt bei der Wiederbelebung nichts falsch machen, aber so vieles richtig!“ (Hans-Martin Grusnick)

Zum Abschluss erhielten die Schüler/innen das Herzensretter-Abzeichen in Bronze sowie die dazugehörige Urkunde. Verabschiedet wurden sie mit den Worten von Hans-Martin Grusnick: „Denkt immer daran: Ihr könnt bei der Wiederbelebung nichts falsch machen, aber so vieles richtig!“

Im nächsten Jahr steht dann für die Schüler/innen die Ausbildung als Herzensretter in Silber an, das heißt neben der Herzdruckmassage wird dann auch die Beatmung geschult.

Das Konzept „Von Herzensrettern und Lebensrettern“

Die großen Hilfsorganisationen der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) haben sich unter Federführung der Johanniter-Unfall-Hilfe zusammengeschlossen und das Konzept „Von Herzensrettern und Lebensrettern“ ins Leben gerufen: Danach bilden die Johanniter Schüler an Schulen der Jahrgangsstufen 7 – 10 im jährlichen Rhythmus zunächst zu „Herzensrettern“ der Stufen Bronze, Silber und Gold und anschließend zu „Lebensrettern“ aus.

Das bundesweite Pilotprojekt hat an anderen Standorten bereits überzeugt, nun wird es verstärkt auch im Regionalverband Schleswig-Holstein Süd/Ost ausgerollt. Einen ersten Durchlauf hatte das Projekt bereits Anfang November 2019 in der Prenski-Schule in Lübeck, nach dem Johanneum werden nach und nach weitere Schulen folgen, als nächste Schule steht die Gotthard-Kühl-Schule auf dem Programm.

Das Konzept sieht vor, dass Schüler/innen an den Schulen zu Juniortrainern ausgebildet werden, die wiederum ihre Mitschüler in der Wiederbelebung schulen (Peergroup-Konzept). Gleichzeitig bilden die Johanniter pro Schule einen Seniortrainer aus, der auch koordinierend und beratend tätig wird. Gemeinsam mit den Schulen werden die Johanniter die Qualität der Ausbildung absichern und weiterentwickeln.

Die Ausgangslage

Bei einem Herz-Kreislaufstillstand oder anderen lebensbedrohlichen Notfällen zählt jede Sekunde. Bis der Rettungsdienst eintrifft, hängt das Leben der Betroffenen von spontan und beherzt zupackenden Ersthelfern ab. Doch nur in 42 Prozent der Fälle haben in der jüngeren Vergangenheit Ersthelfer bei einem Herz-Kreislaufstillstand mit der Wiederbelebung begonnen. Das hat eine Erhebung des Reanimationsregisters der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie (DGAI) auf der Basis von 11.800 ausgewerteten Rettungseinsätzen ergeben. In skandinavischen Ländern liegt diese Quote bei 60%. Mit dem „Herzensretter-Konzept“ soll die Bereitschaft und das Vermögen in Erste-Hilfe-Situationen tatsächlich zu helfen auch in unserem Land signifikant erhöht werden.

Mit dem Konzept werden Schüler an Schulen professionell, nachhaltig und für die Schulen kostenlos von den Johannitern ausgebildet. Kern des Konzeptes ist ein niedrigschwelliger dreistufiger Ansatz, der mit der Herzdruckmassage beginnt und in zwei weiterführenden Modulen die Schüler an die Beatmung und später an den Umgang mit dem Automatischen Externen Defibrillator (AED) heranführt.

Bronze, Silber oder Gold

Die Ausbildungsschritte sind wie folgt vorgesehen:

1. Herzensretter Bronze: Wiederbelebung nur mit Drücken - 7. bis 8. Klassen
2. Herzensretter Silber: Wiederbelebung mit Drücken und Beatmen - 8. bis 9. Klassen
3. Herzensretter Gold: Wiederbelebung zusätzlich mit Automatisiertem Externen Defibrillator (AED) - 9. bis 10. Klassen

Unter „Lebensretter“ fügen sich Angebote für die Interessierten an, die für alle Notfälle gut vorbereitet sein wollen: Dies bieten Erste Hilfe-Kurse (9 UE), in denen man kompakt aus der Praxis für die Praxis Wichtiges und Wertvolles zur Ersten Hilfe lernt und übt.


Weitere Informationen zu dem Konzept: www.herzensretter.info/

Ihr Ansprechpartner für Medienanfragen: Malte Schierenberg

Kommunikationsreferent und Pressesprecher

Bei der Gasanstalt 12
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