Erste Hilfe Kurse in neuem Format

22. April 2015

Foto: Tobias Grosser/JUH

Johanniter bilden noch praxisnäher aus

Kreis Lippe/Kreis Höxter.
Mit einem innovativen, neuen Konzept reagiert die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Lippe-Höxter auf die veränderte Rechtslage bei der Erste-Hilfe-Ausbildung. Seit Monatsbeginn dauern alle Erstschulungen für Führerscheinbewerber und Betriebshelfer einheitlich neun Unterrichtseinheiten. „Unsere Ausbildung setzt jetzt verstärkt auf praxisnahe Schulung in der Gruppe“, erläutert Björn Jockwig, Ausbildungskoordinator im JUH-Regionalverband.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Johanniter hat ermittelt, dass die Deutschen Erste Hilfe-Kenntnisse zwar für wichtig erachten, aber bei jedem Dritten der letzte Kurs zehn oder mehr Jahre zurückliegt. Die Folge: Fast die Hälfte der Befragten würde im Notfall zögern, Erste Hilfe zu leisten – aus Angst, etwas falsch zu machen. „Die Reform der Ausbildung kann da Abhilfe schaffen“, wirbt Jockwig für das neue Kursmodell.

Bislang dauerte die Ausbildung von Betriebshelfern 16 Unterrichtseinheiten, die der Führerscheinbewerber acht. Die Ausbildung ist nun so vereinheitlicht, dass sie in jedem Fall innerhalb eines Tages stattfinden kann. „Für Fahrschüler ist der Unterricht noch etwas intensiver, für Betriebshelfer haben wir die Inhalte gestrafft ohne unseren Qualitätsanspruch zu vernachlässigen“, erläutert Jockwig. In der Summe entstehen freie Kapazitäten, sodass mehr Menschen ausgebildet werden können.

Die Johanniter setzen weiter auf ihr bewährtes Konzept der Lerninseln, bauen aber den praktischen Teil der Kurse aus. Hinter den Lerninseln verbergen sich Ausbildungsstationen, die jeweils mit einem Leitsymptom verknüpft sind, beispielsweise „Keine Atmung“ oder „Nicht erweckbar“. Die angehenden Ersthelfer erlernen dann in Kleingruppen und mit ganz praktischer Arbeit die Maßnahmenpakete, die beim jeweiligen Leitsymptom angewandt werden sollten.

Besonders intensiv wird die Lernerfahrung durch das neue 360-Grad-Konzept. In der Kleingruppe nehmen alle Teilnehmer immer wieder unterschiedliche Positionen ein: als Ersthelfer, als Unfallopfer oder als Angehöriger. „Durch diese Perspektivwechsel ist das Lernen besonders intensiv, praxisnah und nachhaltig“, beschreibt Jockwig die Vorteile.

Kursangebote im RV Lippe-Höxter und die Hintergründe auf einen Blick gibt es hier.